Bei Ratiopharm Ulm sitzt Enttäuschung tief nach Niederlage in Göttingen
Ein Augenblick hatte in Göttingen genügt, um die Emotionen beim Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm zum Überkochen zu bringen. Gestern war der Ärger verraucht, die Enttäuschung aber war geblieben.
Auch am Tag danach war der Frust noch groß bei den Bundesliga-Basketballern von Ratiopharm Ulm. Weniger wegen der 69:80-Niederlage bei der BG Göttingen, sondern mehr wegen des Showdowns, bei dem die Schiedsrichter die Hauptrolle gespielt hatten. Zur Erinnerung: Beim Stand von 69:69 wenige Sekunden vor Schluss hatte das Gespann der Unparteiischen nach einem Foul von Coleman Collins erst einen Korb für Jason Gregory Boone nicht gegeben, dann aber doch. Das wiederum brachte Trainer Mike Taylor sowie Spielmacher Per Günther auf die Palme und selbigen nach Unmutsäußerungen jeweils ein Technisches Foul ein. Als Taylor dann aber erst richtig in Fahrt kam, packten die Referees die Disqualifikation gleich noch oben drauf. "Ich bin zwar nicht mehr sauer, aber ziemlich enttäuscht. Ein so großartiges Spiel hatte dieses Ende nicht verdient", meint Taylor, der wohl von der Liga für das Derby am Samstag gegen ENBW Ludwigsburg gesperrt wird.
Auch bei Günther sind die aufgeheizten Gefühle wieder abgekühlt: "Ich denke, dass es in der Liga normal ist, dass es einen gewissen Heimvorteil gibt. Den haben wir in der Kuhberghalle auch schon in einigen Partien erlebt", meint der Nationalspieler, "dennoch ist es schade, wenn am Ende eines Spiels die Schiedsrichter so sehr im Mittelpunkt stehen. Es gibt das alte Sprichwort, dass die Mannschaften das Spiel entscheiden sollten. Das ist so leider nicht passiert."
Ungeachtet allen Frustes waren die Ulmer hoch erhobenen Hauptes heimgereist. Lee Humphrey scheint seine Ladehemmung beseitigt zu haben, war mit 20 Punkten erneut Ulmer Topscorer. Zudem bot Rocky Trice auch bei seinem Ex-Klub einmal mehr eine kämpferisch tadellose Leistung und sorgte für ein Raunen in der Lokhalle, als er die Ulmer Aufholjagd in der zweiten Halbzeit acht Sekunden vor Ende mit dem 69:69-Ausgleich abschloss.
"Wir haben viel Herz gezeigt, meine Jungs haben ein großes Spiel gemacht", meint Taylor - nicht zuletzt mit Blick auf das letzte Aufeinandertreffen vor elf Monaten an der Leine. Damals hatten seine Schützlinge sage und schreibe 31 Ballverluste, dieses Mal nur 13 und dabei gerade in der zweiten Hälfte die Göttinger Guards gut im Griff. Allein die Überlegenheit der Niedersachsen bei den Offensiv-Rebounds - 18 gegenüber elf - waren sozusagen der einzige Eindruck, der die Bilanz trübte.
Dennoch ist sich Günther sicher: "Mit der Leistung, die wir in Göttingen gezeigt haben, hätten wir zu Hause gewonnen. Was uns noch fehlt, ist die Klasse, auswärts ein enges Spiel für uns zu entscheiden." Schade sei, dass die Mannschaft am Samstag nun nicht mit einer kleinen Serie von drei Siegen in Folge ins Derby gehe. "So hätten wir nach oben nochmal angreifen können, das wird nun - sage ich - nicht unmöglich, aber schwierig." Wichtig sei indes, dass man den Fortschritt sehe, den die Mannschaft in den vergangenen Wochen gemacht hat, "das ist kein Vergleich mehr zu der Leistung, die wir noch zu Saisonbeginn abgeliefert hatten."
Stichwort Robin Benzing: Der nach Günther zweite deutsche Nationalspieler in Ulmer Diensten musste in Göttingen komplett passen, sein Bänderriss am Knöchel macht ihm weiter zu schaffen. Wie lange er ausfällt, bleibt nach wie vor offen. "Ich werde da kein Risiko eingehen", betont der 21-Jährige, zumal sich die Ulmer ihrer Abstiegssorgen inzwischen entledigt haben. Was in der Mannschaft auf volles Verständnis stößt. "Wir wissen, wie wichtig Robin für uns ist und hoffen natürlich, dass er bald zurück ist", sagt Günther, "aber er soll nichts erzwingen, auskurieren, es kommen noch genug Spiele." Nicht zuletzt im Sommer bei der Weltmeisterschaft in der Türkei (28. August bis 12. September). Was es heißt, auf ein internationales Großereignis wegen einer Verletzung verzichten zu müssen, hatte Günther im vergangenen Jahr selbst erfahren, als ihn direkt vor der EM ein Mittelfußbruch schachmatt gesetzt hatte. eis
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08.03.2010
Coleman Collins (Nummer 12) und Jason Boone (21) hatten den aufgeheizten Showdown eingeläutet. Foto: Thilo Hensel
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