Basketball: Angeblich schlechte Leistung der Schiedsrichter

Playoff-Zeit ist harte Zeit. Kaum ist die deutlich Niederlage in Frankfurt verdaut, wartet schon Spiel vier der Halbfinal-Serie auf die Ulmer Basketballer. <i>Mit einem Kommentar von Thomas Gotthardt: Auf eigene Stärke besinnen.</i>

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Playoff-Zeit ist auch die Zeit, in der Psychologie immer wichtiger wird. Spätestens, wenn sich zwei Mannschaften schon dreimal in der Meisterrunde gegenüber gestanden haben, in der Normalrunde waren auch es schon zwei Duelle, dann wissen alle Beteiligte, wie  der Gegner funktioniert. Da gibt es keine Überraschungen mehr. Die Trainer können nur noch nachjustieren, aber nicht mehr mit taktischen Veränderungen großartig Einfluss nehmen.

Also muss der Kontrahent mit anderen Mitteln bekämpft  und verunsichert werden. Die Verantwortlichen beider Klubs versuchen, zumindest indirekt auch auf die Schiedsrichter einzuwirken. Gordon Herbert hatte das schon nach dem zweiten Halbfinalspiel in der Neu-Ulmer Arena getan, als er meckerte, die Ulmer hätten deutlich zu häufig an die Freiwurflinie gedurft. Da schwante Leibenath schon, dass sein Kollege diese Erwähnung durchaus mit einer  gewissen Absicht an die nächsten Schiedsrichter verknüpft haben könnte. Aber das sei natürlich nur eine Vermutung, sagte der Coach.

Und dann das dritte Halbfinalspiel in Frankfurt am Samstag vor 5000 Zuschauern. Mit einem Sieg wären die Ulmer  ins Finale eingezogen. Es kam allerdings ganz anders. Zunächst die Gäste mit ihrem diesjährigen Playoff-Gesicht. Kein allzu schnelles Spiel, dafür aber sehr effektiv, mit guten Wurfmöglichkeiten und guten Abschlüssen. Per Günther gleich mal mit dem ersten Dreier, Butler gibt noch einen dazu. Alles klar in der Fraport-Arena – so schien es. Was sich schon andeutete: Die Ulmer Großen, wie Morgan, Butler und Rubit, kommen nicht  so zum Zuge. Gegen Ende der ersten zehn Minuten eine erste Schwächephase, aber Ulm geht mit einem 21:20 in die erste Viertelpause. Zu diesem Zeitpunkt hatte Mogan drei Fouls auf dem Konto, zumindest das zweite war höchst fragwürdig. Wenn es denn ein Fehlurteil war, dann eines, wie es zig mal an einem Wochenende vorkommt.

Auch der Start ins zweite Viertel war noch ordentlich. Henry ärgert den Frankfurter Theodore, der sich lässig an einem Korbleger versucht, Henry springt dazwischen, haut den Ball weg – 300 Ulmer Fans aus dem Häuschen. Plötzlich jedoch läuft irgendwie alles gegen die Ulmer. Ein Grund: Leibenath muss umstellen, weil Morgan wegen der Foulbelastung viel auf der Bank sitzt. Vielleicht war auch die eine oder andere Schiedsrichter-Entscheidung nicht nach dem Geschmack der Ulmer. Daran lag es aber nicht. Die Hessen düsen mit einem 14:0-Lauf weg und führen nach 20 Minuten 42:30.

Im dritten Viertel schießen die Hessen munter weiter, während die Ulmer, frustriert und müde, neben sich stehen und da auch stehen bleiben.  Die Stammkräfte werden geschont, auf beiden Seiten dürfen die Youngster ran. Dann ist irgendwann das Spiel aus, das 54:85 perfekt.

Dennoch: Letztendlich ist nichts passiert. Am morgigen Dienstag  können die Ratiopharm-Korbjäger in Spiel vier (19.30 Uhr/Arena) immer noch ins Finale einziehen. Und wenn das nicht funktioniert, gibt es am Donnerstag die dann allerdings letzte Chance – wieder in Frankfurt.

Leibenath bereitete schon kurz nach der Schlusssirene in Gordon-Herbert-Manier das morgige Spiel mit einem einzigen Satz psychologisch vor: „Es ist schwer, ein Spiel zu gewinnen, wenn man nur 14 Mal an die Freiwurflinie geht.“ Davon versenkten die Ulmer übrigens  nur sechs Würfe. Die Hessen durften 23 Mal an die Linie, trafen davon 17.

Manager Thomas Stoll hatte bereits in der Pause nach dem dritten Viertel die Lunte gelegt und die Interpretation vorgegeben für die drohende Niederlage. Er sagte bei Telekombasketball: „Ich warte darauf, dass jemand aufs Spielfeld läuft und `Versteckte Kamera` ruft.“ Was sich äußerst kryptisch anhört, war nichts anderes als hoch professionell codierte Schiedsrichterkritik, sodass die BBL keine Geldstrafe gegen Stoll aussprechen kann. Und der Manager fügte ohne einen Anflug von (Selbst)-Zweifel hinzu. „Über die Schiedsrichterleistung konnte sich jeder vor dem Fernseher selbst ein Bild machen. Am Dienstag werden wir die Serie beenden.“

Per Günther übrigens sah das alles deutlich realistischer. „Wir haben  Ende des zweiten Viertels die Konzentration verloren, was so nicht passieren soll. Bei den Fouls müssen wir smarter sein. Fouls, die wir vermeiden können, müssen wir vermeiden, weil wir Morgan und Rubit lange brauchen.“ Und die Ulmer können es ja.

Ein Kommentar von Thomas Gotthardt: Auf eigene Stärke besinnen

Die Ulmer Basketballer spielen eine starke Playoff-Serie, haben als Siebter der Hauptrunde mit Oldenburg bereits den Zweiten der normalen Saison rausgeschmissen. Gegen Frankfurt hat es immerhin schon zu zwei Siegen gereicht, aber gleich nach der ersten Pleite gegen die Hessen zeigen sich die Ulmer  hochgradig nervös und angefressen.

Anstatt einfach hinzunehmen, dass das ein gebrauchter Tag war für die Ratiopharm-Korbjäger (der erste übrigens in den diesjährigen Playoffs), vielleicht auch für  die Schiedsrichter, wird nun lamentiert und die Schuld bei den Referees gesucht. Das wird zumindest bei Manager Thomas Stoll mehr als deutlich. Der Satz mit der „Versteckten Kamera“ (siehe Text links) ist eine Respektlosigkeit dem Gegner gegenüber. Trainer Leibenath hat wenigstens noch eingeräumt, dass die eigene Leistung nicht gut war. Wenn eine Mannschaft mit einer Differenz von  31 Punkten verliert, dann sind die Ursachen in der Tat wohl woanders zu suchen als  nur bei den Schiedsrichtern.

Jetzt haben die Ulmer die nächste Möglichkeit für den großen Coup, den Einzug ins Finale. Dass die Hessen nach zwei Niederlagen  Gegenmaßnahmen ergreifen würden, dürfte ja nicht sonderlich überraschend gewesen sein.  Leibenath  muss nun kontern.

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