Die neue Ulmer Flexibilität

Der Manager der Ratiopharm-Basketballer, Thomas Stoll, erklärt, warum die angeschlagenen Spieler ein Risiko wert sind und setzt bei der Doppelbelastung durch den Eurocup auf die Ulmer Nachwuchskräfte.

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Manager Dr. Thomas Stoll  Foto: 

Es gab einen Umbruch im Team. Bis auf Per Günther und Joschka Ferner müssen sich die Fans zur neuen Saison an lauter neue Gesichter gewöhnen – war dies so geplant?

THOMAS STOLL: Es gab einige Spieler, die wir halten wollten. Zum Beispiel Will Clyburn, Tim Ohlbrecht oder Ian Vougioukas. Die hatten Angebote von uns, die sie nicht annehmen wollten. Wenn man dann suchen muss und ein Puzzleteil findet, dann kann es gut sein, dass das nicht mehr zum alten passt. Wenn wir dann einen Philipp Neumann angeboten bekommen, fällt das erste Dominosteinchen um. Und so fügt sich eins zum anderen. Geplant war das nicht.

Die Mannschaft der vergangenen Saison nannte Leibenath „beste Mannschaft“. Ausgehend von dem Potenzial der neuen Spieler, ist das jetzt eine noch bessere?

STOLL: Eigentlich kann man das nie vorher sagen. Die letzten zwei Jahre wurden Leute in die BBL gespült, die früher nicht bezahlbar waren. Diese Entwicklung liegt an der Stärke der Verbände hier und der Schwäche der Verbände in Osteuropa. Insofern wird die ganze Liga stärker, und jeder Verein muss einen Schritt nach vorne machen. Es bringt also nichts zu sagen, das beste Team zu besitzen, denn die Liga wird Jahr für Jahr stärker.

Raymar Morgan hat den Medizincheck bei Meister Bamberg nicht bestanden, drei weitere Spieler sind angeschlagen – geht Ratiopharm Ulm da bewusst ein Risiko ein?

STOLL: Klar, das haben wir immer schon so gemacht. Ein Swann, ein Sosa oder ein Esterkamp hatten alle Verletzungsvorgeschichten. Anders geht’s nicht, wenn du einen Porsche fahren willst und dir keinen Neuen leisten kannst, dann musst du einen Gebrauchten kaufen. Außerdem ist speziell bei ihm das Risiko übersichtlich. Morgan hat ein Jahr durchgespielt. Bei ihm war es dann eine Image-Geschichte. In Bamberg hat er einen hochdotierten Vertrag verpasst, wir haben ihn für viel weniger gekriegt. Direkt nach einer Verletzung kommt wirklich nur Carlon Brown nach Ulm – alle anderen wie etwa Da’Sean Butler hatten schon Spielpraxis über eine Saison.

Nachverpflichtungen sind also drin?

STOLL: Natürlich, das machen ja alle. Aber wir hoffen, nicht nachverpflichten zu müssen, weil einer nicht passt. Schön wäre es auch mal fürs Budget, nicht unter der Saison einkaufen zu müssen.

Machen Sie sich Sorgen um den angeschlagenen Per Günther?

STOLL: Er hat den Sommer durchtrainiert. Er sieht gut aus im Training. Ich bin mir sicher, der wird eine Hammersaison raushauen!

Wovon hängt es eigentlich ab, wenn ein Spieler einen Zwei-Jahres-Vertrag erhält? Planen Sie ernsthaft längerfristig mit einigen Spielern?

STOLL: Das ist ja immer so eine Geschichte. Auch Will Clyburn hatte einen Zwei-Jahres-Vertrag, aber wenn er nicht bei uns einschlägt, warten auf ihn woanders die großen Geldtöpfe. Aber dank dem guten Ruf, den wir uns erarbeitet haben, sehen viele Spieler Ulm nicht mehr als Durchgangsstation. So kriegen wir die Verträge über zwei Jahre auch durch.

Im Oktober geht es im zweitklassigen Eurocup los. Wie hoch sind die Erwartungen dieses Jahr?

STOLL: Es ist ein superkrasser Wettbewerb. Valencia ist eine Mannschaft, die Euroleague-Niveau hat, ich denke, wir sind da Außenseiter, wir wollen in die zweite Runde kommen. Der Eurocup ist das Zusatzgeschäft für uns, die BBL hat Vorrang. Gegen die spanischen Teams können die Fans sehen, wie weit wir von der europäischen Spitze entfernt sind.

Der Kader stemmt diese Doppelbelastung mit sieben englischen Wochen?

STOLL: Es ist vor allem für die jungen Spieler eine Gelegenheit, reinzuwachsen. Wir haben jetzt die Rotation gekürzt. Für diese Position sollen nun die Youngsters die Verantwortung übernehmen.

Das neue Team besteht nur aus Deutschen und Amerikanern – war es nur Zufall, dass kein Basketballer einer anderen Nation ins Team gefunden hat? Oder ein Eingeständnis, dass andere im alten Team nicht harmoniert haben?

STOLL: Menschlich hatten wir mit Jaka und Boris überhaupt keine Probleme. Dieses Jahr hatten wir auch wieder osteuropäische Spieler auf unserer Liste, aber es gab eben keinen, der unseren Vorstellungen entsprach – oder er war zu teuer. Vor allem bringen Amerikaner meist auch mehr Athletik mit.

Das heißt auch Flexibilität. Stehen Sie mit dem Trainer für diese moderne Interpretation der Positionen im Basketball, wo die Spieler mehrere Systeme drauf haben müssen?

STOLL: Ja, wir haben viele solcher Spieler, die mehrere Positionen spielen können. Schon letztes Jahr in den Playoffs hatten wir zum Beispiel in Will Clyburn einen, der auf die Vier gerückt ist. Und die beiden Center Tim und Ian haben zusammengespielt. Im Endeffekt muss der eigene Spieler auf seiner Position besser sein als der andere und gut im Team spielen. Natürlich erleichtert uns das bei Foulproblemen oder Verletzungen das Rotieren enorm. Auch wenn die Positionen verschwimmen, ist es aber aufwändig, mit den Spielern zu jedem System die Laufwege zu trainieren. Morgan bleibt für die Zone zuständig, auch wenn er nicht der Größte ist. Rubit ist neben der Fünf und Vier auch für die Drei gut, weil er ein technisch guter Spieler ist. Aber ob es Sinn macht, dass er Laufwege für drei unterschiedlichen Positionen einstudiert, muss man sehen.

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