Tobias Flitsch wird beim SSV 46 Fußball vom Interims- zum Cheftrainer befördert

Trotz der 2:3-Niederlage beim TSV Steinbach soll Tobias Flitsch bis zum Saisonende die Spatzen betreuen. Sportvorstand Anton Gugelfuß bescheinigt dem 37-Jährigen gute Arbeit.

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Auftanken und durchstarten: Tobias Flitsch soll der Mannschaft am Dienstag als neuer Cheftrainer vorgestellt werden und bis zum Saisonende die Spatzen betreuen.  Foto: 

Es war das sechste Spiel in Folge ohne Sieg. Der schlechteste Saisonstart seit Jahren ist nach der 2:3 (1:2)-Niederlage beim TSV Steinbach perfekt. Keine Frage: Regionalligist SSV Ulm 1846 Fußball steckt in der Krise. Dessen ungeachtet will der Klub den bisherigen Interimscoach Tobias Flitsch zum neuen Cheftrainer befördern. Groß wird die Überraschung nicht sein, wenn die Verantwortlichen dies der Mannschaft, die bis Dienstag trainingsfrei hat, offiziell verkündet.

Der SSV 46 setzt mit dieser Entscheidung  auf eine club-interne Lösung. Bis zum Saisonende soll Flitsch, der nach dem Rücktritt von Stephan Baierl vom Co- zum Interimstrainer aufgestiegen war und aus den letzten drei Partien zwei Punkte holte, die sportliche Verantwortung übernehmen. Sven Ackermann, gleichzeitig Trainer der A-Junioren, soll weiterhin als Co Flitsch zuarbeiten.

Zunächst schienen Flitschs Chancen auf eine Beförderung eher gering zu sein. Die Vereinsführung hatte intensiv den Trainermarkt sondiert und zahlreiche Bewerbungen erhalten. Am Ende scheint sich in der Vereinsführung die Erkenntnis von Anton Gugelfuß durchgesetzt haben: „Wir wollen den Schwung, den Flitsch hergestellt hat, mitnehmen“, sagt der Sportvorstand und bescheinigt Flitsch gute Arbeit. „Man hat von Spiel zu Spiel unter seiner Leitung eine Entwicklung gesehen.“

Nach der Rückkehr vom Auswärtsspiel in Mittelhessen waren die Verantwortlichen am Samstagabend zusammen gesessen und hatten intensiv Argumente ausgetauscht. „Wir sind überzeugt, dass Flitsch der richtige Trainer ist, um unsere Philosophie im Sinne des Vereins umzusetzen und weiterzuentwickeln“, sagt Gugelfuß. „Er benötigt keine Eingewöhnungszeit, weil er die SSV-Philosophie kennt.“

Flitsch: „Die Arbeit macht Spaß“

Regionalliga-Novize Flitsch (37) blickt der Herausforderung zuversichtlich entgegen, zumal auch der Spielerrat eine Lanze für ihn gebrochen hat. „Die Arbeit mit der Mannschaft in den vergangenen Tagen war sehr intensiv und hat mir viel Spaß gemacht“, betont Flitsch, der die Arbeit gerne fortsetzen würde. Auch beim 2:3 (1:2) gegen den TSV Steinbach hatte Flitsch nochmals für sich geworben, obwohl er weiterhin auf seinen ersten Sieg warten muss. Die Gäste hatten alles gegeben, am Ende aber hat es wieder nicht gereicht.

Dem SSV 46 unterlief ein schlimmer Fehlstart, der die Nerven zusätzlich strapazierte. Bereits nach drei Minuten führten die Gastgeber durch einen von Nikola Trkulja verwandelten Foulelfmeter mit 1:0. Und der Ex-Ulmer ließ seinen ehemaligen Klub weiter leiden. Nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Steffen Kienle (13.) bewies Trkulja (21.) erneut seine Kaltschnäuzigkeit und vollstreckte ein zweites Mal vom Elfmeterpunkt.

