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Basketball: Beim Feiern sind die Ulmer wieder nur Zuschauer

Die Ulmer Basketballer haben das Pokalfinale gegen Alba Berlin mit 67:85 verloren. Im letzten Viertel brach der Vizemeister komplett ein und verspielt somit den zweiten Pokaltriumph nach 1996.

SEBASTIAN SCHMID |

Thorsten Leibenath ist gebürtiger Leverkusener und als solcher sympathisiert er mit dem Fußball-Bundesligisten Bayer. An dem haftet seit der Saison 2001/2002 der zweifelhafte Titel "Vizekusen". Damals wurden die Leverkusener in der Liga, im Pokal und in der Champions League jeweils Zweiter. Der Vizemeister aus Ulm ist seit gestern auch Vizepokalsieger, worauf jeder im Team gerne verzichtet hätte. Mit 67:85 (39:38) unterlagen die Bundesliga-Basketballer von Ratiopharm Ulm im Pokal-Finale Alba Berlin und verpassten somit den zweiten Triumph nach 1996.

Dass die Ulmer erneut nur "Vize" sind, ist auf der einen Seite eine riesige Enttäuschung. Auf der anderen Seite zeigt es, dass der Einzug ins Meisterschafts-Finale in der vergangenen Saison kein Zufall war. "Wir haben Konstanz in unsere Leistung bekommen", sagte Leibenath.

Dass der Gastgeber sich seinen siebten Pokalerfolg sicherte, geht für den Ulmer Coach in Ordnung: "Die über das gesamte Wochenende gesehen beste Mannschaft hat den Titel gewonnen." Die Albatrosse hatten am Samstag durch einen klaren 92:83-Sieg gegen Bayern München den Finaleinzug perfekt gemacht, Ulm mit einem 86:77 gegen Quakenbrück.

Der Auftakt ins Endspiel gehörte dem Vizemeister. John Bryant erzielte die ersten Punkte der Partie. In den ersten zehn Minuten war bei beiden Teams von Nervosität keine Spur. Vor 14 000 Zuschauern trafen die Mannschaften zunächst hochprozentig und leisteten sich keine Phase des Abtastens. Einmal mehr war es Bryant, der der Anfangsphase seinen Stempel aufdrückt. Nach den ersten zehn Minuten standen für den besten Spieler der abgelaufenen Saison bereits 15 Punkte, 3 Rebounds und 2 Assists zu Buche.

Nach diesem Kraftakt gönnte Leibenath seinem Center zu Beginn des zweiten Durchgangs beim Stand von 24:22 eine Pause. Wie bereits im Halbfinale gegen Quakenbrück saßen alle fünf Akteure der Anfangsformation zum Start des zweiten Viertels auf der Bank. Da auch Alba-Coach Sasa Obradovic der zweiten Garde eine Chance gab, konnte die Partie nicht mehr an das hohe Niveau des Auftakt-Viertels anknüpfen. Lance Jeter mit einem Dreier von weit hinter der Linie und einem Korbleger brachte Ulm mit 32:26 in Führung. Mit sieben Zählern in Serie eroberte sich Berlin jedoch die Führung zurück (33:32). Allan Ray, Bryant und Per Günther mit seinen ersten Punkten sorgten für die knappe Halbzeit-Führung (39:38).

Die Pause tat Ulm ganz gut. Dreier von Günther und Kapitän Steven Esterkamp sowie zwei Punkte von Ray brachten Ulm das 51:46 ein. Doch erneut schlugen die Albatrosse zurück, erarbeiteten sich mit einem neuerlichen 7:0-Lauf wieder einen knappen Vorsprung. Heiko Schaffartzik setzte mit der Sirene den Schlusspunkt des Durchgangs. Es war ein Wirkungstreffer. "Der Dreier von Heiko brachte Alba die Führung, die im letzten Viertel unglaubliche Kräfte freigesetzt hat", analysierte Leibenath nach dem Spiel. 59:62 stand es aus Sicht der Ulmer, die im Ligaspiel die Berliner an selber Stelle im letzten Viertel mit 32:14 überrannt hatten und sich so den 88:80-Sieg gesichert hatten.

Gestern war davon nichts zu sehen. Der Euroleague-Teilnehmer ließ sich nicht noch einmal überrumpeln. Nach fünf Minuten im letzten Viertel hatte lediglich Esterkamp für Ulmer Punkte gesorgt. Leibenath nahm eine Auszeit, um sein Team auf den Schlussspurt einzustellen. Doch statt eines Aufbäumens sahen die 1000 Ratiopharm-Fans, wie Berlin seinen Weg Richtung Titel unbeirrt fortsetzte. Je"Kel Foster sorgte für die 72:61-Führung. Anschließend begannen die Gäste zu foulen, um schnell in Ballbesitz zu kommen, doch Berlin war von der Freiwurflinie zu abgezockt, als dass der Sieg noch in Gefahr geriet. Acht magere Punkte der Ulmer im letzten Viertel waren deutlich zu wenig gegen den Rekordpokalsieger.

"Die 18 Punkte Differenz spiegeln nicht wirklich den knappen Verlauf der Partie", sagte Leibenath, der nach der Niederlage als Seelsorger unterwegs war: "Es war mir ein Bedürfnis, in der Kabine ein paar positive Worte zu sprechen."

So reisten die Ulmer zwar mit gesenkten Köpfen aus der Hauptstadt ab, aber nicht perspektivlos. "Was ich heute gesehen habe, stimmt mich stolz für die restliche Saison", erklärte Leibenath. Außerdem besteht ja im kommenden Jahr die nächste Chance auf den Pokal. "Letztes Jahr waren wir Dritter, dieses Jahr Zweiter, und es würde mich sehr freuen, wenn wir im nächsten Jahr in der eigenen Halle den Pokal gewinnen", sagte Leibenath. Die Sache mit dem "Vize" hätte sich dann auch erledigt - zumindest für Ulm.

Bildergalerie unter swp.de/bilder

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Basketball, Bundesliga Saison 2014/15 DBB
Pl. Verein KV Pkt.
1 Bamberg 368 46
2 Alba Berlin 330 46
3 FC Bayern 463 44
4 Ratiopharm Ulm 14 36
5 Telekom Bonn 88 34
6 Oldenburg 51 30
7 Skyl. Frankfurt 37 30
8 Quakenbrück 7 28
9 Ludwigsburg 53 28
10 Braunschweig -49 26
11 Göttingen -102 26
12 Hagen -99 22
13 Mitteldeutscher BC -118 20
14 Bayreuth -129 18
15 Tübingen -198 16
16 Bremerhaven -167 16
17 Trier -205 10
18 Crailsheim -344 10
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