Viel gekurbelt für den Traum vom New-York-Marathon

Jörg Schneider hat einen Flugzeugabsturz überlebt und sitzt seitdem im Rollstuhl. Seine Freude am Sport hat er nie verloren. Mit dem "Handbike" hat der 36-jährige Ulmer jetzt den New-York-Marathon absolviert.

Es war ein Flugzeugunglück, das die Region tief betroffen gemacht und schockiert hat. Vier Menschen, darunter bekannte Geschäftsleute, starben vor acht Jahren beim Absturz des Businessjets in der Nähe von Augsburg. Jörg Schneider hat als einziger überlebt - mit einem gebrochenem Rückgrat. Während er im Koma lag, schrieben die Ärzte ihren Patienten schon ab: "Mit dem baldigen Ableben ist zu rechnen", so die Prognose. Nach vier Wochen wachte Schneider aus dem künstlichen Tiefschlaf auf, kam schließlich zur Reha, blieb aber vom zwölften Brustwirbel abwärts gelähmt.

"Ich sitze zwar im Rollstuhl, kann aber eigentlich alles machen, was ich vorher auch konnte. Es dauert nur etwas länger", sagt Schneider heute. Um seinen Körper fit zu halten, begann der 1,98-Meter-Hühne Rollstuhl-Basketball zu spielen. Basketball hatte er schon vor dem Unglück geliebt. Er zog sogar für ein Jahr nach Australien: Seine Frau Sabine arbeitet, er studiert und spielt Rolli-Basketball bei den "Brisbane Spinning Bullets" in der höchsten Liga Australiens.

Vor drei Jahren kam er wieder heim nach Ulm und begann bald bei einer Software-Firma in Ludwigsburg zu arbeiten. Dem Sport ist er auch treu geblieben. Zwar spielt er mittlerweile nicht mehr Basketball, fährt aber Fahrrad mit einem speziellen "Handbike". "Man muss seinen Körper fit halten", sagt Schneider, der imposant breite Schultern hat. Der 36-Jährige fährt nicht nur zum Spaß mal hin und wieder mit seinem Handbike: Drei bis vier Mal pro Woche setzt er sich aufs Rad und legt 25 bis 50 Kilometer zurück. Außerdem nimmt er an Wettbewerben teil. Bei vielen Marathons gibt es mittlerweile eigene Rennen für behinderte Sportler. Außer bei verschiedenen Stadt-Marathons mitzufahren, wollte Schneider aber "schon immer mal etwas Großes machen". So flog er Ende Oktober mit seiner Frau nach New York, um beim wohl bedeutendsten Marathon der Welt zu starten.

Am Morgen des 1. Novembers trafen sich die behinderten Sportler um vier Uhr in Manhattan, dann ging es weiter zu den Transfer-Bussen. Um 7.45 Uhr setzte sich Schneider in sein Rad und rollte zum Start. Im Vergleich zu den Läufern, die sich unterwegs mit Getränken versorgen, muss Schneider sein Trinken in einer Trinkblase mit Schlauch dabei haben. Er kann die Hände schließlich nicht von der Kurbel nehmen.

Um 8.45 Uhr ging es los, ab da zählte nur noch "Vollgas". Unter den mehr als 100 Handbikern, die am 1. November an der Verrazano-Brücke starteten, war Schneider der einzige Deutsche. In die Wertung gingen 64 Sportler ein, der Ulmer belegte dabei in 1:46:07 Stunden den achten Platz. "Ich bin schon mal schneller unterwegs gewesen", sagt er, doch die Straßenbedingungen in New York seien nicht optimal gewesen. Seine beste Zeit fuhr Schneider beim Heidelberger Marathon, als er nach 1:23:19 Stunden über die Ziellinie kam. Der Weltrekord liegt bei 1:02:50.

Auch im kommenden Jahr will der 36-Jährige bei Marathons antreten und die 1:20-Stunden-Marke knacken: "Ich möchte anderen Mut machen. Das Leben ist nicht vorbei, bloß weil man im Rollstuhl sitzt."


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Autor: LUKAS DIETZEL | 26.11.2009

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