Zwischen Passagierrekord und Flaute

Die Deutsche Bahn ist auf Rekordkurs: Noch nie hat sie so viele Fahrgäste befördert wie im ersten Halbjahr. Doch sie spürt die konjunkturelle Abkühlung: Der Güterverkehr ist rückläufig, und das dürfte anhalten.

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Reisende auf dem Hauptbahnhof in Berlin. Mit der Zahl der Fahrgäste im ersten Halbjahr ist die Deutsche Bahn zufrieden. Foto: dpa

Pünktlichere Züge, mehr Komfort und freundlicheres Personal - das hat der Deutschen Bahn im ersten Halbjahr im Fernverkehr die Rekordzahl von 1 Mrd. Reisenden beschert. So erklärt zumindest Bahn-Personenverkehrschef Ulrich Homburg den Zuwachs von 4 Prozent gegenüber der ersten Jahreshälfte 2011. Zudem habe sich das Preis-Leistungs-Verhältnis verbessert. "Wir sehen, dass wir mit interessanten Angeboten die Menschen zum Umstieg vom Auto auf den Zug bewegen können", assistierte Bahn-Chef Rüdiger Grube gestern bei Vorlage der Halbjahresbilanz.

Weniger erfreulich sieht es beim Güterverkehr aus, und das dürfte sich so schnell nicht ändern: Bereits seit dem zweiten Halbjahr 2011 spürt die Bahn, dass die Konjunktur nachlässt. Vor allem für die Stahlindustrie und im Kombinierten Verkehr, also etwa beim Transport von Containern, hat die Nachfrage nachgelassen. Die Speditions-Tochter Schenker beförderte von Januar bis Juni fast 8 Prozent weniger Luftfracht, und dies ist stets ein "Frühindikator für wirtschaftliche Veränderungen", so Grube.

Die Wolken am Konjunkturhimmel dürften sich so schnell nicht verziehen. Allerdings rechnet Finanzchef Richard Lutz nur mit einer vorübergehenden Abschwächung und nicht mit einer weltweiten Rezession - wenn die Probleme rund um die Euro-Krise gelöst werden, eine Einschränkung, die derzeit überall zu hören ist. Gleichwohl hat Lutz seine Umsatzerwartungen für das ganze Jahr auf 39 Mrd. EUR reduziert. Das wären 3 Prozent mehr als 2011. Noch im März hatte er jedoch mit 1 Mrd. EUR mehr gerechnet. Das geringere Wachstum soll aber weder den Anstieg des Gewinns (vor Zinsen und Steuern) um 12 Prozent auf 2,6 Mrd. EUR noch die Investitionen beeinträchtigen. Dafür sorgt die robuste Entwicklung beim Personenverkehr und der Infrastruktur.

Im ersten Halbjahr glänzte insbesondere der Fernverkehr, der 8 Prozent mehr umsetzte und auch sein Ergebnis deutlich verbesserte. Die Pünktlichkeit der Züge verbesserte sich um etwa 2 Prozentpunkte, weil es etwa beim Frost zu Jahresbeginn keine größeren Probleme gab.

Allerdings kommt immer noch fast jeder fünfte Fernzug mehr als fünf Minuten zu spät an. Für den kommenden Winter ist Grube zuversichtlich, auch weil Siemens zugesagt hat, 8 neue ICE noch in diesem Jahr auszuliefern. Damit hat die Bahn endlich wieder eine "etwas größere Fahrzeugreserve". Bestellt hat sie doppelt so viele, die eigentlich längst fahren sollten.

Die private Konkurrenz auf der Strecke Hamburg-Köln lässt Homburg noch kalt: "Wettbewerb ist Bestandteil des Geschäfts." Ob sie Auswirkungen auf die Zahl der Fahrgäste hat, lässt sich erst zum Jahresende sagen. Vorerst ändert die Bahn weder die Preise noch den Service.

Bei Stuttgart 21 hält Technikchef Volker Kefer daran fest, dass das Großprojekt Ende 2020 fertiggestellt wird, obwohl das Grundwassermanagement geändert werden muss: Die Bahn braucht die Genehmigung des Eisenbahnbundesamts, doppelt so viel Grundwasser abzupumpen als ursprünglich geplant. Sie will zwar im ersten Quartal 2013, wie geplant, mit dem Ausheben von Baugruben beginnen, aber nur in dem Umfang, wie es die vorliegende Genehmigung hergibt. Kefer hofft, den drohenden Zeitverzug von neun Monaten auffangen zu können.

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