Ismet Akpinar auf der Überholspur

Eigentlich hätte Ismet Akpinar nur für vier Tage zur deutschen Nationalmannschaft reisen solle. Doch es kam ganz anders für den Neuzugang der Ulmer Bundesliga-Basketballer.

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Der Ulmer Neuzugang Ismet Akpinar hat sich in der EM-Vorbereitung einen Platz im zwölfköpfigen Kader erkämpft.  Foto: 

Ismet Akpinars Aufstieg im Trikot der deutschen Nationalmannschaft verlief im Eiltempo. Eigentlich war der 22-Jährige lediglich zum viertägigen Auftaktlehrgang in Rotenburg an der Fulda eingeladen gewesen und sollte am 2. August zur A2-Nationalmannschaft stoßen, um sich mit dieser auf die Universiade vorzubereiten. Doch die Sommerpläne des Neuzugangs von Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm wurden kräftig durcheinandergewirbelt.

Mit seinen starken Leistungen erkämpfte sich Akpinar einen Platz im  zwölf Mann starken EM-Kader von Bundestrainer Chris Fleming. Am Donnerstag folgte der vorläufige Höhepunkt in der noch jungen Karriere des Aufbauspielers. Beim 75:63-Auftaktsieg der DBB-Auswahl  gegen die Ukraine wurde er 2:33 Minuten vor dem Ende des ersten Viertels für Dennis Schröder eingewechselt und kam zu seinem EM-Debüt. Bis zum Ende des Durchgangs kassierte Akpinar in seinem neunten Länderspiel allerdings zwei Fouls und verfolgte den Rest der Partie von der Bank aus.

Ohne Erwartungen angereist

Doch alleine der Umstand, dass keine vier Wochen zwischen dem ersten A-Länderspiel und seinem ersten Einsatz bei einem großen Turnier liegen, zeigt, wie kometenhaft der Aufstieg vonstatten ging. Für Ulms Trainer Thorsten Leibenath allerdings keine Überraschung: „Ich bin schon seit längerem von Ismets Qualitäten überzeugt und freue mich sehr für ihn, dass er sportlich dermaßen beeindruckt hat, dass sich sein Sommer-Fahrplan um 180 Grad gedreht hat.“ Dafür nimmt er gerne in Kauf, dass ihm der Neuzugang noch eine Weile fehlen wird.

Akpinar analysiert seinen Sommer auf der Überholspur recht nüchtern. eigentlich war er ohne große Erwartungen zum Team gereist: „Ich bin in den ersten Lehrgang mit dem Ziel reingegangen, bei der Nationalmannschaft mal reinzuschnuppern und zu sehen, wie es da so ist.“ An ein EM-Ticket hat er damals nicht gedacht. „Aber dann ging es für mich von Lehrgang zu Lehrgang und von Testspiel zu Testspiel weiter.“

Nominierung in der Kabine

Als er am vergangenen Sonntag auch bei der EM-Generalprobe gegen Frankreich im Team stand, war klar, dass es klappen könnte. Noch waren 13 Akteure im Kader, einer musste also noch gehen. Direkt nach der Partie betrat Bundestrainer Chris Fleming die Kabine und teilte dem Team mit, dass Bayreuths Bastian Doreth nicht mit nach Tel Aviv fliegen wird. „Die Überraschung war am Ende für mich dann nicht mehr ganz so groß – die Freude dafür aber umso mehr“, erinnert sich Akpinar, der trotz seines jungen Alters bereits einiges an Erfahrung aufzuweisen hat: 61 Bundesliga-Partien, 33 Einsätze im Eurocup sowie fünf in der Euroleague hat der beste deutsche Nachwuchsspieler U 22 der abgelaufenen Bundesliga-Saison für Alba Berlin absolviert.

Der Entschluss, nach vier Jahren die Hauptstadt zu verlassen und nach Ulm zu wechseln, fiel Akpinar zunächst nicht einfach. „Es ist ein großer Schritt in einer Karriere, bei einem neuen Klub zu unterschreiben. Doch nach dem ersten Gespräch mit Thorsten war ich vom Konzept der Ulmer überzeugt – dann fiel mir die Entscheidung leicht.“

Dass Akpinar bei der EM Erfahrung im Nationaltrikot sammeln kann, dürfte auch mit den Länderspielen im November zusammenhängen. Die NBA und die Euroleague haben angekündigt, dafür keine Spieler abzustellen. Dennis Schröder (Atlanta Hawks) und Maodo Lo (Brose Bamberg) werden also nicht zur Verfügung stehen. Gut möglich, dass Akpinar dann im Aufbau mehr Einsatzzeit bekommen wird und Verantwortung übernehmen muss. Es wäre der nächste Schritt einer Nationalmannschaftskarriere im Eiltempo.

Lange überlegen musste Thorsten Leibenath nicht, als er auf seinem Schreibtisch eine Einladung zu zwei Testspielen im italienischen Bormio sah. Als der Trainer der Ulmer Bundesliga-Basketballer die Namen der Gegner las, entschied er schnell, dass das Ratiopharm Ulm den viertägigen Trip in den Vorbereitungsplan einbauen wird. „Als ich gesehen habe, gegen wenn wir spielen, war klar, dass wir das gerne machen“, berichtet Leibenath.

Heute machen sich Per Günther und Co. nun also auf den Weg nach Italien. Morgen steht dort ein Spiel gegen den italienischen Euro­league-Teilnehmer Olimpia Mailand (20.30 Uhr) auf dem Plan, am Montagabend treffen die Ulmer dann auf Eurocup-Starter Galatasaray Istanbul (Türkei), bevor sie im Anschluss an die Partie wieder zurückfahren. Am Sonntag sind zudem Trainingseinheiten eingeplant, schließlich rückt der Saison­start mit der Heimpartie gegen Alba Berlin (30. September) immer näher. Wie bei den Ulmern, die auf Ismet Akpinar verzichten müssen, fehlen auch den beiden anderen Teams einige Akteure, die bei der EM im Einsatz sind. So muss Mailand gleich auf sechs Spieler verzichten, bei Galatasaray fehlt Goksenin Koksal. seb

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