Ratiopharm Ulm-Basketballer in Tübingen - Ex-Ulmer Jönke nimmt sich viel vor

Tübingen auf dem letzten Tabellenplatz, Ulm auf Rang elf - das verspricht nicht unbedingt einen sportlichen Leckerbissen. Aber ein wenig Brisanz steckt immer noch im Derby. Am Samstag ist es mal wieder soweit.

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Der Tübinger Guard Till Jönke (links, gegen Oldenburg) freut sich auf das Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kollegen von Ratiopharm Ulm.  Foto: 

Was die Nebengeräusche betrifft, war die Pre-Derby-Zeit lahm. Das Basketball-Duell Tübingen gegen Ratiopharm Ulm wird nur noch von wenigen Hardcore-Fans beider Seiten hochgejazzt, mit Gähn-Tiger-Bildern garniert, um wenigstens für ein wenig Stunk-Atmosphäre zu sorgen. Die Tübinger werden vielleicht, als Maximum aller denkbarer Provokation, den neuen, eigenen und nach eigenen Vorstellungen ausgestatteten Mannschaftsbus vor der Arena parken - wenn es geht neben dem Gefährt der Ulmer, das den Ratiopharm-Korbjägern eben nicht gehört. Ja, ja, so weit sind wir, lieber Nachbar aus Ulm, wird dann vielleicht Tigers-Manager Robert Wintermantel leise in sich hineinkichern.

Das heißt aber nicht, dass das Derby überhaupt keine eigene Note mehr hätte. Ulm gegen Tübingen - das sorgt auf beiden Seiten immer noch für eine Extra-Portion Emotion, für eine Extra-Portion Siegeswille, für einen Hauch mehr Frotzelei zwischen den Anhängern beider Lager. Schließlich unterfüttert eine Menge Geschichte und Tradition diese Auseinandersetzung. Vor allem im vergangenen Jahrzehnt gab es Niederlagen für Ulm in der Zweiten Liga, die einem Weltuntergang gleichkamen. Aktuell jedoch hält zum Beispiel der Tübinger Trainer Igor Perovic nichts von dem ohnehin schon arg reduzierten Ballyhoo: "Sobald das Spiel beginnt, ist sowieso alles hinter uns."

Am Samstag um 17 Uhr treffen in der Paul-Horn-Arena in Tübingen zwei Mannschaften aufeinander, die sich, was den Etat betrifft, zuletzt auseinander gelebt haben - mit Vorteil Ulm. Sportlich stehen die Tigers mit nur einem Sieg aus sieben Partien auf dem letzten Tabellenplatz, die Ratiopharm-Basketballer mit drei Erfolgen auf Rang elf - für beide Klubs unbefriedigend.

Eine solche Partie kann durchaus helfen, aus der Mittelmäßigkeit rauszukommen - aber nur im Falle eines Sieges. Und darauf setzt/hofft Till Jönke, der Tübinger Guard, der nach zwei Jahren in Ulm zur neuen Saison an der Neckar gewechselt ist. Der gebürtige Düsseldorfer ist schnell zu einem festen Bestandteil des Tübinger Teams geworden. "Das freut mich für ihn, wir konnten ihm, so wie wir die Mannschaft zusammenstellen wollten, für diese Saison einfach nicht mehr Spielzeit einräumen und haben ihm dann keine Steine in den Weg gelegt, als die Möglichkeit bestand, nach Tübingen zu wechseln. Till war und ist immer noch ein defensiver Energizer", ist der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath voll des Lobes über seinen ehemaligen "Schüler"

Jönke jedenfalls freut sich auf das Spiel. Mit Per Günther und Philipp Schwethelm gab es zuletzt vermehrt Kontakt. "Mit Per war ich zwei Jahre bei jedem Auswärtsspiel auf dem Zimmer", erzählt Jönke. Da entwickelt sich natürlich so etwas wie Freundschaft, die auch nicht leiden soll, wenn Jönkes Wunsch für am Samstag in Erfüllung gehen sollte: "Jetzt ist unsere Zeit, um Siege einzufahren, gegen Ulm und Crailsheim könnten wir einen Run starten." Was für Jönke und dessen Prognose spricht, ist der Umstand, dass er noch kein Derby verloren hat. Das Testspiel vor der aktuellen Saison hatten die Tübinger - mit Jönke - für sich entscheiden können.

Ratiopharm-Coach Thorsten Leibenath geht die mäßig brisante Partie cool an. Zunächst wird er seiner Mannschaft nochmal die Gesetzmäßigkeit des Derbys erklären. Die besteht darin, "dass von der ersten Minute an alle Spieler auf dem maximalen Intensitätslevel agieren müssen", sagt der Coach. Kein Abtasten, kein Energiesparprogramm, sondern Vollgas. Neben dieser Bereitschaft zum Kaltstart müsse seine Mannschaft vor allem das routinierte und meist erfolgreiche Zusammenspiel des 38-jährigen Flügelspielers Aleksandar Nadjfeji mit Pointguard Branislav Ratkovica energisch stören.

Personell könnte sich für Leibenath erstmals die Konstellation ergeben, dass er einen Ausländer aussortieren muss, weil sechs Deutsche im Zwölfer-Kader stehen müssen. Heißt: Die zuletzt angeschlagenen Boris Savovic und Jaka Klobucar könnten möglicherweise wieder eingreifen. Und Neuzugang Deonte Burton steht ebenfalls bereit. Der Amerikaner habe im ersten Mannschafttraining am Donnerstag sein Talent aufblitzen lassen, ohne sich in Vordergrund zu drängen, beschreibt Leibenath den Auftritt des Guards. "Deonte ist ein netter Mensch, das erleichtert vieles" sagt auch Mannschaftskapitän Adam Hess über seinen neuen Kollegen.

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