Ulmer Basketballer wollen in Schweden Selbstvertrauen tanken

Die Reise nach Schweden gerät für die Basketballer von Ratiopharm Ulm zu einer Suche nach neuem Selbstvertrauen. Bei der 74:90-Heimpleite am Samstagabend gegen Hagen hat das Team davon viel verloren.

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Der "Oldie" im Ulmer Kader, Adam Hess, zeigte als Einziger den "unbedingten Willen"gegen den Sturmangriff der Feuervögel.  Foto: 

Es hat sicherlich sein Gutes, wenn die Ulmer Basketballer am Montag kurz vor 15 Uhr in den Flieger steigen und in Richtung Schweden abheben. Denn in gewisser Weise gewinnen sie damit ein wenig Abstand von den beiden jüngsten am Stolz knabbernden Niederlagen in der Bundesliga. Erst die wenig spaßige 74:101-Klatsche bei den Brose Baskets Bamberg vor einer Woche, dann am Wochenende die bittere 74:90-Pleite gegen Phoenix Hagen vor eigenem Publikum.

Obwohl die Ulmer Fans lange Zeit versucht hatten, ihre stets im Hintertreffen liegenden Ratiopharm-Korbjäger mit "Uuuuulmer-Rufen" aufzumuntern, endete der Abend in einer herben Enttäuschung. Nicht schön war es, als die Ulmer Akteure begleitet von Pfiffen das Parkett verließen. In den sozialen Netzwerken machten manche Anhänger ihrem Frust ausgiebig Luft, es hagelte viel trotzige Kritik - all dem kann die Mannschaft erstmal entfliehen und im internationalen Wettbewerb zeigen, was sie drauf hat. "Dass sie on the road sind, ist gut, da kriegen sie den Kopf frei", findet auch Manager Thomas Stoll und erinnert: "Wir haben auch vergangene Saison daheim verloren, gegen Trier etwa. Manchmal machen die zwei, drei Prozent eben den Unterschied aus", so Stoll, der dem Trainer beipflichtet, dass die Mannschaft unter der Woche gut trainiert habe. "Sie haben gute Eindrücke hinterlassen", sagte Thorsten Leibenath. Trotzdem habe "keiner seine Normalleistung abgerufen", ausgenommen der "Oldie" im Team, Adam Hess, betonen beide Verantwortlichen unisono. Bei dem 33-jährigen Hess habe Leibenath "den unbedingten Willen gesehen", er habe sich als Einziger nach jedem Ball geschmissen - was notwendig war gegen aggressive und unorthodox spielende Basketballer aus dem Ruhrgebiet.

Warum sich die anderen Ulmer nicht entsprechend "reingelegt" haben, hat verschiedene Gründe. Stoll meint einerseits, dass es dem Team nicht gut tut, wegen verletzungsbedingter Ausfälle ständig mit einem anderen Gesicht auf dem Parkett zu stehen. Außerdem gibt es andererseits Spieler, die nicht mit sich zufrieden sind: Etwa CJ Harris oder auch Tommy Mason-Griffin seien aktuell laut Ulms Manager schwer mit sich selbst beschäftigt. Das schadete dem Team bei der Aufgabe, die fünf aufbrausenden amerikanischen Feuervögel zu bremsen.

Auf ein haarsträubendes erstes Viertel (11:19) ließen Will Clyburn und Co. die Hoffnung auf Besserung aufkeimen, als sie mit 28:20 den zweiten Durchgang bis zum 39:39 für sich entschieden. Auch statistisch sah es zur Halbzeit besser aus als noch im desolaten ersten Abschnitt: Lediglich bei den Korbvorlagen führte das Team von Ingo Freyer mit neun gegenüber drei Assists bei Ulm. Selbst die Ballverluste hielten sich mit jeweils sieben die Waage, doch im dritten Viertel wechselten sich Todd Brown, Frederick Nixon, David Bell und Keith Ramsey munter beim Punkten ab, während die Ulmer stetig abbauten und sieben zusätzliche Ballverluste produzierten. "Wenn die erste Option nicht gelang, war das Team zu ungeduldig und verstrickte sich in Einzelaktionen", erklärte Leibenath den Einbruch. Von da an schwand mit den nötigen erfolgreichen Aktionen auch das Vertrauen in sich selbst, während es beim Gegner wuchs. Das böse Ende dieses Teufelskreises ist bekannt.

Vieles, was da gegen Hagen schief gelaufen war, war also eine Kopfsache. "In Schweden tanken wir wieder Selbstvertrauen, beim Schwabenderby in Tübingen werden die Karten neu gemischt", blickt Stoll optimistisch nach vorn. Die Eurochallenge diene schließlich auch dazu, das Selbstvertrauen für die BBL zu gewinnen. Beim Auftakt der Gruppenphase in Södertälje am Dienstag (19 Uhr) wird es die Leibenath-Truppe mit einer ganz anderen Spielweise zu tun bekommen. Im Gegensatz zum gewöhnungsbedürftigen Powerplay Hagens können sich die Ulmer beim skandinavischen Vertreter auf einen eher strukturierten und organisierten Spielstil einstellen.

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