Chris Harris ist in Bremerhaven vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen

Im Sommer 2014 ging Chris Harris von Ulm aus nach Bremerhaven, um dort als Co-Trainer zu arbeiten. Am Samstag kehrt der 36-Jährige als Cheftrainer der Eisbären zurück. Ein kleines Basketball-Märchen.

SEBASTIAN SCHMID |

Der Umzug vom Süden in den hohen Norden war für Chris Harris nicht einfach – vor allem sportlich. In Bremerhaven herrschen eben andere Wetterbedingungen als in Ulm. Basketball-technisch ist das egal, doch für Harris’ zweite große Leidenschaft ist das nicht unerheblich. „Ich musste mich erst an den Wind gewöhnen. Da muss ich anders kalkulieren“, sagt der passionierte Golfer, der jedoch nicht mehr so häufig dazu kommt, seinem zeitintensiven Hobby nachzugehen.

Seit Anfang des Jahres ist Harris Cheftrainer der Eisbären Bremerhaven, die am Samstag um 18.30 bei Ratiopharm Ulm zu Gast sind. Für den 36-Jährigen lief es seit seinem Weggang von der Ratiopharm-Akademie Ulm, wo er von 2012 bis 2014 als Jugendtrainer tätig war, eigentlich perfekt. „Ich habe total Glück gehabt“, gibt der Kanadier zu. Sein schneller Aufstieg ist ein kleines Basketball-Märchen. Eisbären-Coach Calvin Oldham benötigte im Sommer 2012 einen neuen Co-Trainer. Harris erfuhr davon und schickte „eine stinknormale Bewerbung“ ab. Sechs Wochen später wurde er zu einem Gespräch eingeladen, kurz darauf hatte er den Job. Als Oldham 2015 Anfang April entlassen wurde, war Harris Cheftrainer – für einen Tag. „Das habe ich fast schon wieder vergessen. Calvin musste am Dienstag gehen, am Donnerstag kam dann Muli. Ich war also genau einen Tag lang Chef“, erinnert sich Harris dann doch noch.

Für Oldhams Nachfolger Muli Katzurin war dann im November 2015 Schluss, worauf Harris zunächst als Interimstrainer einsprang, bevor er Anfang diesen Jahres offiziell Cheftrainer und mit einem Vertrag bis zum Saisonende ausgestattet wurde. Seine schwierige Mission: Die Eisbären vor dem Absturz in die Pro A zu retten. Dabei soll dem Bundesliga-Vorletzten der gestern verpflichtete kanadische Power Forward Robbie Sihota helfen, der am Samstag in der zum 91. Mal in Serie ausverkauften Ratiopharm-Arena sein Debüt geben wird.

Bislang waren die Eisbären, die fünf Siege auf dem Konto haben, eine kleine Wundertüte. Auf der einen Seite zwangen die Norddeutschen beispielsweise Bayern München in die Verlängerung oder gewannen bei Alba Berlin. Auf der anderen Seite setzte es auch reichlich Klatschen wie zuletzt das 54:97 in eigener Halle gegen Pokalsieger Berlin. Wie kommt’s? „Bei uns ist viel von der Tagesform abhängig“, sagt Harris, der moniert, dass sich seine Spieler zu leicht von Kleinigkeiten aus dem Konzept bringen lassen: „Wir wollen stabiler und konstanter werden. Aber dafür habe ich noch kein Konzept gefunden.“

Der Eisbären-Coach freut sich auf die Rückkehr in seine ehemalige Heimat, der er in seiner Freizeit immer gerne einen Besuch abstattet. „Meine Zeit in Ulm war wunderschön“, erinnert sich Harris, der als Jugendtrainer in der Ratiopharm-Akademie unter anderem Joschka Ferner trainiert hat.

Mit einem anderen Akteur im Ulmer Trikot verbindet Harris eine Freundschaft, die schon einige Jahre vor der Zeit in Ulm ihren Anfang nahm. Einst ging der Kanadier als Profi gemeinsam mit dem damals 16 Jahre alten Per Günther für BBV Hagen in der Regionalliga auf Korbjagd. Trainiert wurde das Team damals von Pers Vater Dietmar. Daraus entstand eine enge Verbindung mit der Familie Günther und eine Freundschaft mit Per, einem von Harris’ Golf-Kumpels.

Thorsten Leibenath lobt seinen Kollegen und stellt klar, dass Glück alleine nicht ausreicht, um einen Posten als Cheftrainer zu ergattern: „Es hilft, wenn man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Aber wenn Chris nicht die Qualifikation besäße, dann wäre er nicht Headcoach.“ Der Ulmer Trainer zweifelt nicht daran, dass dem Neuling der Klassenerhalt gelingen kann: „Klar kann er das schaffen. Chris macht einen beeindruckenden Job.“

Bleibt nur abzuwarten, wie die Wundertüte Bremerhaven am Samstag in Ulm auftritt. Am Freitag machen sich die Gegner jedenfalls auf die lange Fahrt, um 21 Uhr werden sie in der Münsterstadt ankommen. Anders als die Ulmer, die die über 700 Kilometer lange Strecke normalerweise mit dem Flugzeug zurücklegen, reisen die Gäste mit dem Bus an. Oder wie es Harris ausdrückt: „Wir sind Eisbären – wir fliegen nicht, wir krabbeln auf allen Vieren.“

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