Playoffs: Ulmer spielen am Sonntag erneut gegen Bamberg

Die Ulmer Basketballer feierten solide den Einzug ins Playoff-Finale gegen Bamberg. Die Euphorie im Umfeld steigt. <i>Mit einem Kommentar von Thomas Gotthardt: Das Beste zum Schluss.</i>

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  • Impressionen aus der Ratiopharm-Arena: Die Ulmer Basketballer im Spiel gegen Frankfurt auf dem Weg ins Playoff-Finale – und die Fans fiebern mit. 1/4
    Impressionen aus der Ratiopharm-Arena: Die Ulmer Basketballer im Spiel gegen Frankfurt auf dem Weg ins Playoff-Finale – und die Fans fiebern mit. Foto: 
  • Basketball Ratiopharm Ulm Finale 2/4
    Basketball Ratiopharm Ulm Finale Foto: 
  • Basketball Ratiopharm Ulm Finale 3/4
    Basketball Ratiopharm Ulm Finale Foto: 
  • Purer Nervenkitzel: Die vierte und letzte Partie des Halbfinales war heiß umkämpft. Bärenstark begannen die Ulmer, sie diktierten das Spiel und führten deutlich, doch am Ende kamen die Gäste aus Frankfurt bis auf einen Punkt heran. Die Zuschauer fieberten leidenschaftlich mit, um den Einzug in die Endspiele gegen Topfavorit Bamberg groß zu feiern. 4/4
    Purer Nervenkitzel: Die vierte und letzte Partie des Halbfinales war heiß umkämpft. Bärenstark begannen die Ulmer, sie diktierten das Spiel und führten deutlich, doch am Ende kamen die Gäste aus Frankfurt bis auf einen Punkt heran. Die Zuschauer fieberten leidenschaftlich mit, um den Einzug in die Endspiele gegen Topfavorit Bamberg groß zu feiern. Foto: 
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Es war kein leichter Weg für die Frankfurter Basketballer. Als sie nach getaner, allerdings nicht sonderlich erfolgreicher Arbeit durch den Hintereingang der Ratiopharm-Arena zum Mannschaftbus wollten, da standen einige Fans der Hessen und wollten wenigstens mal kurz über die Partie diskutieren.

Fragen, warum die Skyliners 30 Minuten einen eher schlappen Auftritt hingelegt hatten? Warum es dann in den letzten zehn Minuten so deutlich besser lief? Gut, dass Basketball-Fans doch etwas anders ticken als einige Fußballanhänger und aus dieser Diskussionsrunde keine Anklage machten.

Johannes Voigtmann stellte sich den Fans und erklärte ebenso ruhig und sachlich: „Ich glaube, wir haben zu keiner Zeit unseren Basketball gespielt. Wir haben den Ball nicht bewegt, zu viele Ballverluste gehabt und zu undiszipliniert verteidigt. Dann drehen einige Ulmer Spieler auf und so kam der große Rückstand zu Stande. Wenn man so eine Saison abschließt und denkt, dass mehr gegangen wäre, bleibt immer erst mal ein fader Beigeschmack.“ Die Enttäuschung war dem Frankfurter deutlich anzumerken: Der Frust über das Aus gegen Ulm im vierten Spiel der Playoff-Halbfinalserie.

Bei den Ulmer Basketballern fing schon kurz nach der Schlusssirene die Arie aus Gratulationen und Glückwünschen an, und sie war auch gestern Abend noch nicht beendet. Trainer Thorsten Leibenath hatte auch schnell das Motto ausgegeben, dass sich erst einmal alle im Tross der Korbjäger eine Nacht und einen Tag freuen sollten über diesen überraschenden Erfolg. Die harte Arbeit, also der konzentrierte Blick auf die Übermannschaft Bamberg, beginne am Donnerstag.  Dann aber mit extremer Power.  Andreas Oettel, der Finanzchef der Basketballer, sagte zu der aufkommenden Euphorie im Umfeld: „Die Freude bei allen Beteiligten über diesen Finaleinzug ist enorm und sogar noch größer als 2012, weil er umso überraschender kam.“

Einer der ersten Gratulanten war der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch. Er schrieb auf Facebook: „Herzlichen Glückwunsch aus dem Ulmer Rathaus. 100 mal ausverkauft und jetzt im Finale Super.“

Auch die Fußballer des SSV Ulm 1846, die gerade erst den Regionalliga-Aufstieg gefeiert hatten,  meldeten sich per Facebook: „Wir gratulieren ratiopharm ulm zum Einzug ins Finale der Beko Basketball Bundesliga! Klasse Leistung, Jungs! 2016 scheint sportlich ein sehr gutes Jahr für Ulm – Deine Stadt zu sein. So kann es weiter gehen.“

Ehemalige Spieler wie Will Clyburn oder Isaiah Swann  gratulierten ebenfalls. Ein spezieller Post ging Richtung Kapitän Per Günther, dessen Sportlerherz bekanntlich für den Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 schlägt. „#Schalke-Fan @GuntherPer steht mit @ratiopharmulm im Playoff-Finale der @BekoBBL. Glückwunsch, Per, und viel Erfolg im Finale.“ So twitterten die Knappen.

