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Ulms Spielmacher Per Günther über seine Zukunft

Rückblick und der Blick nach vorne: Per Günther, der Spielmacher des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm, hat ein anstrengendes Jahr hinter sich - und das kommende wird keinen Deut leichter.

THOMAS GOTTHARDT | 0 Meinungen

Per Günther, kommt ein Basketball-Profi dazu, am Ende des Jahres die vergangenen zwölf Monate mal zu bilanzieren?
PER GÜNTHER: Eigentlich nicht, das ist bei uns abhängig vom Saisonzyklus. Auch die persönliche Bilanz ziehe ich später, weil es jetzt keinen Bruch gibt. Im Sommer werde ich sicherlich über das eine oder andere nachdenken, um Dinge zu verarbeiten. Aber da brauche ich Zeit und Ruhe - wenn ich die dann habe.

Das Jahr 2012 war für Ratiopharm Ulm das erfolgreichste seit dem Neubeginn 2001. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?
GÜNTHER: Auf alle Fälle das erste Spiel gegen Oldenburg in der neuen Ratiopharm-Arena, obwohl das ja noch knapp 2011 war. Das war überwältigend, hoch emotional. Dann natürlich die Pokalteilnahme und das letzte Play-off-Finalspiel in Bamberg, das wir verloren haben.

Trauern Sie dieser Niederlage noch nach?
GÜNTHER: Ja und Nein, es wäre noch ein weiter Weg gewesen, die Serie zu gewinnen. Aber wenigstens einmal Bamberg zu schlagen, wäre schon sehr schön gewesen. Gar keines gegen Bamberg zu gewinnen, das war bitter.

Auch in dieser Saison hat es nicht funktioniert gegen den Meister. Droht da mentales Ungemach?
GÜNTHER: Da wird vielleicht das Prinzip der sich selbst erfüllenden Prophezeihung aktuell. Irgendwann denkst du, du spielst zwar wieder gut mit, die schießen jetzt aber bestimmt die Dinger rein, aus dem Nichts und gewinnen wieder. Das Gute am Sport ist aber, dass solche Serien einfach mal reißen.

Welche positiven Eigenschaften hat das aktuelle Ulmer Team aus der vergangenen Saison mitgenommen?
GÜNTHER: Generell haben wir viel mitgenommen. Zum Beispiel das Vertrauen der Spieler untereinander, aber auch das Vertrauen der Mannschaft zum Trainer, weil wir mit Thorsten Leibenath Erfolg hatten. Auch der Trainer vertraut uns Spielern, wenn einer etwas sagt.

Was ist auf der Strecke geblieben?
GÜNTHER: Unsere Heimstärke. Wir haben in der Arena schon drei Spiele nach Verlängerung verloren.

In der vergangenen Saison hättet ihr diese Spiele vermutlich gewonnen.
GÜNTHER: Vermutlich, da hatten wir ja auch Begegnungen, in denen wir nicht überzeugt haben, die wir dann aber weiß der Geier wie gewonnen haben. Zum Beispiel in Ludwigsburg durch einen Tip-in von Dane Watts in letzter Sekunde.

In einigen Spielen, vor allem gegen die so genannten Kellerkinder, gab es einen Schlendrian. Hatte das was mit Überheblichkeit zu tun?
GÜNTHER: Nein. Wir wissen, dass wir kein Spiel gewinnen können, wenn wir nur 80, 90 Prozent geben. Was uns zu schaffen macht, ist die hohe Belastung durch den Eurocup. Die Reisen haben uns mehr zugesetzt, als wir vorher gedacht hatten. Wir haben aber daraus gelernt und werden Dinge anders machen. Auch wenn man in Russland war, kann man danach Spiele gewinnen. Das müssen wir erst verinnerlichen.

Braucht diese Mannschaft in schwierigen Phasen eines Spiels einen emotionalen Leader?
GÜNTHER: Wir haben die Typen dafür. Dane Watts macht in diesem Bereich mehr, unser Kapitän Steven Esterkamp sowieso. Betz geht immer mit gutem Beispiel voran. Ich sehe da überhaupt keinen Mangel.

Wie viel Tage Urlaub hatten Sie eigentlich 2012?
GÜNTHER: Ich hatte eine Woche, in der ich mit Basketball nichts zu tun hatte. Die Saison ging lange. Dann gab es mit Svetislav Pesic einen neuen Nationaltrainer. Da konnte ich mir auch nicht erlauben, bei den Lehrgängen nicht in Bestform aufzukreuzen. Das war eine Extremsituation. Es gab Phasen, in denen ich sehr müde und nicht so gut drauf war wie sonst.

2013 wird aber vermutlich nicht einfacher. Vielleicht die Play-offs, mit Frank Menz gibt es einen neuen Nationaltrainer, im September ist die EM in Serbien.
GÜNTHER: Ja, das wird sehr ähnlich. Ich werde mit Frank Menz reden. Wenn er mich dabei haben will, dann hilft es uns allen, wenn ich ausgeruht bin.

Was erwarten Sie vom neuen Jahr?
GÜNTHER: Ich hoffe, dass ich bei der EM eine Rolle mit mehr als nur ein, zwei Minuten pro Partie spielen werde. Wenn wir in Ulm am Ende der Saison unsere Kräfte beisammen haben, werden wir eine ähnliche Rolle spielen wie 2012. Heißt Play-offs, und nicht nur eine Runde.

Ihr Vertrag in Ulm läuft nach dieser Saison aus. Was passiert?
GÜNTHER: Ich bin das erste Mal in der Situation, dass ich mit anderen Vereinen ernsthaft sprechen werde. In den vergangenen Jahren war es immer früh klar, dass ich in Ulm bleibe. Ich habe lange dafür gearbeitet in eine Situation zu kommen, in der ich mir mehr oder weniger aussuchen kann, wo ich spielen möchte. Das habe ich mit unserem Manager Thomas Stoll auch besprochen. Wir werden uns zusammensetzen, weil Ulm trotz der Optionen meine erste Priorität hat.

Gibt es schon ein konkretes Angebot eines anderen Klubs oder aus Ulm?
GÜNTHER: Nein, jetzt will ich mich auch auf Basketball konzentrieren. Ich weiß, was ich an Ulm habe. Die Entwicklung hier ist wahnsinnig. Es gibt aber auch diese Herausforderung, woanders nochmal bei null anzufangen, sich durchzubeißen, vielleicht auch mal im Ausland.

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