Sport vor 50 Jahren: „Schwimmsportler“ mit Oberwasser

Juli 1967: Die drittklassigen Fußballer des 1. SSV Ulm bezwangen an Schwörmontag den großen FC Schalke 04. Für dessen neuen Trainer Karl-Heinz Marotzke der Anfang vom Ende.

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Ausschnitt aus der SDZ: Der starke Torhüter Josef „Beppo“ Wenig gegen einen Schalker Angreifer in Aktion.  Foto: 

Klingt absolut aktuell: „5500 Zuschauer waren zum traditionsreichen Schwörmontagskick ins Ulmer Stadion gekommen. Die meisten sicher, um wieder einmal einen Hauch erstklassigen Fußballs zu spüren.“ Die Sätze sind genau ein halbes Jahrhundert alt.

In der Chronik auf der Webseite des SSV 46 kommt 1967 gar nicht vor. Es gab auch nicht viel Aufregendes. Drei Jahre vor der Fusion mit dem 1. SSV Ulm waren die Fußballer des einstigen Erstligisten TSG 46 in den Niederungen der vierten Liga angekommen. Sie spielten in der 2. Amateurliga, nun also sogar eine Klasse tiefer als die über Jahre nicht ebenbürtigen  „Schwimmsportler“.  Und die waren es, die an Schwörmontag vor 50 Jahren, der ebenfalls auf den 24. Juli fiel, Furore machten. Denn sie bezwangen den Bundesligisten FC Schalke 04 mit 3:1 (1:1), den damals (wie auch heute noch) siebenfachen deutschen Meister. Geleitet wurde die Partie im Donaustadion von Rudolf Kreitlein aus Stuttgart, dem deutschen WM-Schiedsrichter von 1966.

 Die Schwäbische Donau Zeitung (SDZ), Vorgängerin der SÜDWEST PRESSE, berichtete: „Schalkes Trainer Heinz Marotzke schüttelte mit dem Kopf. Sein ganzer Kommentar zu der maßlos enttäuschenden Leistung seiner Mannschaft war ,Unmöglich!‘ Willi Kraus, zum ersten Mal Kapitän der Schalker, gab unumwunden zu: ,Wir sind mit der Meinung ins Spiel gegangen, die Ulmer lässig ausspielen zu können. Das war falsch. Wir hatten dem SSV eine derart starke Leistung nicht zugetraut. Die Ulmer haben eine junge Mannschaft mit Zukunft.‘  Und Schalkes zweiter Vorsitzender Nienhaus meinte: ,Mit dieser Mannschaft muß der SSV Ulm doch Meister werden!‘“ Die aktuelle Saison in der 1. Amateurliga Nordwürttemberg war mit Platz sechs beendet worden, in der folgenden Spielzeit 1967/68 sollte der SSV 1928 tatsächlich weit vorne gelistet werden, auf dem vierten Tabellenplatz hinter Aufsteiger TSF Esslingen, dem SC Geislingen und den Amateuren des VfB Stuttgart.

 Die SDZ war bereits am Morgen nach Schwörmontag vorsichtiger als der Schalker Nienhaus: „Nun, an Aufstieg ist noch lange nicht zu denken, aber eines steht fest: Der SSV hat sich durch die Neuzugänge Manfred Braun (vom FC Burlafingen), Lothar Seelandt (SV Westerstetten) und Horst Bernhard (FV Nürtingen) vor allem im Sturm wesentlich verstärkt. Während auf die Abwehr stets Verlass war, hat nun auch der Angriff an Schwung und Durchschlagskraft gewonnen.“ Als entscheidend für den Ulmer Erfolg nannte der Autor: „Die Respektlosigkeit vor den großen Namen der Gegner, der große kämpferische Einsatz und der Wille zum Sieg. Die Mannschaft des SSV verdiente sich an diesem Tag ein Sonderlob. Aber auch Trainer Wilhelm Jakob, der die Spieler auf die Aufgabe ausgezeichnet eingestellt hatte.“ Braun (41. Minute, Dirr (60.) und Swilius (90.) bogen das Spiel nach einem 0:1- Rückstand durch den Schalker Horst Blechinger eindrucksvoll um. Josef „Beppo“ Wenig im Tor hielt stark.

 „Die hochbezahlten Lizenzspieler enttäuschten auf ganzer Linie“, schrieb die SDZ. Trainer Marotzke, mit Vornamen eigentlich Karl-Heinz, war bei den „Königsblauen“ noch keine vier Wochen im Amt – und sollte es auch nicht allzu lang bleiben. Nach nur einem Sieg, drei Unentschieden und neun Pleiten in der Bundesliga wurde der 33-Jährige bereits am 13. November wieder entlassen. Auf sein nächstes Engagement musste er nur bis 1968 warten: Marotzke ging nach Afrika, trainierte die Nationalmannschaften Ghanas, Nigerias und Botswanas. Er kehrte nie mehr in den deutschen Profifußball zurück.

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