Ulmer Basketballer haben nur teilweise Verständnis für Bambergs Probleme

Nach der Niederlage gegen Bundesliga-Spitzenreiter Ratiopharm Ulm und dem verlorenen Kampf um Platz eins hadert Basketball-Meister Bamberg mit dem Euroleague-Spielplan. Die Sieger haben dafür aber nur teilweise Verständnis.

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Ungewohntes Bild für die Bamberger: In der Brose-Arena feiern die Ulmer Basketballer. Chris Babb, Karsten Tadda und Braydon Hobbs (v. l.) bedanken sich bei den mitgereisten Ratiopharm-Fans für deren Unterstützung.  Foto: 

Der 84:79-Sieg der Ulmer Basketballer in Bamberg war gerade erst ein paar Minuten alt, da war sich Thorsten Leibenath bereits sicher: „Für die Euphorie werden jetzt die Medien sorgen.“ Damit hatte der Coach des ungeschlagenen Bundesliga-Spitzenreiters gar nicht so unrecht. Von einer „Wachablösung“ im deutschen Basketballer war zu lesen, davon, dass der Vizemeister den Titelverteidiger „düpiert“ habe und nun „Favorit Nummer eins auf die Meisterschaft“ sei.

Doch verantwortlich für die Euphorie sind nicht die Medien oder die Fans, deren Traum von der ersten Meisterschaft weitere Nahrung erhalten hat. Schuld – wenn man in diesem Fall überhaupt von einer Schuld sprechen kann – dass die Erwartungen immer weiter steigen, sind die Ratiopharm-Basketballer selber. Ungeschlagener Spitzenreiter, Platz eins nach der Hauptrunde so gut wie sicher, 27 Siege in Serie, den Startrekord ausgebaut, Bamberg die erste Niederlage nach 37 ununterbrochenen Bundesliga-Erfolgen zugefügt, der erste Ulmer Sieg in der Brose-Arena seit achteinhalb Jahren – es gibt viele gute Gründe für die Euphorie.

Die ist auch per se nicht schädlich, so lange sich die Mannschaft davon nicht anstecken lässt. Die Titelträume sind zum momentanen Zeitpunkt etwas für die Fans und das Umfeld, die Spieler müssen realistisch und fokussiert bleiben. Die Ulmer zeigen, dass sie nicht gewillt sind, sich vom Hype anstecken zu lassen. Ein klares Indiz: Obwohl sie am kommenden Wochenende spielfrei sind, gab es trotz des Bamberg-Coups nur zwei Tage frei. „Wir haben noch viel vor“, begründete Leibenath die doch recht kurze Pause.

Während also Baskets-Coach Andrea Trinchieri verspätet zur Pressekonferenz kam und dort erklärte, dass Ulm nach dem Sieg „natürlich der Favorit auf die deutsche Meisterschaft“ ist, wollten die Gewinner von der neuen Rolle nichts wissen. Allen voran Per Günther trat bei Telekom-Basketball mächtig auf die Euphoriebremse. „Wenn Bamberg fit ist und alle Mann an Bord hat, und man sie dann geschlagen hat, dann kann man sich auf die Schulter klopfen“, sagte der Spieler, der beim bislang letzten Sieg in Bamberg im September 2008 sein Debüt für Ulm gegeben hat.

Nach der zweiten Bundesliga-Niederlage in Serie drehte sich bei den Franken alles um den eng gestrickten Terminplan und die Belastung durch die Euroleague. Günther drückte es mal wieder auf seine Art aus. Während die Bamberger unter der Woche gegen Vitoria Gasteiz (Spanien) und Mailand (Italien) ran mussten, „liegen wir seit acht Tagen in Ulm in der Sonne und können uns vorbereiten.“ Der 29-Jährige ist sich deshalb sicher: „Wir haben noch nicht die beste Bamberger Mannschaft gesehen.“

Als Leibenath auf die Belastung des Gegners angesprochen wurde, meinte er: „Ich kann dazu nur sagen, dass ich mir wünschen würde, in der Situation von Bamberg zu sein.“ Schließlich würde das bedeuten, dass die Ulmer die letzte Saison als Meister abgeschlossen haben. „Wir haben alles dafür getan, dass wir in der Euroleague spielen. Aber leider haben wir die Finalspiele verloren.“ Insofern wäre er „viel zu stolz, in der Euroleague zu spielen, als mich dann über irgendetwas zu beschweren.“ Zumal der 41-Jährige davon ausgeht, dass die Erfahrungen aus der Königsklasse dem Meister in den Playoffs noch hilfreich sein wird.

Ein psychologischer Vorteil

Momentan spricht aber vieles für Ulm. Wer zweimal in einer Runde Bamberg schlägt, darf sich berechtigte Hoffnungen auf den Titel machen. Psychologisch ist es auf jeden Fall von Vorteil, den erfolgsverwöhnten Franken gezeigt zu haben, dass die Brose-Arena keine uneinnehmbare Festung mehr ist. Nach dem spielfreien Wochenende kann der Spitzenreiter ein weiteres Zeichen setzen. Am 8. April kommt mit Bayern München ein weiterer Titel-Anwärter in die Ratiopharm-Arena. Bis dahin können die Ulmer sogar zehn Tage in der Sonne liegen und sich vorbereiten.

Mit ihren Gala-Auftritten haben Raymar Morgan (24 Punkte)  und Chris Babb (19) Ulm zum 84:79-Sieg in Bamberg geführt – und das unter Beobachtung von Talentspäher der Minnesota Timberwolves und der Utah Jazz. Die hatten sich kurzfristig angekündigt, um wohl Nicolo Melli und Daniel Theis anzuschauen. Von den Scouts erfuhren die Ulmer erst nach der Partie. „Das ist natürlich eine gute Sache, wenn Du gut spielst, wenn NBA-Beobachter da sind“, sagte Babb, der wie Morgan auf ein Engagement in der amerikanischen Profi-Liga hofft. Das Duo lieferte auf jeden Fall eine gelungene Bewerbung ab.

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