Alper Bagceci im Interview: "Die Jungen schauen zu mir hoch"

Er ist wieder da. Nach einem neunjährigen Abstecher mit 265 Spielen für den 1. FC Heidenheim (zweite bis vierte Liga) gilt Alper Bagceci, inzwischen 31, als alter neuer Hoffnungsträger bei den Spatzen.

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Alper Bagceci spielt, wie früher, mit der Nummer 20.  Foto: 
Nach neun Jahren beim 1. FC Heidenheim sind Sie zum SSV 1846 zurückgekehrt – was hat sich in Ulm verändert?

ALPER BAGCECI: Rein äußerlich so gut wie nichts: Das Stadion ist unverändert, die Kabine auch – und den Duschknopf gab’s schon, als ich hier in der Jugend gespielt habe.

Und sonst?

BAGCECI: Der Verein hat immer noch über die Grenzen hinaus einen Namen, aber auch turbulente Zeiten hinter sich. In der Vergangenheit ist sicher viel Mist gebaut worden – ohne dass ich Detail-Kenntnisse habe. Aber jetzt stimmt die Richtung wieder. Ansonsten wäre ich nicht zurückgekommen.

In welcher Rolle sehen Sie sich?

BAGCECI: Als ich 2006 ging, war ich einer der Jungen im Team. Jetzt, mit 31, schauen die Jungen zu mir hoch. Ich weiß, dass ich eine Art Vorbild-Charakter im Kader habe.

Können Sie diese Rolle ausfüllen?

BAGCECI: Ich glaube schon. Ich bin ein harter, ehrlicher Arbeiter und ein bodenständiger Typ, der lediglich bei zwei Vereinen gespielt hat. Und da beim SSV 1846 aktuell wieder seriös gearbeitet wird, bin ich mir sicher, den richtigen Schritt gemacht zu haben.

Was wäre die Alternative gewesen?

BAGCECI: Die Alternative wäre gewesen, noch ein oder zwei Jahre im Ausland zu spielen. Aber mir war es wichtiger, rechtzeitig den Berufseinstieg zu vollziehen.

Sie arbeiten seit Wochenbeginn bei einem Ulmer Kreditinstitut. Wenn’s um Zahlen geht, denken Sie also nicht nur an Tore und Punkte.

BAGCECI: Ich habe mein Studium an der Dualen Hochschule in Heidenheim als Betriebswirt abgeschlossen. Für mich war immer klar, dass ich eines Tages darauf aufbauen werde.

Welcher Schritt ist schwieriger: Vom Oberliga-Spieler zum Profi – oder umgekehrt?

BAGCECI: Ganz klar: Jener vom Berufsfußballer ins normale Berufsleben. Als Profi hast Du täglich zwei Stunden Training, ansonsten viel Zeit. Umgekehrt ist es jetzt ganz schön hart, sich an eine 39-Stunden-Woche zu gewöhnen. Ich fange morgens um acht an zu arbeiten und komme manchmal erst abends um acht nach Hause. Zum Glück wohne ich in der Innenstadt, kann deshalb zu Fuß ins Geschäft gehen und mit dem Fahrrad zum Training kommen.

Auf welcher Position sehen Sie Ihren Platz in der Mannschaft?

BAGCECI: Ich denke, ich kann dem Team im zentralen Mittelfeld am meisten helfen.

Die Verantwortlichen im Verein vermeiden es, offiziell von Titelansprüchen zu reden. Welche Zielsetzungen haben Sie?

BAGCECI: Als Fußballer will man jedes Spiel gewinnen. Unabhängig davon halte ich es für richtig, keine Ziele auszugeben, die wir möglicherweise nicht erreichen können. Ansonsten kommt wieder schlechte Stimmung auf – das kennt man ja aus der Vergangenheit. Wichtig ist, weiterhin das Vertrauen der Fans und Sponsoren zu gewinnen.

Wie groß ist der Nachteil, die ersten vier Heimspiele wegen des neuen Rasens nicht im Donaustadion bestreiten zu können?

BAGCECI: Natürlich ist das nicht ideal, ich habe immer sehr gern im Donaustadion gespielt. Aber wir können es nicht ändern, also brauchen wir uns darüber nicht den Kopf zu zerbrechen. Wir freuen uns auf die vier Spiele in Erbach.

Was fällt Ihnen denn zum Auftaktgegner SV Ober-achern ein?

BAGCECI: Wir kennen die Mannschaft nicht, schließlich haben beide Vereine bislang noch nie gegeneinander gespielt. Nicht nur Ober-achern, auch die meisten anderen Oberligisten werden wohl eher defensiv ausgerichtet gegen uns antreten.

Sie haben sich während der Vorbereitung verletzt. Sind Sie wieder vollständig fit?

BAGCECI: Im ersten Testspiel nach drei Trainingstagen bin ich gegen den VfB Stuttgart II in Illerrieden umgeknickt und habe mir ein Band angerissen. Das hat mich knapp zwei Wochen Vorbereitung gekostet. Bei 100 Prozent bin ich derzeit noch nicht.

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