Zurück auf dem Parkett

Die Fans sind heiß auf die Ulmer Bundesliga-Basketballer: 400 Zuschauer kamen gestern zum öffentlichen Training. Coach Mike Taylor genoss den Auftritt, musste in anderer Sache aber Frust loswerden.

Einen "perfekten Tag" - so umriss Mike Taylor, Trainer der Ulmer Bundesliga-Basketballer, das öffentliche Training gestern in der Kuhberghalle - kein Wunder, schließlich feierte der sein 38. Wiegenfest. Ein Geburtstagsständchen aus 400 Kehlen ließen den US-Boy denn auch übers ganze Gesicht strahlen.

Nach Teamvorstellung, Zuschauerchor und Tortenübergabe gings für seine Schützlinge dann an die Arbeit - zuerst mit diversen Übungen auf dem Parkett, danach noch mit einem Trainingsspielchen. Er sei schon recht zufrieden mit seinem Team, befand Taylor, gerade seine großen Jungs - die beiden Neuen, Sean Sonderleiter und John Bryant, sowie Michael Wenzl - hätten sich in der ersten Woche beeindruckend gezeigt. "Die Einstellung der Mannschaft stimmt", konstatierte der Coach, der sich jedoch noch nicht auf eine Hierarchie, sprich: Starter und Bankspieler, festlegen will: "Das wird sich erst weisen, wenn Robin Benzing und Per Günther von der WM zurück sind." Den Ernstfall proben die Ulmer aber schon erstmals am Mittwoch, da sind sie zu Gast beim Pro-A-Ligisten Crailsheim Merlins (20 Uhr).

Stichwort Benzing: Der schaffte gestern mit der DBB-Auswahl einen nie erwarteten 82:81-Erfolg gegen Serbien und kam in der Partie, die gleich über zwei Verlängerungen ging, auf drei Punkte. Günther als dritter Spielmacher wurde nicht eingesetzt. Ungeachtet dessen war Taylor mächtig sauer auf Sport 1-Kommentator Frank Buschmann, der Benzing auf der Internet-Plattform "Spox" einen Wechsel zu einem Spitzenklub nahegelegt hat, da in Ulm vor allem seine körperliche Entwicklung stagniere (siehe auch nebenstehendes Interview).

"Ich weiß nicht genau, was er den ganzen Tag macht, Hanteln schaut er sich maximal nur aus der Entfernung an", äußerte sich Buschmann auf Spox: "Ich will den Ulmern nicht zu nahe treten, aber abends in der Sporthalle rumdaddeln und sonst nur zugucken, wie die Sonne auf- und untergeht, reicht nicht für europäische Spitzenklasse."

Taylors Reaktion: "Ich gestehe jedem seine Meinung zu. Aber manche Leute müssen erst erzogen werden, bevor sie etwas sagen", meinte der Coach, "Buschmann hat da etwas weitergegeben, das er nur aus zweiter Hand hat. Er hat noch nie mit eigenen Augen gesehen, wie hart Rob in Ulm arbeitet, welche Fortschritte er macht. Ich bin stolz auf Robin, solche Kritik wird ihn nur noch mehr anspornen." Er persönlich sei gern bereit, auf Kritik zu hören, meinte Taylor, "aber ich höre nur auf jemanden, der weiß, von was er spricht".


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Autor: JOCHEN WEIS | 30.08.2010

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