Nichts für schwache Nerven

Richtig spannend hat es die TSG Söflingen gestern Abend nicht nur bei ihrem vierten Heimsieg in Folge gemacht. Nun bleibt der Abstiegskampf wohl bis zum letzten Spieltag offen.

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"Rotsünder" im Einsatz: Alexander Schmid (hinten) und Constantin Striebel (rechts) wurden wenig später des Feldes verwiesen. Foto: Lars Schwerdtfeger

Zwei Verletzte, zwei rote Karten, 17 Siebenmeter und ein Zittersieg in den letzten zehn Sekunden. Das 30:29 (13:15) der TSG Söflingen gegen den HV Stuttgarter Kickers vor 800 Zuschauern in der Kuhberghalle hatte alles zu bieten, was ein echter Abstiegskrimi in der dritten Liga braucht. "Ich habe den Jungs vor dem Spiel gesagt, sie müssen so nervenstark wie der FC Bayern am Mittwoch gegen Real Madrid spielen. Dass sie mich aber gleich beim Wort nehmen, hätte ich nicht gedacht", sagte der vom Zittern bis zur letzten Sekunde gezeichnete, aber überglückliche TSG-Vorsitzende Walter Feucht nach Abpfiff.

Und tatsächlich hatte die Schlussphase in einer Partie, die ständig hin- und herwogte, große Ähnlichkeit mit dem 3:1-Elfmeterkrimi der Bayern im Champions-League-Halbfinale der Fußballer. Genauso nervenstark wie Münchens Bastian Schweinsteiger zeigte sich der Söflinger Simon Dürner und verwandelte in den letzten 13 Minuten drei Siebenmeter.

Dürners Bruder Christian auf Seiten der Kickers dagegen scheiterte nach sieben verwandelten Strafwürfen in der vorentscheidenden Phase elf Minuten vor Schluss am nervenstarken TSG-Torhüter Markus Brodbeck. "Ich bin froh, dass ich das Bruderduell gewonnen habe", sagte Simon, der jüngere der beiden Dürners.

Richtig jubeln durften die Söflinger aber erst, als Roland Kroll einen Gegenstoß zehn Sekunden vor Schluss eiskalt zum 30:29 verwandelte und den Stuttgartern in der Restzeit kein vernünftiger Angriff mehr gelang. Überhaupt waren es am Ende die Nerven, die in diesem Kampfspiel auf niedrigem spielerischen Niveau den Unterschied ausmachten. Sonst hätten die Kickers ihren Zwei-Tore-Vorsprung beim 27:29 über die Zeit gebracht. Sonst hätte sich Constantin Striebel wohl nicht zwei Sekunden vor Schluss eine rote Karte eingehandelt, weil er einen Freiwurf der Gäste störte. Er wird der TSG nun mindestens im nächsten Spiel fehlen.

Die Zuschauer sahen diese wie auch viele andere haarige Entscheidungen der Unparteiischen ganz klar als "Schiebung". Doch Simon Dürner relativierte die vielen gelben Karten, Zeitstrafen und Siebenmeter, die auf den ersten Blick kein gutes Licht auf die Schiedsrichter warfen: "Dafür, dass das der pure Abstiegskampf war und die Nerven bei allen Beteiligten blank lagen, haben es die Schiris ganz gut gelöst", sagte der 22-Jährige.

Und auch Alexander Schmid konnte mit der roten Karte aufgrund der dritten Zeitstrafe leben. Zumal er die meiste Spielzeit humpelnd übers Feld lief, nachdem er bei einer Abwehraktion in der ersten Hälfte umgeknickt war. Und auch Peter Feigl musste sich mit Pferdekuss vorzeitig verabschieden. Es waren Kollateralschäden in einem Kampfspiel um jeden Zentimeter. "Ein Unentschieden wäre wohl gerecht gewesen", musste sich TSG-Coach Gabor Czako eingestehen.

Söflingen gegen Stuttgarter Kickers. So lautet nun auch der Zweikampf um den Drittliga-Klassenerhalt bis Saisonende. Der HBW Balingen/Weilstetten II hat sich bereits am Samstag mit einem Überraschungscoup bei Tabellenführer SG Leutershausen (30:27) aus diesem Rennen verabschiedet. Drei Punkte muss die TSG in den letzten drei Saisonspielen vier Zähler mehr als die Kickers holen. Eine Aufgabe, die angesichts der Nervenstärke vom Sonntag wieder machbar erscheint.

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