Tag der Amateure: Festtag für die unterklassigen Fußball-Klubs

Am 8. Oktober war Tag der Amateure. Sinn und Zweck dieser Aktion: den Amateurfußball mit all seinen Unzulänglichkeiten, aber vor allem mit all seiner Leidenschaft und all seinem Engagement zu feiern.

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Regen, ganz tiefer Rasen, 100 Zuschauer, der Vorstand hinter der Theke, der Kassierer wegen Personalnot auf der Ersatzbank, Spieler, die vier Stunden vor Anpfiff den Platz herrichten, Spieler, die sich nach dem Abpfiff erst einmal eine Pulle Bier schnappen, Schiedsrichter, die sich gleich mal direkt mit einem nörgelnden Zuschauer „unterhalten“ – das ist die Realität auf deutschen Fußballplätzen. Das ist Amateurfußball in seiner besten Ausprägung.

Am vergangenen Sonntag war der „Tag der Amateure“, der auf eine Initiative der Fußball-Zeitschrift „11Freunde“ zurückgeht. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) war zunächst Partner, hat sich dann aber zurückgezogen. Mal wieder die Diskussion anzustoßen über eine amateurfeindliche Aufsplitterung der Spieltage im Profifußball mit bis zu vier unterschiedlichen Anstoßzeiten an einem Sonntag. So wie der alte DGB-Slogan „Samstag gehört Vati mir“ schon längst nicht mehr gilt, ist auch die Idee, dass der Sonntag fußballtechnisch den Amateuren zusteht, längst obsolet. Das alles geht zu Lasten der rund 25.000 Amteurvereine, die wöchentlich an die 80.000 Begegnungen organisieren.

Einen ganzen Tag begleitet

Bundesweit haben rund 300 Vereine beim „Tag der Amateure“ mitgemacht, unter anderem auch der SV Hörvelsingen, Aufsteiger in die Kreisliga A/Alb. Die SÜDWEST PRESSE hat den Klub am vergangenen Sonntag beim Heimspiel  gegen Asch-Sonderbuch begleitet (3:1), hat Bilder und Videos gemacht und erzählt kleine Geschichten über diejenigen, die nicht am großen Fußball-Theater teilnehmen, sondern viel lieber in familiärer Atmosphäre grätschen bis zum Abwinken.

Wobei: Nicht alleine die Spieler stehen im Blickpunkt, sondern all die vielen ehrenamtlich arbeitenden Mitglieder,  die alles am Laufen halten.

Es geht um ein Gesamtkunstwerk SV Hörvelsingen als Verein, dessen Fußball-Abteilung 1970 abgemeldet und rund 43 Jahre später wieder aktiviert wurde. 700 Einwohner, 470 Vereinsmitglieder, davon 60 in der Fußball-Abteilung. Der Sportverein 1948 Hörvelsingen, ein Stadtteil von Langenau,  hält ein Dorf zusammen, nicht er alleine, aber zu einem guten Teil.

Im Verein die Heimat gefunden

Das sieht man auch daran, dass zu einem Heimspiel regelmäßig eine Gruppe älterer Herrschaften sich im Vereinsheim zu Kaffee und Kuchen treffen und das Spiel nur aus gebotener Distanz wahrnehmen. Die soziale Komponente, die elementar ist für einen Vereien, wird beim SV Hörvelsingen auch durch eine gelungene Integration von vier Spielern aus Gambia deutlich, die in dem Verein eine echte Heimat gefunden haben. Dabei geht es nicht nur darum, dass das Quartett Fußball spielt, sondern darum, dass der Verein sich  kümmert um Ausbildung, Beruf und alles, was notwendig ist, um in Deutschland Fuß zu fassen. „Auch wenn das Viele behaupten: Wir bezahlen die vier Spieler nicht, sondern wir integrieren sie und helfen ihnen“, betont Steffen Krais, Vorstand des SV Hörvelsingen, der an diesem Tag Getränke und Bratwurst verkauft, während Waltraud Wild, Sportliche Leiterin, die Bratwürste grillt – jeder hat so seine Aufgabe.

Der lange Tag des Sebastian „Mango“ Mangold
Bereits um 11 Uhr ging es los. Der Platz musste für das Spiel vorbereitet werden...mehr

Im Video-Interview:
Ex-Profi Mehmedalija Muharemovic zieht Vergleich zum Amateurbereich...mehr

In der Gemeinschaft lässt sich viel bewegen
Der SV Hörvelsingen liefert da ein gutes Beispiel...mehr

Ohne Helfer funktioniert kein Verein
Fast noch bedeutender wie die Spieler selbst, sind die Helfer beim SV Hörvelsingen...mehr

Vor und nach dem Spiel in der Kabine
Im Amateurfußball steht der Spaßfaktor eindeutig im Vordergrund...mehr

Kassieren als Abenteuer
Geld einzusammeln, das ist nicht immer einfach. Auch nicht bei einem Amateurspiel...mehr

Appell gegen Größenwahn
Der finanzielle Größenwahn ist auch schon im unteren Amateurbereich angekommen...mehr

Texte: Thomas Gotthardt und Detlef Groninger
Bilder: Oliver Schulz
Videos: Uwe Keuerleber
Links: asasasasasa, tagderamateure.de; sv-hoervelsingen.de

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