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Kuriose 8,7 Sekunden sichern Ulmer Basketballern das Halbfinale

In einem kuriosen und spannenden fünften Spiel haben sich die Ulmer Bundesliga-Basketballer gegen die MHP Riesen durchgesetzt. Im Halbfinale wartet nun Oldenburg.

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Im Basketball kann in 8,7 Sekunden viel passieren. Doch was die 6200 Zuschauer in der Ratiopharm-Arena vor der Halbzeit in dieser kurzen Zeitspanne zu sehen bekamen, war dann doch nicht alltäglich. Und vor allem: Es führte dazu, dass Ratiopharm Ulm mit 91:81 das fünfte Viertelfinale gegen die MHP Riesen Ludwigsburg gewann, die Serie mit 3:2 für sich entschied und im Halbfinale steht. Dort empfängt das Team von Trainer Thorsten Leibenath am Sonntag Oldenburg (15 Uhr)

Wie bereits die gesamte Viertelfinal-Serie war das entscheidende fünfte Spiel hart umkämpft. Ulm führte kurz vor der Halbzeit mit 47:39 und Ludwigsburg war in Ballbesitz, als Per Günther eben 8,7 Sekunden vor der Pause Rocky Trice mit einem Allerweltsfoul stoppte. Bei Gäste-Trainer John Patrick kochten innerhalb von Millisekunden die Emotionen hoch. Der 49-Jährige beschwerte sich, dass bei Augustine Rubit keine Schrittfehler gepfiffen werden, woraufhin Patrick ein technisches Foul erhielt. Unmittelbar im Anschluss erhielt er das nächste technische Foul und musste damit den Innenraum der Arena verlassen. Für die zweite Halbzeit war Co-Trainer Martin Schiller nun der Chef.

Durch die technischen Fouls wechselte der Ballbesitz, Ulm erhielt für jedes Foul einen Freiwurf und behielt den Ball. Chris Babb traf beide Freiwürfe zum 49:39, nach dem anschließenden Einwurf wurde Rubit gefoult. Nun bekam Ludwigsburgs Cliff Hammonds ebenfalls ein technisches Foul. Rubit traf die zwei Freiwürfe für das Foul, sowie den Freiwurf für das technische Foul (53:39). Zudem hatte Ulm erneut einen Einwurf, aus dem ein Dreier von Babb resultierte. Binnen 8,7 Sekunden hatten Ludwigsburg seinen Trainer verloren und acht Punkte kassiert.

Die Vorentscheidung, die die Riesen so nicht hinnehmen wollten. In der Halbzeit kam erst Kapitän David McCray und später John Patrick, um offiziell Einspruch gegen die Wertung der Partie einzulegen. Der Gäste-Trainer geht davon aus, dass er damit Erfolg hat, da er nach eigenem Bekunden „für eine höfliche Frage“ das zweite technische Foul kassiert hatte. Vom Tisch der Offiziellen war hingegen zu vernehmen, dass der Einspruch „null Chance“ auf Erfolg habe, da er sich zum  einen gegen eine Tatsachenentscheidung richtet und zum anderen nicht unmittelbar nach der Aktion und damit zu spät kam. Bei Redaktionsschluss war noch keine Entscheidung gefallen.

In der Halbzeit beruhigten sich die Gemüter des Gäste offensichtlich nicht. Als beide Teams zurück auf dem Feld waren, erhöhten die Ulmer zunächst auf 20 Punkte (62:42), ehe sich die Ereignisse abermals überschlugen. Nach einem Foul an Chris Babb, kassierte D. J. Kennedy zunächst ein normales Foul, dann ein technisches Foul, nach dem er dann so wütend wurde, dass er auf den Unparteiischen los rannte und den Ball nach ihm warf. Die Folge: Nach seinem zweiten technischen Foul konnte er im Presseraum der Arena gemeinsam mit seinem Trainer die Partie auf dem Fernsehschirm verfolgen.

Irgendwann wurde dann tatsächlich auch wieder Basketball gespielt. Nach einer zwischenzeitlichen 24-Punkte-Führung (68:44) gingen die Ulmer mit einem 82:66 ins letzte Viertel. Dort schenkten sie das Halbfinale fast noch her. Chad Toppert traf zweieinhalb Minuten vor der Ende zum 79:85 aus Sicht der Gäste. Doch die Ulmer, denen im letzten Viertel nur ein Korb aus dem Feld gelang, machten von der Freiwurflinie den Sieg in einem kuriosen fünften Spiel perfekt.

Kommentar zum Halbfinaleinzug von Ratiopharm Ulm: Die Euphorie neu entfachen

Die Ulmer Bundesliga-Basketballer stehen im Playoff-Halbfinale. Doch der Hauptrunden-Erste hatte mit den Riesen Ludwigsburg mächtig Probleme und musste bis in die letzten Minuten des fünften Spiels um das Weiterkommen zittern.

Bevor es für das Ratiopharm-Team nun gegen Oldenburg um den Finaleinzug geht, bleibt ganz kurz Zeit, Luft zu holen und durchzuatmen. Auch wenn der 3:2-Erfolg im Viertelfinale in seinem Zustandekommen keine Glanzleistung war, hat er ein weiteres historisches Kapitel der Saison verhindert. Mit einem Viertelfinal-Aus als Erster gegen die achtplatzierten Ludwigsburger hätten sich die Ulmer nämlich unrühmlich in den Liga-Annalen verewigt. Die starke Leistung über den Großteil der Hauptrunde hinweg wäre durch das vorzeitige Aus nicht nur geschmälert, sondern so gut wie zunichte gemacht worden. Es ging gegen Ludwigsburg also nicht nur um den Halbfinaleinzug, sondern  um die Arbeit einer ganzen Saison.

Die Ulmer sind nach diesen Auftritten ihre zwischenzeitliche Favoritenrolle los. Das ist zu verschmerzen, sie fühlen sich als Außenseiter ohnehin wohler. Zumal der Traum von der ersten Meisterschaft deswegen nicht geplatzt ist. Doch ganz so euphorisch wie noch vor Wochen geht es rund um die Basketballer nicht mehr zu. Nun kann gegen Oldenburg das Feuer neu entfacht werden.

Ein Kommentar von Sebastian Schmid.

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