Bundesliga boomt, Schuldenfalle Europa

Frankfurt/Nyon.  Ein Profi in der Fußball-Bundesliga verdient im Jahr im Schnitt etwa 1,6 Millionen Euro - und muss eigentlich nicht ins Dschungelcamp.

Boomliga Bundesliga: Das Oberhaus lag in der vergangenen Saison wirtschaftlich wieder auf Rekordkurs. Die 18 Profivereine haben mit einem Umsatz von 1,94 Milliarden Euro zum siebten Mal in Serie für eine Bestmarke gesorgt. Diese Zahlen gab gestern Christian Seifert bekannt, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

Zudem kamen so viele Zuschauer wie noch nie in die Stadien. 42 101 Fans wollten in der abgelaufenen Saison im Schnitt die Partien sehen - der siebte Zuschauerrekord in den vergangenen zehn Jahren und weltweiter Spitzenwert im Sport. Nur die amerikanische Liga im American Football (NFL) liegt mit 66 960 Besuchern darüber.

Sorgenkind der DFL bleibt das Unterhaus. "Grundsätzlich ist die Zweite Liga aus wirtschaftlicher Sicht eine Baustelle", sagte Seifert. Die Spielklasse verringerte zwar ihren Verlust von 25,4 Millionen Euro in der Saison 2009/2010 auf jetzt 18,9 Millionen Euro, doch nur acht von 18 Klubs weisen einen Gewinn auf. Die Verbindlichkeiten sind um 28 Prozent auf 163,5 Millionen Euro gewachsen - bei schrumpfendem Eigenkapital.

Nachdem die 18 Erstliga-Vereine in der Saison 2009/2010 noch einen Verlust von 78 Millionen Euro verzeichnen mussten, erwirtschafteten sie in der vergangenen Spielzeit einen Gewinn von 52,5 Millionen Euro. Zudem verringerten sie ihre Schulden um 7,9 Prozent auf 593,8 Millionen Euro. Dies ist nach Angaben Seiferts auf die verstärkte Kostenkontrolle zurückzuführen.

Die Vereine gaben insgesamt 780 Millionen Euro an Gehältern aus für etwa 500 Spieler. "Wenn sich ein Profispieler nach fünf Jahren zurückzieht, sollte er soviel verdient haben, dass er nicht ins Dschungelcamp muss", meinte Seifert mit ironischem Lächeln: Ein kleiner Seitenhieb auch an den früheren Torjäger Ailton, der derzeit unter ekligen Bedingungen in Australien vor den Kameras steht. Dabei verdienen die Erstliga-Akteure im Schnitt 1,6 Millionen pro Saison.

Seifert betonte bei der Erfolgsbilanz und auch vor dem Hintergrund, dass immer wieder Forderungen laut werden, der Fußball möge sich an Polizeieinsätzen beteiligen: "Wir haben noch nie so viel an Steuern und Abgaben bezahlt." 718 Millionen Euro nämlich, dazu verweist die DFL auf 14 000 Arbeitsverhältnisse hierzulande rund um das runde Leder. Nicht nur mit rosaroten Bilanzzahlen, sondern auch mit "Umfeldphänomenen" (Seifert) muss sich die erfolgsverwöhnte Liga in naher Zukunft beschäftigen. Seifert nannte hier in erster Linie die Diskussion um die Gewalt in und rund um die Stadien.

Ganz anders dagegen das Bild in Europa. Die Top-Klubs stecken tief in der Schuldenfalle. Laut Angaben der Europäischen Fußball-Union (Uefa) stiegen die Verluste im Jahr 2010 um 36 Prozent gegenüber 2009 auf 1,6 Milliarden Euro. Die höheren Verluste seien vor allem in den geringeren Transfereinnahmen begründet. Die Uefa präsentierte die niederschmetternden Zahlen nach einer zweitägigen Sitzung des Exekutivkomitees in Nyon. Laut Andrea Traverso, Chef für Lizenzierung und Financial Fair Play beim europäischen Kontinentalverband, schrieben 56 Prozent der Erstliga-Klubs rote Zahlen. "Wir müssen diesen Trend sehr schnell umkehren", sagte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino. Dass es zwischen Deutschland und Europa einen solchen Unterschied gibt, liegt vor allem daran, dass die DFL ein deutlich schärferes Lizenzierungsverfahren vorgibt.


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Autor: DPA/SID/EB | 26.01.2012

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