Pause kommt für die Ulmer Basketballer wie gerufen

Nach dem schwer erkämpften Sieg in Göttingen stellte Ratiopharm-Trainer Thorsten Leibenath fest: "Wir kriechen auf dem Zahnfleisch." Deshalb dürfen sich die Ulmer Basketballer in den nächsten Tagen ausruhen.

Das Entsetzen bei den 2300 Zuschauern in der Sparkassen-Arena war greifbar. Dann entlud sich die Enttäuschung in einem Pfeifkonzert. Die Wut richtete sich jedoch nicht gegen die eigene Mannschaft, die BG Göttingen, auch nicht gegen die Ulmer Bundesliga-Basketballer. Zielscheibe war das Schiedsrichter-Trio, dem das Publikum die 65:68-Niederlage des Gastgebers anlastete - und es sich damit zweifelsohne zu einfach machte.

Nein, Steffen Neubecker, Jürgen Unger und Johannes Hack waren nicht Schuld daran, dass die BG Göttingen das Geschenk der Ulmer in Form eines Sieges zum Rückrunden-Start nicht annehmen wollte/konnte. Die Niedersachsen, vor eineinhalb Jahren noch Gewinner der Euro-Challenge und zuletzt zweimal in Folge für die Play-offs qualifiziert, stehen auf dem letzten Tabellenplatz. Und sie stehen da nicht ganz zufällig.

Genauso wenig Zufall ist es, dass die Ratiopharm-Korbjäger nach dem achten Auswärtssieg im elften Spiel in fremder Halle und dem insgesamt 15. Saisonerfolg weit oben stehen. Auch wenn mit dem Heimspiel gegen Bayreuth und dem Auswärtsspiel in Gießen noch zwei Partien ausstehen, läuft gerade alles darauf hinaus, dass das Heimspiel gegen den Tabellenführer Bamberg am 11. Februar zu einem absoluten Knaller und zu einem Kampf um Platz eins werden kann.

Bis dahin werden sich die Ulmer Korbjäger wohl auch wieder etwas erholt haben. Für Ratiopharm-Coach Thorsten Leibenath hatte die mäßige Leistung in Norddeutschland auch etwas damit zu tun, dass seine Mannschaft mental, aber auch körperlich müde ist. "Wir kriechen auf dem Zahnfleisch", stellte der Trainer nach den harten 40 Minuten fest, bevor er seine Mannschaft in einen Kurzurlaub schickte. Erst am kommenden Samstag findet wieder Training statt. Die, die eine Rolle beim Allstar-Spektakel spielen, fahren nach Ludwigsburg. Dort wird auch ausgelost, gegen wen die Ulmer in der Pokal-Qualifikation am 8. Februar antreten müssen. Am 28. Januar geht es mit dem Heimspiel gegen den jüngsten Berlin-Bezwinger Bayreuth weiter.

In der Partie in Göttingen war schon nach wenigen Minuten klar, dass das kein Spaziergang werden würde. Den hatten allerdings auch nur wenige erwartet. Die Niedersachsen kämpften bis zum Schluss mit großer Hingabe um den dritten Saisonsieg, in den letzten Sekunden sogar mit einer gewissen Portion Schlitzohrigkeit. Nachdem gegen Ende der Partie rund vier Minuten kein Ball durch den Ring gefallen war, weil sich beide Teams einen Wettstreit im Auslassen einfachster Korbleger lieferten, spitzte sich die Lage in den letzten acht Sekunden zu. Jerel Allen hatte mit einem wenig ausbalancierten "Dreier" das 65:66 erzielt.

Anschließend wurde der Ulmer Spielmacher Per Günther gefoult und musste an die Linie. Die Disziplin des Freiwurfs war an diesem Abend die einzige, in der die Ulmer gewohnt gute Leistungen boten. Günther traf Freiwurf Nummer 16 und 17 (von insgesamt 20 Versuchen/85 Prozent) zum 68:65.

Noch vier Sekunden zu spielen. Kyle Bailey, der Göttinger Spielmacher und Ex-Ulmer, bringt den Ball nach vorne und wird von Isaiah Swann, der sich mit bösen Magenproblemen durchgebissen hat, gefoult. Bailey hat es zwei Sekunden vor der Schlusssirene in der Hand, mit zwei Freiwürfen drei Punkte für die Verlängerung oder vier für den Sieg zu erzielen. Kein Ding der Unmöglichkeit. Der Amerikaner aber scheitert mit dem ersten Freiwurf. Den zweiten hämmert er ans Brett, holt sich den eigenen Rebound - und trifft den Notdreier nicht.

Für Thorsten Leibenath war die hohe Trefferquote von der Linie ein entscheidender Faktor für den Erfolg, der zweite: "Der Sieg ist aus der Verteidigung im zweiten, dritten und vierten Viertel entstanden." Was die Statistik belegt. Nach 26 Punkten in den ersten zehn Minuten ließen die Ulmer danach nur noch 13, 12 und 14 Punkte zu. "Unser Ziel war es, den Gegner unter 70 Punkten zu halten. Das ist uns gelungen. Auch mit unserer Offensive war ich grundsätzlich zufrieden. Nur ist halt nichts reingefallen, egal von wo wir geworfen haben", benannt Leibenath das Grundübel in Göttingen. "Früher", merkte Manager Thomas Stoll an, "haben wir an solchen Tage, an denen nichts fällt, mit 30 Punkten verloren. Heute beißen wir uns durch und gewinnen. Das ist auch eine Qualität."


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Autor: THOMAS GOTTHARDT | 16.01.2012

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