Die verflixt schönen vier Minuten der Ulmer Basketballer

Ratiopharm Ulm kommt immer besser in Fahrt. Der letztjährige Playoff-Halbfinalist gewann gegen die Basketball Löwen Braunschweig 88:77 (39:40) und feierte dank eines starken vierten Viertels den dritten Sieg in Serie.

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Der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath ist derzeit  immer wieder einmal hin- und hergerissen und scheint selbst leicht verunsichert, wenn es um die Beurteilung seiner Mannschaft geht. Auf der einen Seite entwickelt sich das Team eindeutig nicht in dem Tempo weiter, wie sich das der Coach und wohl auch Manager Thomas Stoll vorgestellt haben. Auf der anderen Seite ist nun auch wahrlich nicht jede Minute, die die Ratiopharm-Korbjäger auf dem Parkett stehen, von höchster Grausamkeit für die Zuschauer geprägt.

Positiv ist zum Beispiel die schlichte Tatsache, dass die Ulmer Basketballer nach dem 88:77-Heimsieg gegen die starken Löwen aus Braunschweig und dem miesen Saisonstart drei BBL-Erfolge in Serie feiern konnten. Es muss jetzt niemand von den Playoffs reden, aber es schadet auch nicht, wenn die Plätze für die Meisterrunde nicht ganz weit weg sind.

Positiv ist, dass es in der Offensive immer wieder erkennbare Systeme gibt, die gelaufen werden, auch wenn das längst nicht nicht in dem Umfang passiert wie gewünscht. Und dass das Engagement bei der Arbeit bisher nur selten zu wünschen übrig ließ, ist auch ein  positiver Faktor, obwohl das tatsächlich jeder zahlende Zuschauer, jeder zahlende  Fan grundsätzlich erwarten darf. Aber es gibt auch Gegenbeispiele.

Wie sich Per Günther & Co.  aber immer wieder selbst ein Bein stellen, gehört halt auch dazu. Mit welcher Leichtigkeit sich die Braunschweiger in der Offensive die Bälle zuspielen konnten, war phasenweise kaum zu glauben. 28 Assists sprechen Bände. Wie ungestört die Löwen  zum Teil  zum Wurf ansetzen konnten, ist ebenfalls ungewöhnlich.

Ulmer schnappen zu

Und dann doch: Da bot sich für die Gastgeber zu Beginn des letzten Viertels die Möglichkeit, die Partie, bis zu diesem Zeitpunkt eher ausgewogen, wenn nicht sogar mit einem leichten Plus für Braunschweig, zu ihren Gunsten zu drehen. Und die Ulmer schnappten konsequent zu. 64:64 hieß es nach 30 Minuten.

Der Schlussabschnitt begann schon unglücklich für die Niedersachsen, bei denen sich Center Scott Eatherton gleich zu Beginn einen Ballverlust durch einen Schrittfehler leistete. Ulms Da’Sean Butler traf danach aus der Distanz, Ratiopharm-Neuzugang Jerrelle Benimon dunkte zum 69:64. Bazoumana Kone verkürzte zum 67:69. Aber das Heimteam konterte mit einem 11:0-Lauf  – die Entscheidung rund sechs Minuten vor dem Ende. Braunschweig in dieser Phase mit erheblichen Problemen im Betriebsablauf. Hinten nichts verhindert, vorne nichts getroffen. „Das Momentum war plötzlich bei Ulms Seite“, jammerte Löwen-Coach Clauss.

Bleibt aus Ulmer Sicht nur die Hoffnung, dass der Knoten bald platzt. Vielleicht kann Neuzugang Jerrelle Benimon etwas zu mehr Stabilität vor allem in der Defensive beitragen. Ansatzweise hat das der Amerikaner  beim Eurocup-Debüt in Trento und in der Partie gegen Braunschweig angedeutet. Gegen die Niedersachsen jedoch  war Benimon das Wurfglück nicht gerade hold. Bei Telekomsport beklagte sich der 26-Jährige bitterlich: „Das war verrückt. Ich habe viele leichte Bälle verlegt, wirklich leichte, das passiert mir sonst nicht. Das war frustrierend“, meinte Benimon.

Die Wurfausbeute aus dem Zweierbereich (3 von 11) war Trainer Leibenath aber fast egal. „Ich bin sehr zufrieden mit seiner Leistung. Von außen bewertet man ja gerne die Leistung danach, ob jemand trifft oder nicht trifft. Für uns Trainer spielt aber zum Beispiel das Entscheidungsverhalten eine große Rolle. Er hat attackiert, wo ich wollte, dass er attackiert.  Er hat den richtigen Pass gespielt. Er war offensiv wie defensiv präsent. Er ist ganz klar eine Bereicherung für die Mannschaft“, führte Leibenath aus. Ob und wann der vierwöchige Tryout-Vertrag mit Benimon verlängert wird, wollte der Coach nicht sagen.

Wegen der Ausländerbeschränkung musste für Benimon ein Amerikaner weichen. Am Samstag traf es Toure Murry. Warum gerade Murry? Leibenath mag solche Fragen nicht, rang sich dann aber doch zu einer Antwort durch: „Ich werde jetzt nicht jedes Wochenende diese Entscheidung diskutieren und erläutern. Es war eine sehr schwere Entscheidung. Jeder hätte es verdient gehabt, auf dem Feld zu stehen, möglicherweise hätte es auch jeder verdient gehabt, nicht zu spielen. In diesem Fall war es Toure Murry. Mehr möchte ich dazu  jetzt nicht sagen.“

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