Und selbst der Gegner meldetet sich gestern noch einmal per Facebook: „Herzlichen Glückwunsch zum Finaleinzug! Das war eine sensationelle Halbfinalserie – wir sind ja der Meinung, dass sie ein fünftes Spiel verdient hätte ;-)“

Während die Hessen also durchaus noch etwas haderten und trauerten,  wurde einigen Ulmern irgendwann klar, wie eng das Spiel dann doch noch geworden war. Einen 20-Punkte-Vorsprung in einem Viertel  fast zu verspielen,  dazu gehört einiges. Der Amerikaner Chris Babb war dann derjenige, der mit einer klugen Aktion, als er einen Freiwurf ans Brett setzte, damit die Uhr nicht aufhört zu laufen, für große Erleichterung sorgte. Mit dem letzten Spielzug hätten den Hessen das Parkett sogar noch als Sieger verlassen können.  Der aber funktioniert nicht so wie angedacht.

„Das wäre sicherlich die bitterste Niederlage meines Lebens gewesen. Ich hätte sechs Monate nicht geschlafen“, jammerte Nationalspieler Per Günther nach dem entscheidenden 73:72: „Das war die richtige Mischung aus müde und scheiße.“ Das  war jedoch alles schnell vergessen und der nächste Gegner rückte mehr in den Vordergrund.

Die erste Partie findet am kommenden Sonntag bei den Oberfranken statt (15 Uhr). Wie schwer die Aufgabe werden wird, macht eine kleinen statistische Angabe deutlich: Bamberg hat in  den  vergangenen zwei Jahren in der BBL-Hauptrunde kein Heimspiel verloren. Ulm dagegen hat seine große Stärke in dieser  Playoff-Saison gerade daraus gezogen, in Oldenburg und in Frankfurt gleich das erste Spiel  zu gewinnen. „Frankfurt war gegen uns der klare Favorit, Oldenburg war der klare Favorit – aber wir haben beide Male die Überraschung geschafft. Bamberg ist der noch größere Favorit. Wir haben nichts zu verlieren“, meinte Ulms Trainer Leibenath.

Die Ulmer warten übirgens noch auf ihren ersten Sieg in einer Finalserie. 1998 (0:3 gegen Alba Berlin/damals noch als SSV Ulm) und 2012 (0:3 gegen Bamberg) setzte es jeweils glatte Niederlagen im Kampf um die Meisterschaft. Also: Ein Spiel zu gewinnen, das wäre doch schon was.

Kein Basketball im TV? Eine Frage der Rechte

Verspekuliert Viele Fans verstanden am Dienstag die Welt nicht mehr. Schön bequem gemacht auf dem Sofa, den Fernseher angeschaltet, Sport 1 gesucht – und nicht das gewünschte gefunden, nämlich das vierte Halbfinalspiel zwischen Ulm und Frankfurt. Warum ausgerechnet das nicht? Weil es schlicht nicht vorgesehen war vom Spartensender. Telekombasketball hat die Übertragungsrechte für die BBL, Sport 1 kauft quasi Spiele ab. In den Playoffs sind 14 Begegnungen bei Sport 1 geplant. Die bedeutende Partie am Dienstag stand nicht auf der Liste. In der Finalserie werden nur die zweite und die fünfte Partie bei Sport 1 übertragen. Fairerweise muss erwähnt werden, dass die Termine zu einem Zeitpunkt ausgewählt wurden, an dem nicht feststand, welche Klubs spielen.  

Ein Kommentar von Thomas Gotthardt: Das Beste zum Schluss

Die Saison in der Basketball-Bundesliga ist für die Ulmer gerettet. Der Einzug ins Playoff-Finale gegen Bamberg macht vieles wett, was die Spieler im Verlauf der Runde vor allem mit einer ganze Reihe von schwachen Heimspielen versaubeutelten.

Dass sich die Ratiopharm-Korbjäger in dieser Saison noch dermaßen steigern würden, war nicht vorhersehbar. Dass die Trennung von einem Spieler (Kane) dermaßen viel bewirken kann, war ebenfalls nicht zu prognostizieren. Dass die Ulmer das Verletzungspech vor allem zu Saisonende und in den Playoffs dermaßen gut wegstecken würden, ist schon fast ein Wunder. Mit einer Siebener-Rotation (plus Joschka Ferner) und diesem Spielrhythmus, wie ihn das Viertel- und Halbfinale vorsieht, ist eigentlich kein Blumentopf zu gewinnen. Da geht es in den Endspielen mit dem Sonntag-Mittwoch-Wechsel ja schon fast relaxt zu.

Was jetzt noch kommt in der Finalserie gegen die Übermannschaft aus Bamberg, ist nicht mehr und nicht weniger als ein Zubrot. Von den Ulmern erwartet die so genannte Fachwelt nicht mehr als ein vielleicht geordnetes Mitspielen, einige schöne Offensivaktionen, einen ordentlichen Auftritt in der zweiten Partie in Ulm. Das alles wird durch Statistiken hinreichend gedeckt.

Und doch bleibt das letzte Fünkchen Unberechenbarkeit im Sport. Es lässt sich weder mit Geld aus der Welt schaffen noch auf andere Art und Weise. Groß gegen Klein, Außenseiter gegen Spitzenreiter – es gibt in vielen Disziplinen Beispiele für den Glücksfaktor. Tatsächlich passiert es im Basketball etwas seltener, soll aber auch vorkommen. Und wenn Per Günther sagt, er habe keine Lust auf die Touristen-Rolle, dann ist klar zu erkennen, was die Ulmer wirklich wollen.

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Kommentare

02.06.2016 08:22 Uhr

Bildunterschrift

Ich bin mir relativ sicher, das Jaka Klubucar am Mittwoch nicht gespielt hat - obwohl Ihre Bildunterschrift (Bild 4) dies besagt. Dafür, dass die Saison nun zuende geht, schon etwas schwach, wenn die lokale Sportredaktion bis heute die Namen der Spieler nicht kennt.

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