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Umzug nach Bayern ist vom Tisch

Entwarnung: Die Angst, dass die 45 bayerischen Vereine des württembergischen Fußball-Bezirks Donau/Iller demnächst zwischen den weiß-blauen Grenzpfählen um Punkte spielen, geht nicht mehr um.

RÜDIGER BERGMANN | 0 Meinungen

Eine stattliche Großfamilie. 120 Klubs sind im Bezirk Donau/Iller, einem der größten unter den insgesamt 16 in Württemberg, beheimatet. 45 von ihnen, mehr als ein Drittel also, gehören von der Landesgrenze her zu Bayern. Doch ihre fußballerische Heimat hatten diese Grenzgänger von jeher auf württembergischer Gemarkung. Ein geographisches Gewohnheitsrecht.

An diesen Gesetzmäßigkeiten rüttelt der Bayerische Fußball-Verband (BFV). Im Sommer fasste er während des Verbandstages einen Satzungsbeschluss, wonach alle Vereine aus dem Freistaat, die zum bayerischen Landessportbund gehören, auch hier ihrem Spielbetrieb nachkommen sollen. Darum stellte Präsident Dr. Rainer Koch einen entsprechenden Antrag beim Süddeutschen Fußball-Verband, der für dessen sämtliche Verbände gelten soll.

Die Aufregung unter den 45 Donau/Iller-Vereinen und dem Bezirksvorsitzenden Manfred Merkle war beträchtlich. Inzwischen hat sich die Gefühlslage in der besinnlichen Vorweihnachtszeit spürbar entspannt. "Die Sache ist vorerst vom Tisch, der Antrag wurde zurückgezogen", berichtet Merkle. Er nahm als Donau/Iller-Chef am vergangenen Wochenende in Wangen an der WFV-Beiratssitzung teil. Dabei verständigte sich der Verband zwar für den Fall des Falles auf eine Strategie. "Aber solange es aus Bayern keine Aktivitäten gibt, bleibt alles so, wie es ist", sagt der Geschäftführende WFV-Vizepräsident Michael Hurler.

Und es bleibt auf absehbare Zeit, wie es ist. Das bestätigt auch Rainer Koch. Bis zum Ende eines Jahres müsste der BFV-Chef, der zugleich Stellvertreter des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ist, den Vertrag mit dem WFV kündigen, falls die Neuordnung zu Beginn einer Saison (jeweils am 1. Juli) greifen sollte. "Das passiert aktuell mit Sicherheit nicht", sagt Koch.

Ohnehin versteht der Funktionär aus Poing "die ganze Aufregung nicht - dieses Thema haben doch die Württemberger zum Problem gemacht, nicht wir in Bayern". Was WFV-Vize Michael Hurler so nicht stehen lassen will: "Für uns gab es doch keinen Handlungsbedarf. Die bayerischen Vereine, die bei uns spielen, tun dies schon seit 40 oder 50 Jahren - ohne Unzufriedenheit."

Was Manfred Wolf, der Fußball-Abteilungsleiter des Bezirksligisten FC Silheim, gerne bestätigt. "Sportlich wäre der Verbandswechsel eine Katastrophe, wir müssten Fahrtstrecken bis hinter Augsburg absolvieren. Und wie will der BFV den Spielbetrieb organisieren, wenn 45 Vereine eingegliedert werden müssen?", fragt Wolf. Neben den erwähnten 45 Donau/Iller-Klubs wären noch insgesamt 30 andere Vereine aus den drei Bezirken Bodensee, Kocher/Rems und Hohenlohe von der Strukturreform betroffen.

Ralph Hamann, der Vorsitzende des SV Nersingen, hält ein "Auswandern" aus dem Bezirk Donau/Iller auch deshalb für schwierig, "weil der Großraum Ulm/Neu-Ulm zu sehr zusammengewachsen ist". Zudem glaubt er nicht, dass sich der Jugendspielbetrieb so einfach unter einen Hut bringen ließe: "In Bayern gibts viele Spielgemeinschaften, in Württemberg sind ungleich mehr Mannschaften im Einsatz."

Der spürbare Widerstand der Vereine hat Rainer Koch offenbar umdenken lassen. "In Bayern ist das Thema nicht heiß - und es war auch nie heiß", fasst er zusammen. Folglich bleibts bei der gewohnten Regelung: Die Klubs aus dem Freistaat, die in Württemberg Fußballspielen, bezahlen ihre Beiträge an den Bayerischen Landessportbund, von dem sie auch ihre Zuschüsse erhalten - aber Württemberg bleibt deren Fußball-Heimat. "Und wenn doch ein Klub kommen sollte, der vom WFV zum BFV wechseln will, werden wir uns sicher nicht querstellen", kündigt Michael Hurler an.

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