Die Fesseln gesprengt

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Glänzender Vorbereiter, aber kein Vollstrecker: Luca Graciotti (im weißen Trikot) war beim 4:2 gegen den VfB Stuttgart II an allen Ulmer Toren beteilig, ohne selbst zu treffen.  Foto: 

Stadionsprecher Hans-Peter Behm hatte offenbar große Freude an seiner neuen Disziplin. Nichts gegen die Torschützen des SSV Ulm 1846 Fußball, die den 4:2 (0:1)-Heimsieg gegen den VfB Stuttgart II ermöglicht hatten und damit das Echo der bitteren Offenbacher Niederlage am Bieberer Berg verstummen ließen. Es war offenbar von herausragender Bedeutung, vor allem auf diesen wieselflinken Vorlagengeber hinzuweisen. Alle drei Treffer von Thomas Rathgeber (2:1/55., 3:2/70. durch Foulelfmeter, 4:2/84.) hatte nämlich ein gewisser Luca Graciotti vorbereitet.

Der Neuzugang vom SV Sandhausen feierte nach seiner Roten Karte in Kassel und drei Spielen Sperre eine beeindruckende  Rückkehr. „Luca wollte allen was  beweisen“, lobte Trainer Stephan Baierl den Außenbahnspieler. Tatsächlich lief, trickste und kämpfte Graciotti, als wolle er seinen Stammplatz außerordentlich rechtfertigen.

Nur einer  konnte Graciotti einen Teil der Show stehlen:  Routinier Rathgeber, dem nach dem Heimsieg gegen Nöttingen (5:1) bereits  sein zweiter Dreierpack gelang und nun mit acht Treffern erfolgreichster Spatzentorjäger ist. „Mit 31 Jahren kann man damit umgehen. Es ist nicht so wichtig, wer die Tore macht, sondern dass wir gewonnen haben“, entgegnete der Neuzugang von Schalke 04 II bescheiden den vielen Schulterklopfern. „Wir mussten viel investieren, doch das 1:1 war zweifellos der Frustlöser“, so Rathgeber.

Den Ausgleich hatte nach der überraschenden Gästeführung durch ein Eigentor von Johannes Reichert (23.) Christian Sauter (51.) mit einem fulminanten Weitschuss – seinem ersten Saisontreffer – erzielt. „Wir sind ganz schwer ins Spiel reingekommen und haben es uns selbst schwer gemacht“, bemerkte der 28-Jährige. Wohl ein Grund dafür war die verpasste Führung durch einen neben das Tor gesetzten Strafstoß von David Braig (6.). „Kein Vorwurf, das passiert halt mal“, sagte Sauter. Viel wichtiger für ihn war, „dass die Mannschaft Moral bewiesen hat.“

Es war ein Sieg des Willens und der Leidenschaft. Mit einem Kraftakt sprengten die Spatzen ihre Fesseln. Der SSV 46 legte nach dem Wechsel zu – vor allem in puncto Torgefahr. Es folgten die Knalleffekte: mit Toren, Toren, Toren, Toren. Nur Vorlagenkönig Graciotti haderte mit seiner fehlenden Kaltschnäuzigkeit: „Ich hätte vier meiner Chancen reinmachen müssen.“

Stattdessen überzeugte er mit großer Lauffreude und Spielverständnis. Bei beiden Elfmetern war er der Gefoulte. „Luca hatte einen sehr guten Tag, auf der anderen Seite hätte er aber Torschützenkönig werden können“, sagte Baierl und bemängelte, dass seine Elf nicht konsequent mit den Chancen umgegangen sei.

Für Rathgeber „war das der richtige Start in die englische Woche“. Denn bereits morgen, Dienstag (14 Uhr) folgt für den SSV 46 die Partie bei Wormatia Worms. Dabei kommt es zu einem Wiedersehen mit zwei Ex-Ulmern: Bei den punktgleichen Rheinhessen (21 Zähler)  spielen Florian Treske und Johannes Ludmann.

SSV Ulm 1846 – VfB Stuttgart II

4:2

Ulm: Betz – Kücük, Krebs (87. Nierichlo), Reichert, Fassnacht – Bagceci (71. Halili), Sapina, Sauter, Graciotti – Rathgeber, Braig (81. Michel).
Tore: 0:1 Reichert (23./Eigentor), 1:1 Sauter (51.), 2:1 Rathgeber (55.), 2:2 Besuschkow (68.), 3:2, 4:2 Rathgeber (70./Foulelfmeter, 84.). – Braig schießt Foulelfmeter daneben (6.).
Gelbe Karten: – /Uphoff, Peric, Walter.  Gelb-Rot: Halili (90. +1).
Schiedsrichter: Klein (Offenbach)
Zuschauer: 1900.

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