Neuzugang bei Ratiopharm Ulm hat genug von Korruption im Sport

Zwei Jahre hat Jerrelle Benimon in China Basketball gespielt und dabei am eigenen Leib erfahren, wie Spiele manipuliert worden sind. Nun ist er bei Bundesligist Ratiopharm Ulm gelandet. Was für ihn als Fußball-Fan einen großen Vorteil hat.

|
Ratiopharm-Nachverpflichtung Jerrelle Benimon ist meistens dort zu finden, wo es zur Sache geht: Im Gewühl unter dem Korb.  Foto: 

Die Liste spricht für Thorsten Leibenath: Chris Babb, Ian Vougioukas, Brion Rush, Pierria Henry, Edgar Sosa, Deonte Burton, Casey Prather. Alles Spieler, die Ratiopharm Ulm in den vergangenen Jahren kurz vor oder nach dem Saisonstart geholt hat. Sie alle erwiesen sich als Verstärkung und trugen ihren Teil zum Erfolg der Basketballer bei. Wenn es also um Nachverpflichtungen geht, die über einen längeren Zeitraum aushelfen müssen, beweist der Ulmer Coach ein glückliches Händchen.

Mit Jerrelle Benimon haben die Ulmer wegen des Ausfalls von Tim Ohlbrecht abermals nach dem Saisonstart am Kader nachbessern müssen – und scheinen erneut den richtigen Riecher gehabt zu haben. Gerade einmal vier Spiele benötigte der 26-Jährige, um  Leibenath und Manager Thomas Stoll von sich zu überzeugen. Kein Problem für den Amerikaner, der von sich überzeugt ist. Bedenken, dass Ratiopharm Ulm den ursprünglich auf vier Wochen datierten Vertrag mit ihm nicht verlängert, hatte Benimon nicht: „Ich habe mir keine Sorgen gemacht. Ich weiß ja, wie talentiert ich bin.“

In der Hotel-Suite zuhause

Klare Worte – denen der Power Forward Taten folgen lässt. Gegen den Mitteldeutschen BC erzielte er 26 Punkte, holte sich neun Rebounds, legte vier Assists auf und verbuchte zudem noch einen Steal und einen Block. Dass ihm beim 93:76-Erfolg auch ein Ballverlust unterlief ist, ist angesichts dieser Ausbeute nur eine Schönheitsfehler. Die Werte aus dem MBC-Spiel belegen Benimons Vielseitigkeit. Was sich daran nicht ablesen lässt: sein Spielverständnis. Er fällt zumeist die richtige Entscheidung; spielt den Pass, wenn er angebracht ist und sucht selber den Weg zum Korb, wenn es Sinn macht.

Benimons bisherige Profi-Laufbahn ist eher ungewöhnlich. Nach der College-Zeit und den ersten Versuchen, es in der NBA zu schaffen, zog es ihn nicht wie die meisten Amerikaner nach Europa, sondern nach China. Das Angebot aus der dortigen Liga war so lukrativ, dass er sogar die Trainingscamps der NBA-Klubs verließ. „Kein Amerikaner spielt in China für weniger als eine halbe Million Dollar. Dazu kommen dann noch Bonus-Zahlungen für alles Mögliche.“ Und das für gerade einmal drei Monate – so lange dauert die Saison, wenn man mit seinem Team die Playoffs verpasst. Da lohnt es sich nicht einmal, eine Wohnung zu suchen. Also quartierten die Klubs Benimon in einer Hotel-Suite ein. „Ich habe es geliebt. Man muss einfach nie putzen“, erinnert sich der Ulmer Neuzugang lachend. Doch die Zeit in China war alles andere als perfekt: „Die Liga ist korrupt. Man merkt schnell, dass die Spiele gekauft sind.“ Vor allem an den Schiedsrichterleistungen wäre schnell zu erkennen, welches Teams gewinnen soll.

Fleming rät zur Verpflichtung

Zwischen seiner Zeit bei den Foshan Long-Lions und Qingdao DoubleStar spielte Benimon im Sommer 2016 bei den Brooklyn Nets vor. Doch der NBA-Klub entschied sich dafür, den ehemaligen Nummer-1-Draft-Pick Anthony Bennett zu verpflichten. Offensichtlich die falsche Entscheidung, denn der wurde nach 23 Spielen entlassen, da er die Erwartungen nicht erfüllt hat.

Benimon hatte hingegen einen guten Eindruck hinterlassen. So gut, dass der ehemalige Bundestrainer Chris Fleming, inzwischen Assistenz-Trainer bei den Nets, Leibenath zur Verpflichtung riet, als dieser bei ihm anrief und sich nach dem potenziellen Neuzugang erkundigte.

Für Benimon hat sich durch den Wechsel übrigens eine besondere Chance ergeben. Seit seiner College-Zeit ist er schon Fan des FC Bayern München. Da nun klar ist, dass er bis zum Saisonende in Ulm bleibt, will er unbedingt in der Münchner Allianz-Arena ein Fußball-Spiel live sehen. Es fehlt nur noch der passende Termin.

Die Chinese Basketball Association (CBA) ist die beste Liga in China (20 Klubs) und hat es in der vergangenen Jahren immer wieder geschafft, namhafte NBA-Stars mit viel Geld zu locken. Unter anderem spielten Stephon Marbury, Tracy McGrady oder J.R. Smith in der Volksrepublik. Die reguläre Saison wird zwischen Ende Oktober und Mitte Februar ausgespielt, die Playoffs ziehen sich bis Mai. Pro Team sind zwei ausländische Profis erlaubt, deren Einsatzminuten pro Partie limitiert sind. „Die Ausländer, die in China spielen sind richtig gut. Von denen wir aber auch erwartet, dass sie jedes Spiel zwischen 25 und 30 Punkte machen“, berichtet Jerrelle Benimon. Die einheimischen Spieler seien deutlich schlechter als europäische Spieler.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Ratiopharm Ulm

Ob Spielberichte oder Transfergerüchte - auf dieser Seite erfahren Sie alle Neuigkeiten rund um den Ulmer Basketball-Bundesligisten.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neubaustrecke: Risse im renovierten Haus

Bewohner am Michelsberg haben nach den Sprengungen und Bohrungen Schäden an ihren Häusern gemeldet. weiter lesen