Ratiopharm-Assistenztrainer John Dieckelman findet in Ulm seine berufliche Erfüllung

Seit Sommer 2011 sind Cheftrainer Thorsten Leibenath und Assistenzcoach John Dieckelman für die Ulmer Bundesliga-Basketballer verantwortlich. Der Amerikaner sieht in dieser Arbeit seine berufliche Erfüllung.

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Assistenztrainer John Dieckelman (rechts) und Chefcoach Thorsten Leibenath ergänzen sich prächtig in ihrer Arbeit für Ratiopharm Ulm. Foto: Eibner

Kareem Abdul-Jabbar, die Center-Legende der nordamerikanischen Profiliga NBA, hat einmal über die Verbindung von Jazz und Basketball gesagt: "Da gibt es keinen Zweifel, dass Jazz mich zu einem besseren Menschen und zu einem besseren Basketballspieler gemacht hat." Improvisation, Timing, das Rollenspiel in einem Team oder in einer Band, all das sei vergleichbar und für Jazz und Basketball gleichermaßen wichtig.

John Dieckelman, der Assistenztrainer des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm, Jazzliebhaber des traditionellen Stils, denkt über den Vergleich kurz nach und nickt dann zustimmend. "Ja, ein Basketballteam und ein Jazzensemble haben viel gemeinsam. Zum Beispiel Isaiah Swann, der schnell 18 Punkte erzielt, er ist vielleicht John Coltrane, oder Rocky Trice oder John Bryant, der Trommler, alle haben Soloauftritte während eines Spiels und gehen dann wieder in die Gruppe zurück. Der Tempowechsel zwischen Sequenzen ist ebenso wichtig wie das Timing insbesondere für den Soloeinsatz, all das ist Jazz, all das ist Basketball." Das mit dem besseren Menschen ließ er lieber unkommentiert.

John Dieckelman, vor wenigen Tagen 52 Jahre alt geworden, weiß, wovon er spricht. Natürlich als Basketball-Coach mit jeder Menge Erfahrung, aber auch als Jazztrompeter, auch wenn es für die ganz große Karriere als Musiker nicht gereicht hat. Das jedoch kann der Amerikaner verschmerzen. Gerade jetzt, gerade in einer Phase, in der es vor Erfolg mit den Ratiopharm-Korbjägern nur so swingt. Und dabei ist der saisonale Schlussakkord noch nicht einmal angeklungen.

John Dieckelman ist ein europäisierter Amerikaner, der vor 30 Jahren als Jung-Profi nach Schweden kam - und aus Europa nicht mehr weg. Eingesetzt auf auf den großen Positionen, sogar Spielmacher, dann Spielertrainer, Trainer, Assistenzcoach, Frauen-Teams, Herrenmannschaft, Jugendspieler ausgebildet. In allen Bereichen hat sich John Dieckelman mit Erfolg bewiesen und fühlt sich nun an einem Punkt angekommen, an dem er all seine Erfahrung abrufen und in seine konkrete Arbeit in der Halle einfließen lassen kann - ein Glücksfall für den Ulmer Basketball.

John Dieckelman und Thorsten Leibenath - das neue Gespann, das sich erst im Sommer des vergangenen Jahres zusammengefunden hat. "Ich habe mich unglaublich gefreut, als mich Thorsten angerufen und mich gefragt hat, ob ich nach Ulm kommen möchte. Im Mai war ich in Ulm, wir haben einige Zeit miteinander verbracht", erinnert sich Dieckelman. Zusammengebracht wurden beide von Gary Wasshuber, der in Gießen mit Leibenath und in Wels mit Dieckelman zusammengearbeitet hatte. Begegnet waren sich Leibenath (damals Quakenbrück und Dieckelman (Wels) zuvor im Eurocup.

Das neue Trainer-Duo brauchte keine Anlaufzeit, um zu funktionieren. Die Rollenverteilung, die in diesem Fall nichts mit Hierarchie zu tun hat, war schnell klar. John Dieckelman gibt eher den "Coolen" und Thorsten Leibenath den "jungen Wilden", der von der Ruhe und Gelassenheit seines Kompagnons profitiert - und profitieren will. So war es auch geplant. "Ich wollte einen Assistenz-Trainer mit viel Erfahrung und mit einem guten Umgang mit Menschen, der mich auch manchmal beruhigt und runterholt. Das macht John Dieckelman", sagt Leibenath, der in seinem 15 Jahre älteren Kollegen eine "absolute Autoritätsperson" sieht, die im Training dann aber doch einmal laut werden könne.

Aber wichtiger als Lautstärke ist die Ruhe. Der "Co" kümmert sich während eines Spiels um all die statistischen Dinge, analysiert Schwächen beim Gegner und der eigenen Mannschaft, Leibenath konzentriert sich rein aufs Geschehen auf dem Parkett. In den Auszeiten oder Viertelpausen reden beide 10 bis 15 Sekunden miteinander, bevor Leibenath mit der Ansprache loslegt. "Thorsten ist ein Trainer mit viel Leidenschaft, ich bin der Ruhige. Bin ich ruhig, ist er ein bisschen ruhiger. Das ist gut für ihn", beschreibt Dieckelman das Miteinander.

Der studierte Sportwissenschaftler, der bei jedem Spiel 45 Minuten vor dem Tip-off mit Kapitän Steven Esterkamp in die Halle kommt und dessen Wurftraining begleitet, ist nicht nur mit den Profis beschäftigt, sondern auch für die Ausbildung von Talenten mit zuständig, unter anderem als Trainer der Jugend-Bundesliga-Mannschaft (JBBL). Genau in dieser Doppelfunktion sieht er seine Erfüllung: "Das ist eine gute Balance, deshalb gefällt mir die Arbeit auch so gut. Wir haben einen Klub mit viel Potenzial, eine neue Arena, ein neues Trainingszentrum. Hier liegt die Zukunft."

Die größte Herausforderung in dieser Saison hatte dabei nichts mit den Profis zu tun, nichts mit der Jugend, sondern mit der BG Illertal-Weißenhorn, dem Ulmer Kooperationspartner aus der Pro B. Das Team musste nach einer reichlich verkorksten Saison in den Play-downs um den Klassenerhalt kämpfen. Dieckelman "assistierte" dem Weißenhorner Trainer John Staudt und hatte damit großen Anteil daran, dass die BG mit zwei Siegen die Play-downs überstand. "John Dieckelman hat immer wieder Kleinigkeiten angesprochen und korrigiert", beschreibt Doppellizenzspieler Michael Wenzl dessen Arbeitsweise. Der Blick für die Details zeichnet den Allesmacher aus. Und eine Idee von dem, was besonders Jugendspieler befolgen sollten: Sie müssen kämpfen. Das meint Dieckelman nicht martialisch, sondern er sieht in harter und disziplinierter Arbeit die Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Ausübung dieses Sports."Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit", wusste schließlich schon Karl Valentin.

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