SSV Ulm 1846 Fußball: Trainer Stephan Baierl tritt zurück

Nach mehr als drei Jahren tritt der Cheftrainer beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 Fußball, Stephan Baierl, zurück.

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Hört als Trainer beim SSV Ulm auf: Stephan Baierl.  Foto: 

Paukenschlag bei den Spatzen: Cheftrainer Stephan Baierl hat hingeschmissen. Nach dem Fehlstart in die Regionalliga-Saison mit drei Niederlagen in drei Partien bat der Cheftrainer des SSV Ulm 1846 Fußball am Dienstag die Klubverantwortlichen um die sofortige Auflösung seines Arbeitsvertrags, der eigentlich bis zum Ende dieser Spielzeit datiert war.

„Wir sind mit drei Niederlagen in die neue Saison gestartet, das kann nicht unser Anspruch sein.“, so ließ sich Baierl in einer schriftlichen Nachricht, die der Verein am Abend verschickte, zitieren – seinen Rücktritt begründete er wie folgt: „Wir haben intensive Gespräche geführt, mit der sportlichen Leitung, mit dem Mannschaftsrat, mit dem Team, und wenn ich das Gefühl habe, dass ich der Mannschaft nicht mehr die nötigen Impulse geben kann, dann möchte ich als letztes an meinem Trainerstuhl und meinem Posten kleben.“

Wenig inspirierte Auftritte

Baierls abruptes Ende war die Konsequenz auf die kritische Lage, in der er sich mit seiner Mannschaft gebracht hatte. Nach dem abermals enttäuschenden Auftritt beim 1:2 am Samstag im Heimspiel gegen die Offenbacher Kickers, der sich nahtlos an die über weite Phasen wenig inspiriert bis desolat wirkenden Duelle mit Saarbrücken (1:4) und der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart (4:5) reihte, schrillten in der Cheftage der mit großen Ambitionen in die Saison gestarteten Spatzen die Alarmglocken. Die Vertreter aus dem Vorstand, Anton Gugelfuß, Roland Häußler und Thomas Oelmayer, gingen in stundenlangen Gesprächen mit dem Trainer, dem sportlichen Leiter Lutz Siebrecht und der gesamten Mannschaft in die Tiefenanalyse der sportlichen Misere. Am Ende schienen den Klubchefs, aber auch Baierl selbst davon überzeugt, dass die Trennung selbst zu diesem frühen Zeitpunkt der Spielzeit die sinnvollste Lösung darstellt.

„Mir liegt dieser Verein und das Team zu sehr am Herzen, aber vielleicht ist nach über drei erfolgreichen Jahren die Zeit auch reif für eine neue Führungsperson, für neue Reize und Impulse“, so versuchte es Baierl zu erklären:  „Ein gewisser Verschleiß und Abnutzungserscheinungen sind in so einer langen Phase einfach nicht von der Hand zu weisen.“ Tatsächlich schien der Zugriff des Trainers auf seine Mannschaft seit geraumer Zeit beschränkt gewesen zu sein.

Bereits in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison wussten die Ulmer nur selten zu überzeugen. Baierls Spielphilosophie schien begrenzt und ausgereizt zu sein. Es fiel auf, dass ihm die Ideen und die Varianten fehlten, eine vermeintlich verlorene Partie noch ins Positive zu wenden. Oft ließ das Feuer und die Leidenschaft, mit der es speziell in den entscheidenden Momenten des Spiels von der Seitenlinie aus Einfluss zu nehmen gilt, vermissen.

Verdienste um den Verein

Die Verdienste, die sich Baierl  für den SSV 46 – er übernahm sein Amt 2014 in der schwierigsten Phase der Klubgeschichte und führte die Spatzen unter widrigsten Umständen in die vierte Liga – erworben hat, sollen von der jüngsten Talfahrt unberührt bleiben. „Ich hoffe, dass meine ungewöhnliche Maßnahme nun die gewünschte Wirkung hat. Es müssen jetzt Siege, Punkte und eine neue positive Stimmung her“, sagte er am Abend.

„Wir alle sind Stephan wirklich sehr, sehr dankbar“, sagte Sportvorstand Gugelfuß. „Wir haben allerhöchste Achtung vor ihm, vor dem, was er für den Verein geleistet hat, bis hin zu dem Schritt, wie er selbst die aktuelle Lage bewertet hat.“

Kommentar zum SSV: Konsequenter Schritt

Mit seinem Rücktritt hat Stephan Baierl etwas geschafft, was ihm zuletzt an der Seitenlinie fehlte: Er hat alle überrascht. Offen und in der ihm eigenen Nüchternheit zog er den Schlussstrich, wohl überlegt, ohne wenn und aber.

Es ist ein konsequenter Schritt, auch weil der Trainer wohl festgestellt hatte, dass seine Zeit als oberster Fußballlehrer der Spatzen abgelaufen war. Die Partien seiner Mannschaft boten schon seit längerer Zeit keinen Genuss mehr.
Bieder und berechenbar wirkten die Ulmer Auftritte, der Spaßfaktor ging für Spieler und Verantwortliche, aber auch für die zahlreichen Anhänger der Spatzen immer öfter gegen null. Und, noch gravierender: Die höchst ambitionierten Ziele des Vereins gerieten in Gefahr.

Baierl, an dem viele mehr oder wenig gut informierte Beobachter die sportliche Talfahrt festmachten, hat seinen Posten geräumt – und damit den Platz für einen neuen Anführer mit frischen Ideen und schlüssigen Konzepten geschaffen.

Die Zeit der Alibis, hinter denen sich mancher Spieler im Rücken des zuletzt angeschlagen wirkenden Trainers versteckte, sind damit vorbei. In den 35 verbleibenden Partien geht es für die Spatzen darum, den Kampfgeist, den Willen und die Leidenschaft zu zeigen, von der unter Baierl am Ende kaum noch etwas zu spüren war.

Die Suche nach einem Nachfolger von Stephan Baierl wollen die SSV-Chefs mit Ruhe und Weitsicht angehen. Laut Gugelfuß wurden noch keine Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt. Interesse soll an Holger Bachthaler, dem Ex-Trainer des FV Illertissen, bestehen. Der 42-Jährige hat allerdings erst vor vier Wochen seine Arbeit bei der Nachwuchsakademie von RB Salzburg begonnen. Konkret wollte sich Bachthaler am Abend nicht äußern. „Grundsätzlich ist der SSV 46 eine interessante Aufgabe“. Gehandelt wird auch der Name Rainer Scharinger. Der Ulmer Ex-Profi war am Samstag im Donaustadion.

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Kommentare

16.08.2017 10:39 Uhr

Baierl

Die Spieler haben es noch nicht gemerkt, dass Fußball ein Manschaftsspiel ist und nicht jeder ein Müller oder sonst ein spitzenspieler ist. Nicht der Trainer ist schuld sondern die Spieler die immer nur die € ros vor augen haben und der Fußball in dieser Liga auch schon in den Hintergrund geträngt wird und in erster Linie das Geld zählt.

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16.08.2017 09:39 Uhr

ssv Ulm

Ihr habt es scheinbar noch nicht mitbekommen,daß Bachthaler in Salzburg Trainer ist.

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