John Bryant revanchiert sich

"National" gegen "International", Ulm gegen Ulm - jetzt müssen sich Per Günther und John Bryant schnell wieder vertragen. Schließlich kommt am kommenden Samstag Bayreuth in die Ratiopharm-Arena.

Das Allstar-Spiel der Basketball-Bundesliga hat mittlerweile eine 25-jährige Tradition. 1987 fand es zum ersten Mal statt - in der Rundsporthalle Ludwigsburg. Damals und in den darauf folgenden sieben Jahren hieß es "Nord" gegen "Süd". Dann folgten drei Duelle einer nationalen Auswahl gegen eine internationale, die die Deutschen allesamt verloren. Von 1999 an wurde wieder auf den Nord-Süd-Modus umgeschaltet. Am vergangenen Wochenende kehrte das Spektakel in die Barockstadt zurück. Und es hieß mal wieder: "Team National" gegen "Team International".

Steven Key, der aktuelle Ludwigsburger Bundesliga-Trainer, stand 1998 in der internationalen Auswahl und kann sich noch daran erinnern, wie gut das damals angenommen wurde und wie viel Leidenschaft im Spiel war. Vor allem das Gefrotzel unter Teamkollegen, die beim Allstar-Spiel gegeneinander antreten mussten, hat Key noch im Gedächtnis: "Da ging es in der Kabine hoch her, wenn wieder Training war."

An diesen seelischen Grausamkeiten hat sich nichts geändert, wie die beiden Ulmer Per Günther und John Bryant vortrefflich demonstrierten. Beide hatten bereits im Vorfeld ordentlich Werbung für das Allstar-Spiel mit einigen Videoclips gemacht, in denen sie sich auf die Schippe genommen hatten - mit dem etwas besseren - verbalen - Ende für den Spielmacher.

Auf dem Parkett ging es dann in die andere Richtung. Der Höhepunkt: Als Günther kurz vor Schluss an die Freiwurflinie ging, flüsterte John Bryant seinem Mitspieler etwas ins Ohr. Günther verwarf den ersten, Bryant klatschte in die Hände, den zweiten traf der Pointguard. Bereits in der ersten Halbzeit ärgerten sie sich gegenseitig: Günther punktete über den Center hinweg, was bei einer Größendifferenz von 27 Zentimetern auch nicht so einfach ist, Bryant revanchierte sich mit einem "Dreier", den er über Günthers Kopf abfeuerte. Und dann gewann Bryant ("ein fantastischer Abend") mit dem "Team International" mit 89:84 und wurde von den Fans zum wertvollsten Spieler des Allstar-Games gewählt.

Günther (21 Minuten/7 Punkte) nahm sich nach der Partie Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl zum Vorbild und berief sich auf einen "Blackout". Er könne sich nicht mehr daran erinnern, was Bryant (25 Minuten/23 Punkte) ihm gesagt habe: "Das ist jetzt auch egal, er mag mich bestimmt immer noch." Der Center gab sich generös und ließ Günther wissen, dass er ihm gerne etwas Zeit lassen würde, die Niederlage zu verdauen.

Einig waren sich alle Beteiligte, dass das Format "National" gegen "International" das richtige sei. "Natürlich wollten wir beweisen, das wir Deutsche mithalten können", sagte Günther. Isaiah Swann (21/6) schilderte die Stimmung im quasi US-Team, als der Gegner in den ersten Minuten absolut dominant agierte. "Wie haben in der Auszeit schon über Stolz geredet und sind ja dann auch besser ins Spiel gekommen", erzählte Swann, für den aber etwas ganz anderes wichtig war: "Uns Amerikanern wird ja immer unterstellt, wir würden keinen Teambasketball spielen können. Jetzt haben wir aber gezeigt, dass wir das auch können. Außerdem sind wir wohl etwas athletischer als die Deutschen. Am Ende hat man das bei den vielen Dunks auch gesehen." Im Dunking-Wettbewerb, an dem Swann kurzfristig teilgenommen hatte, belegte der 26-Jährige den dritten Platz. Keaton Nankivil hatte zuvor mit mäßigem Erfolg an der Dreipunkte-Meisterschaft teilgenommen.

Aus Ulmer Sicht gab es noch einen weiteren Höhepunkt mit der Pokalauslosung. In der Qualifikation zum "Top Four" muss die Mannschaft von Trainer Thorsten Leibenath am 8. Februar (20 Uhr/Ratiopharm-Arena) gegen die Baskets aus Oldenburg antreten. Der Sieger der Partie fährt zur Endrunde am 24./25. März nach Bonn. Der Vorverkauf für die Partie gegen die Niedersachsen beginnt am morgigen Dienstag. Für Dauerkarteninhaber gibt es ein Vorkaufsoptionsrecht bis zum kommenden Sonntag um Mitternacht. "Ich hoffe, dass es wieder ordentlich voll werden wird, schließlich geht es ja um etwas", sagte der Ulmer Finanzboss Andreas Oettel.


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Autor: THOMAS GOTTHARDT | 23.01.2012

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