Ulmer Spatzen: Nun winkt die Spitze
Das Dutzend ist voll. Nach dem gestrigen 2:0 (1:0) gegen den Bahlinger SC ist der SSV Ulm 1846 Fußball mittlerweile seit zwölf Oberliga-Begegnungen ungeschlagen.
Autor: GEROLD KNEHR |32 von möglichen 36 Punkten holten die Spatzen seit ihrer letzten Niederlage (1:4 beim Offenburger FV am 23. Oktober). Zudem profitierte das Team von Trainer Paul Sauter vom 0:0 des Tabellenführers VfR Mannheim im Spitzenspiel bei der TSG Balingen. Bis auf einen Zähler ist der SSV 46 dem Spitzenreiter auf die Pelle gerückt – und das, obwohl die Spatzen zwei Spiele weniger als die Mannheimer ausgetragen haben. Am Dienstag (19 Uhr) können die Ulmer mit einem Sieg im Nachholspiel bei den Stuttgarter Kickers II den VfR an der Tabellenspitze ablösen.
Auch in einer anderen Hinsicht zeigen die Spatzen eine bemerkenswerte Konstanz. Die gestrige Begegnung vor 1200 Zuschauern war das fünfte siegreiche Heimspiel in Folge, in der die Ulmer zwei Treffer erzielten. Wie beim 2:0 gegen den Kehler FV am 10. März traf das Tandem Ruben Rodriguez und Yannick Agro. Und wie gegen Kehl war der Spanier Rodriguez per Freistoß erfolgreich. Einziger Unterschied: Gegen Kehl traf Rodriguez aus gut 20 Metern, gestern machte er es noch spektakulärer aus 30 Metern. An Freund und Feind vorbei segelte der mit viel Effet getretene Ball bereits in der neunten Minute ins gegnerische Netz. Zweites Saisontor, zum zweiten Mal gegen ein südbadisches Team. Real-Madrid-Fan Rodriguez hat anscheinend eine besondere Vorliebe.
Auch am zweiten Treffer in der 57. Minute war Rodriguez maßgeblich beteiligt. Er servierte Agro den Ball so maßgerecht, dass der nur noch seinen Fuß hinzuhalten brauchte, um aus kurzer Distanz erfolgreich zu sein. „Rodriguez hat ein überragendes Spiel gemacht“, lobte ihn Sauter. Vor einer Woche beim 2:1 gegen den FV Illertissen war der Spanier noch ausgewechselt worden und musste sich heftige Trainer-Kritik gefallen lassen. Prompt spielte er gegen Bahlingen wie ausgewechselt.
Erstmals wieder vom Anpfiff an in die Startformation eingewechselt worden war David Braig. Der 20-Jährige hatte sich eine Menge vorgenommen, glänzte in der Anfangsphase mit viel Übersicht und hatte Pech, dass sein Torschuss noch im letzten Moment vom Bahlinger Verteidiger Walter Adam abgeblockt worden war (26.). Nach einem Zusammenprall mit Gilles Ekoto-Ekoto kurz danach „sah ich nur noch doppelt. In der Pause wurde mir richtig schlecht“, klagte Braig. Er musste mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung gegen Agro ausgewechselt werden. Was ja auch keine schlechte Idee war. . .
Anders als gegen den FV Illertissen brauchten die Ulmer am Ende nicht um ihren Erfolg zittern. Die Gäste, die aufgrund des Ferien-Rückreiseverkehrs relativ spät in Ulm eingetroffen waren, zeigten ungeachtet ihres 15. Tabellenplatzes achtbare spielerische Ansätze, blieben jedoch insgesamt zu harmlos. „Es war ein verdienter Ulmer Sieg, daran gibt es nichts zu rütteln. Wir waren über weite Strecken chancenlos und hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn die Ulmer noch einige Angriffe mit einem Treffer abgeschlossen hätte“, sagte Gästetrainer Alexander Hassenstein. In dieser Hinsicht tat sich besonders der emsige Fabio Kaufmann negativ hervor, der gleich drei hochkarätige Chancen vergab (2., 75., 77.). „So war es wieder ein hartes Stück Arbeit“, urteilte Sauter – und richtete seinen Blick bereits auf die Stuttgarter Kickers: „Auch dort wird uns nichts geschenkt.“





