Tim Ohlbrechts Comeback: Ein langer Weg zur alten Form

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Back in orange: Center Tim Ohlbrecht bereitet sich mit Ratiopharm Ulm auf die Saison vor.  Foto: 

Die Saisonvorbereitung gehört für Sportler zur unangenehmsten Zeit des Jahres. Unzählige Kraft- und Laufeinheiten stehen auf dem Programm, der Körper wird von Tag zu Tag und von Training zu Training müder, die Beine und Arme immer schwerer. Ein freier Tag, wie ihn die Ulmer Bundesliga-Basketballer gestern hatten, ist ein seltenes Gut und reicht kaum aus, um die leeren Energiereserven aufzufüllen. Am Anfang der Vorbereitung scheint der Saisonstart noch unendlich weit weg und plötzlich ist der Tag da, an dem es losgeht – und irgendwie kommt der immer zu früh.

Trotzdem kann sich Tim Ohlbrecht momentan nichts Schöneres vorstellen, als Tag für Tag mehrmals in der Halle zu stehen und sich mit den Teamkollegen vom Trainerstab um Coach Thorsten Leibenath quälen zu lassen. Für den 28-Jährigen ist am Samstag mit dem ersten Testspiel gegen Bayreuth einen lange Leidenszeit zu Ende gegangen. Auf den Tag genau acht Monate zuvor hat sich der Center von Ratio­pharm Ulm nach einem Zusammenstoß mit Bayerns Nihad Djedovic beim Weihnachts-Gastspiel in München am linken Knie verletzt. Die Diagnose war für den Spieler sowie das gesamte Team und die Ulmer Fans ein Schock. Die Saison war für den 2,11 Meter langen Ohlbrecht gelaufen. Zwar gab es immer wieder Gerüchte, der Leistungsträger könne in den Playoffs noch zurückkehren, doch daraus wurde nichts.

„Es war ’ne harte Zeit.“

Nach der langen Pause hat Ohl­brecht jetzt „super Bock“ auf die Vorbereitung. Voller Begeisterung spricht er von den ersten Einheiten: „Mir geht es klasse. Das Knie ist in Ordnung, das Training ist super, die Jungs sind super drauf.“ Als er im ersten Testspiel der Vorbereitung nach fünf Minuten für Luke Harangody eingewechselt wird, feiern ihn die 1500 anwesenden Fans in der Ratiopharm-Arena mit Sprechchören. Am Ende steht er bei der 83:84-Niederlage knapp zwölf Minuten auf dem Feld, erzielt sechs Punkte und holt sich fünf Rebounds. Trotzdem ist der junge Familienvater nur teilweise mit seinem Comeback zufrieden: „Klar war da viel Freude dabei – aber auch ein bisschen Frust, weil ich nicht mehr derjenige bin, der ich am 26. Dezember war.“

Vor seiner Verletzung lief es beim ehemaligen NBA-Profi richtig gut: Er leistete sich kaum Fehlwürfe und dominierte gemeinsam mit Raymar Morgan unter den Körben. Gegen Bayreuth war Ohlbrecht von dieser Topform meilenweit entfernt. „In der ersten Halbzeit habe ich wie ein kleiner Anfänger ausgesehen. Ich musste mich auf dem Spielfeld erst zurechtfinden. Die Instinkte, die man als Basketballer hat, die fehlen einfach nach so langer Zeit“, sagt der gebürtige Wuppertaler. Immerhin: „In der zweiten Halbzeit wurde es viel, viel besser.“

Daraus, dass die vergangenen Monate mit der Operation und der langen Reha-Zeit schwer waren, in der er zusehen musste, wie sein Team zunächst einen Bundesliga-Startrekord aufstellte, als Erster die Hauptrunde abschloss und dann im fünften Halbfinalspiel an Oldenburg scheiterte, macht er kein Geheimnis. „Es war ’ne harte Zeit, in der ich hier und da mal einen kleinen Hänger gehabt habe. Aber meine Frau, meine Familie und die Teammates waren immer für mich da.“

Für den Rückkehrer ist das Kapitel „Knieverletzung“ abgeschlossen, auch wenn eine Ban­dage noch daran erinnert. Ohl­brechts Blick geht nur noch nach vorne, das Ziel ist der 30. September, wenn Berlin zum ersten Saisonspiel in die Ratiopharm-Arena kommt. Bis dahin stehen noch zahlreiche Trainingseinheiten auf dem Plan – Tim Ohlbrecht freut sich auf jede Einzelne davon.

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