Der SSV 46, der keineswegs wie ein Abstiegskandidat auftrat, wehrte sich gegen die drohende Niederlage. „Wenn wir keine Mannschaft wären, hätten wir uns nach diesem Spielverlauf abschlachten lassen“, lobte  Flitsch die Moral seiner Spieler. Fortan war es eine Partie zweier Mannschaften auf Augenhöhe. Den Gästen, bei denen Johannes Reichert (muskuläre Probleme), Tim Göhlert (erkrankt) und Thomas Rathgeber (Verschnaufpause) nicht im Kader standen, boten sich auch gute Gelegenheiten. Allein es fehlte an der Abgeklärtheit und am letzten Schuss Zielstrebigkeit. Ein Schuss von Schmidts (33.) wurde auf der Linie geklärt, ein aussichtsreicher Kopfball von Michael Schindele (41.) ging knapp übers Tor, und wiederum Kienle (77.) scheiterte am einheimischen Torhüter. Inmitten der Ulmer Drangperiode erzielten die Platzherren mit einem Konter das vorentscheidende 3:1 (67.).

Auch der Anschlusstreffer zum 2:3 durch den eingewechselten Ardian Morina konnte die prekäre Situation nicht mehr verändern. Die Skepsis wächst. Siege können helfen, die Bedenken zu vertreiben. Am Mittwoch (17.15 Uhr) besteht in der dritten Runde des WFV-Pokals  beim Landesligisten SV Mietingen für Flitsch – dann als offizieller Chefcoach – die nächste Gelegenheit. In der Regionalliga geht es erst in zwei Wochen (9. September) mit dem Heimspiel gegen Schlusslicht Hessen Kassel weiter.

Nicht alltäglich

Als Verein der etwas anderen Art präsentiert sich dieser Tage der SSV Ulm 1846 Fußball. Auf den nicht alltäglichen Rücktritt des bisherigen Trainers Stephan Baierl, der mehr oder weniger aus eigenen Stücken erfolgte, weil die Mannschaft laut Baierl neue Impulse brauche, folgt nun die Beförderung des bisherigen Co-Trainers Tobias Flitsch zum Chefcoach – auch wenn der in den drei Regionalliga-Begegnungen unter seiner Verantwortung keinen Sieg landen konnte und gerade mit einer 2:3-Niederlage beim TSV Steinbach nach Ulm zurückgekehrt war.

Sportvorstand Anton Gugelfuß und der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht, der Flitsch in der Winterpause nach Ulm gebracht hatte, hätten es sich leicht machen können, hätten sie die Gesetzmäßigkeiten der Branche befolgt und einen neuen, externen Trainer installiert. Zumal Flitsch und sein Assistent Sven Ackermann in die Saisonvorbereitung involviert waren und damit auch an den jetzt festgestellten läuferischen und athletischen Schwächen der Mannschaft ihren Anteil beitragen.

Flitschs Beförderung vom Co- zum Interims- und nun zum Cheftrainer ist eine mutige Entscheidung. Zwar zeigte die Leistungskurve in den letzten beiden Spielen zwar nach oben, machte sich aber bislang nicht in der Tabelle in Form von Punkten fest. Dennoch erhielten die Mannschaft, die für Flitsch plädierte, und der bisherige Co-Trainer das Vertrauen. Beide, Team wie Coach, müssen nun liefern. Sollte das nicht klappen, würden doch noch die Gesetze des Fußballmarktes greifen. Doch der SSV 46 hätte viel Zeit verloren.

TSV Steinbach – SSV Ulm 1846

3:2

SSV Ulm 1846 Fußball: Betz – Bradara, Celiktas, Schindele, Kammerbauer – Kücük (46. Michel), Nierichlo – Kienle, Sauter (66. Morina), Schmidts – Braig (70. Graciotti).
Tore: 1:0 Trkulja (3./Foulelfmeter), 1:1 Kienle (12.), 2:1 Trkulja (21./Handelfmeter), 3:1 M. Müller (69.), 3:2 Morina (83.).
Gelbe Karten: T. Müller, M. Müller, Candan, Marquet, Heister - Kücük, Celiktas, Michel.
Schiedsrichter: Seyler (Merzig).
Zuschauer: 1053.

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