Spatzen jagen Tabellenführer Nöttingen

Träumen erlaubt: Die Oberliga-Fußballer des SSV Ulm 1846 feiern den fünften Sieg in Serie mit einer ausgelassenen Singstunde – und schielen nach dem 2:0 in Kehl ganz vorsichtig in Richtung Tabellenspitze.

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Stabil in der Defensive, effizient in der Offensive: Die Spatzen (weiße Trikots) setzten ihren Aufwärtstrend in Kehl fort.  Foto: 

„Was kann das Leben, Schönres uns geben, wir wollen glücklich sein“, so hallte es aus der Kabine des Fußball-Oberligisten SSV Ulm 1846 nach dem 2:0 -Erfolg beim Kehler FV.

In der dritten Halbzeit drehte die Mannschaft von Trainer Stephan Baierl ordentlich auf. Die Sangeskünste waren beachtlich. Kräftig und bestimmt kamen die Töne aus den Männerkehlen, einige Spieler benutzen die Kabinentür als Schlagzeug. Der fünfte Sieg in Serie und der Sprung auf Tabellenplatz zwei haben für gehörige Stimmung gesorgt. Seit Florian Krebs beim SSV 46 spielt, wird bei den Spatzen wieder gesungen. „Deutsches Liedgut natürlich“, so versichert der Vorsänger Krebs.

Zuvor auf dem Platz hatte die Mannschaft zudem bewiesen, dass sie neben dem Hurra-Stil – wie beim 5:0 gegen die Stuttgarter Kickers – und dem leidenschaftlichen Kampf – wie beim 1:0-Heimsieg gegen Freiburg – nun auch die ökonomische Verwaltung eines Ergebnisses zu beherrschen scheint. Es waren sicher keine Glanzlichter, welche die Ulmer am Vortag des ersten Advents an der französischen Grenze setzten, aber gegen gar nicht einmal schwache Gastgeber reichten dem SSV 46 im Angriff zwei lichte Momente und hinten eine sichere Abwehr.

Die Führung erzielte Burak Coban in der 73. Minute. Geschichte wiederholt sich. „Es war wie in der letzten Saison“, so erinnerte sich Trainer Baierl, dem der 20-Jährige ein Déja-vu-Erlebnis bescherte. David Braig sorgte schließlich mit einem verwandelten Strafstoß – seinem zwölften Saisontreffer – in der Nachspielzeit (90. + 5) für befreiende Verhältnisse. „Wir hätten die Partie früher entscheiden müssen“, sagte Alper Bagceci, der grippegeschwächt erst die letzte halbe Stunde zum Einsatz kam. „Aber immerhin haben wir zum dritten Mal in Folge zu Null gespielt“, so stellte der 31-Jährige fest.

Sein Coach blieb indes zurückhaltend: „Natürlich können unsere Fans gern schielen und träumen“, sagte Baierl. „Aber für mich als Trainer gilt es, die Spannung aufrecht zu erhalten.“ Erfreulich registrierte er das Comeback von Antonio Pangallo, der eine Viertelstunde vor Schluss eingewechselt wurde. „So schnell habe ich nicht gerechnet wieder auf dem Platz zu stehen“, so befand Pangallo über die überraschende schnelle Rückkehr nach seinem Ermüdungsbruch.

Der erste Sieg in Kehl weckte nicht nur bei den 40 mitgereisten Anhängern der Spatzen Vorfreude auf das letzte Heimspiel vor der Winterpause an diesem Samstag um 14 Uhr gegen den SV Oberachern. Die Ulmer versprechen erneut harte Arbeit auf dem Platz, um danach wieder lauthals Lieder in der Kabine schmettern zu können.
 

Florian Krebs sagt, was andere nur denken

Geheimnis gelüftet
Der SSV Ulm 1846 hat in der Oberliga einen prima Lauf. Mit dem fünften Sieg nacheinander hat die Mannschaft den Abstand auf Spitzenreiter FC Nöttingen auf vier Punkte verringert und sich auf Tabellenplatz zwei verbessert – bei einem Spiel weniger. Und es waren zum Auftakt der Rückrunde die drei wichtigen Auswärtspunkte beim Angstgegner Kehl, die Florian Krebs' Lippen endgültig lockerten, damit er das bislang Unaussprechliche endlich zugab: „Ja, gut, wir sehen die Spitze jetzt nicht mehr nur mit dem Fernrohr – wir haben sie in Sichtweite.“ Und der Abwehrmann ergänzte: „Vor vier Wochen waren wir noch 13 Punkte weg.“ Tatsächlich haben die Spatzen den FSV Hollenbach von Rang zwei verdrängt und liegen erstmals in dieser Saison auf dem Relegationsplatz, der zu Aufstiegsspielen in die Regionalliga berechtigt.

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