Eurocup: Ulm lässt Istanbul keine Chance
Ratiopharm Ulm hat in der Top-16-Runde des Eurocups einen eindrucksvollen Heimsieg gefeiert. Gegen Galatasaray Istanbul stand es am Mittwochabend am Ende 91:70.
Autor: THOMAS GOTTHARDT |Zu Beginn dieser Eurocup-Saison schien der Weg in die Zwischenrunde, in die Runde der letzten 16 Mannschaften in diesem zweitwichtigsten europäischen Wettbewerb, für die Ulmer Bundesliga-Basketballer unerreichbar. Geschafft haben sie es trotzdem.
Nach dem 91:70 (39:33)-Erfolg gegen Galatasaray Istanbul am Mittwochabend konnte Ratiopharm-Coach Thorsten Leibenath voller Stolz verkünden: „Unser Traum vom Erreichen des Viertelfinales geht weiter.“ Der Weg zum Endspiel in Charleroi (Belgien) ist zwar immer noch unglaublich weit und nur mit einer Folge von faustdicken Überraschungen zu erreichen. Aber dass der Vizemeister zu solchen Überraschungen in der Lage ist, hat er wieder einmal unter Beweis gestellt.
Ratiopharm Ulm hat den 15-fachen türkischen Meister nicht nur besiegt, sondern so stark dominiert, dass sogar der direkte Vergleich gewonnen wurde – unglaublich. Die Ulmer hatten am Bosporus mit 66:82 verloren. Der direkte Vergleich ist bei Punktgleichheit wichtig. In der Gruppe L haben nach dem gestrigen Spieltag alle vier Teams zwei Niederlagen und zwei Siege auf dem Konto. „Das wird ein lustiges Spiel in Belgrad“, wagte Leibenath einen Ausblick auf die Partie bei den Serben am 13. Februar.
Die Stimmung in der mit 6000 Zuschauern ausverkauften Arena war genauso wie erwartet. Rund 1000 türkische Fans und die vielen Ulmer Anhänger machten die Partie zu einer akustischen Party. Einige Minuten nach der Schlusssirene war es kurz vorbei mit dem Frieden. Einige türkische Fans hatten mit Besiktas-Schals versucht, ihre Galatasaray-Rivalen zu provozieren. Die Polizei machte dem Treiben mit Kommunikation und Pfefferspray ein Ende.
Davor waren es die Ulmer Korbjäger, die über weite Strecken der 40 Minuten den Takt auf dem Parkett vorgaben. Von der ersten Sekunde an sprühte das Team vor Siegeswillen, vor Einsatzbereitschaft und spielerischer Freude. Dem hatten die Gäste im letzten Viertel nichts mehr entgegenzusetzen. „Wir haben am Schluss die Disziplin verloren“, musste Galatasaray-Coach Ergin Ataman zugeben.
Die Ulmer, mit Philipp Schwethelm für Allan Ray in der Anfangsformation, legten einen Start hin, der die Gäste kurzfristig nervös machte. Nach rund vier Minuten führten die Gastgeber mit 12:2 – Zeit für eine Auszeit der Istanbuler. Die jedoch hatte nicht die erhoffte Wirkung. Ulm weiter mit Tempobasketball, Galatasaray nicht mit den Qualitäten wie noch vor einer Woche in eigener Halle.
Letztendlich sollte das bis zum Ende auch so bleiben. Ulm verlor weniger den Ball, war bei den Rebounds deutlich stärker als im ersten Spiel. Dieses Mal gaben die Ulmer auch den Zweipunktbereich nicht so schnell verloren. Gerade im ersten Viertel ging viel über John Bryant, der auch hochprozentig traf. Zwei andere Dinge funktionierten ebenfalls deutlich besser: Waren in der vergangenen Woche die türkischen Körbe noch fast wie vernagelt, fielen gestern die Bälle mit tollen Quoten durch die Reuse. Bei den Türken war es genau anders herum. Deren Quoten aus der Nah- und Mitteldistanz waren deutlich schlechter.
Nach einer 39:33-Halbzeitführung verlief das dritte Viertel zunächst alles andere als gut. Galatasaray, mit einem erneut auftrumpfenden Carlos Arroyo, konnte schnell zum 39:39 ausgleichen. In dieser Phase war es Philipp Schwethelm, der mit wichtigen Punkten erneut für die Führung sorgte. Mit einem 56:53 gingen die Ulmer ins letzte Viertel. Das war dann das von Sebastian Betz, der einen großen Anteil daran hatte, dass Ulm punktete und der Gegner einfach keine freien Würfe mehr bekam. So wurde der direkte Vergleich immer wahrscheinlicher und am Schluss sogar zur Realität – in einem denkwürdigen Spiel. „Es war der renommierteste Gegner, den wir geschlagen haben“, freute sich Leibenath.






