Den Blick stets nach vorn

Die Ulmer Robin Benzing und Per Günther schlagen sich wacker in der Basketball-Nationalmannschaft. Rückschläge schrecken beide nicht - persönliche ebensowenig wie die Pleite gestern gegen Australien.

Die deutsche Nationalmannschaft ist gut in die Weltmeisterschaft in der Türkei gestartet. Dass es nach dem Kraftakt gegen Serbien vom Sonntag im Spiel gestern eine herbe 43:78-Schlappe gegen Australien gab, mindert nicht die Chancen auf das Achtelfinale. "Mit unseren Leistungen haben wir es uns verdient zu sagen: Angola und Jordanien schlagen wir auf jeden Fall", meint der Ulmer Per Günther vor den letzten beiden Gruppenspielen. "Mund abwischen und weiter", sagt Teamkollege Robin Benzing.

Dass Benzing ausgerechnet bei der Klatsche gegen die Australier mit elf Punkten "sein bislang bestes Spiel gemacht hat", wie Bundestrainer Dirk Bauermann befand, passt zum merkwürdigen Turnierstart des Flügelspielers. Die WM begann für ihn mit einem Weckruf. "Er muss verstehen, dass er härter an seinen Defiziten arbeiten muss als Spieler, die vielleicht weniger Talent haben", sagte Bauermann vor dem Auftaktspiel gegen Argentinien.

Zu unkonstant waren Benzings Leistungen in der Vorbereitung. "Robin ist wie Per Günther in Ulm auf jedem Foto. Da muss man junge Spieler schon daran erinnern, dass sie hungrig bleiben müssen", fand Bauermann. "Es gab es Höhen und Tiefen bei mir", räumt Benzing selbstkritisch ein, "aber dafür ist eine Vorbereitung da. Ich muss diese Sachen jetzt vergessen und in das Turnier hineinfinden."

Das gelang dem 21-Jährigen zunächst kaum. Zwar stand er in allen spielen in der Startformation. Aber gegen Argentinien spielte er sichtlich gehemmt, und gegen die Serben fanden seine Würfe einfach nicht das Ziel. "Manchmal fallen die Dinger halt nicht. Das passiert halt", sagt Benzing. Als seine Dreipunktewürfe gegen Australien endlich wieder saßen, war das Spiel längst verloren. Um sich bei Bundestrainer Bauermann für mehr Minuten zu empfehlen, versuchte sich der Hesse in den ersten drei Spielen vor allem in der Verteidigung ins Zeug zu hängen, wo er vom schnellen Argentinier Carlos Delfino bis zum robusten Serben Novica Velickovic alles verteidigen musste. Das eine oder andere Mal zahlte er Lehrgeld, was auf diesem Niveau allerdings unvermeidlich ist.

Bauermann hat inzwischen gesehen, dass seine mediale Schelte am Ulmer Flügelspieler zu viel des Guten war. Auf kritische Fragen zu Benzing reagiert man inzwischen bei der Delegation des DBB sehr empfindlich. Benzing will die ganze Diskussion nicht an sich herankommen lassen. Die passende Antwort wolle er auf dem Spielfeld geben.

Auf Per Günther lasteten dagegen weniger Erwartungen als auf seinem Teamkollegen. "Ich bin als zwölfter Mann dabei. Wenn Steffen Hamann und Heiko Schaffartzik eine Pause brauchen, bin ich da", sagt Günther. Gleich zum Auftakt gegen Argentinien zählte der Bundestrainer auf Günthers schnelle Beine. "Per soll Pablo Prigioni müde machen", kündigte Bauermann an. Der 33-jährige Argentinier ist ein Spielmacher der Weltklasse, doch gegen die deutsche Deckung fiel ihm wenig ein - auch dank Günther, der in seinen ersten Minuten bei einem internationalen Turnier wie eine Klette am südamerikanischen Altmeister hing.

Das Duell gegen den Profi von Real Madrid gefiel Günther, trotz des unglücklichen Ausgangs für die deutsche Mannschaft "Es ist das Größte, gegen die Besten der Welt zu spielen", schwärmt er: "Leider geht das so schnell. Du bist zwei Minuten auf dem Feld und dann wieder runter. Man hat keine Zeit, das auszukosten." Gegen Serbien kam Günter gar nicht zum Einsatz. Gegen Australien durfte er wieder für fünf Minuten ran. Nicht viel Zeit auf dem Parkett der Kadir-Has-Arena in Kayseri. "Aber das habe ich vor dem Turnier gewusst", sagt Günther.


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Autor: JENS MÖLLER | 31.08.2010

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