Zurich ermittelt nun selbst

Der Rücktritt des einstigen Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann beim Zurich-Konzern bringt dem Unternehmen keine Ruhe. Jetzt will der Versicherer die Selbsttötung seines Finanzchefs untersuchen.

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Josef Ackermanns überraschender Rücktritt als Verwaltungsratschef der Zurich-Gruppe hat zahlreiche Spekulationen ausgelöst. Foto: Eibner-Pressefoto

Nach dem Rücktritt des früheren Deutsche-Bank-Chefs Josef Ackermann als Verwaltungsratschef beim Zurich-Konzern untersucht das Schweizer Unternehmen die Selbsttötung seines Finanzchefs. Das sagte Konzernchef Martin Senn gestern bei einer Telefonkonferenz mit Investoren und Analysten. "Uns ist nicht bewusst, dass Druck auf das Management ausgeübt worden ist", sagte Senn. Sollten sich aber Hinweise auf einen solchen Umstand ergeben, so würde das für die Unternehmenskultur sehr ernst genommen.

Zugleich bestätigte das Unternehmen, dass Finanzvorstand Pierre Wauthier, der sich am Montag das Leben genommen hatte, einen Abschiedsbrief hinterlassen habe. Ackermann hatte bei seinem überraschenden Rücktritt am Donnerstag auf Vorwürfe verwiesen, die Wauthiers Familie gegen ihn erhoben habe. Er habe "Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag", erklärte Ackermann. "Um jegliche Rufschädigung zu Lasten von Zurich zu vermeiden", lege er deshalb den Vorsitz des Verwaltungsrates nieder.

Der amtierende Verwaltungsratspräsident, der Niederländer Tom de Swaan, wies Berichte zurück, wonach Ackermann zum Rücktritt gedrängt worden sei. "Es war seine eigene Entscheidung", sagte er. Dies wurde aus Ackermanns Umfeld bestätigt. De Swaan erklärte, Wauthier sei in seinem Abschiedsbrief auch auf das Verhältnis zu Ackermann eingegangen. Details wollte er mit Hinweis auf den Schutz der Privatsphäre der Familie Wauthier nicht nennen. "Wir wissen davon, kennen den Inhalt, werden diesen aber nicht kommentieren", sagte de Swaan.

Die Schweizer Zeitung "Tages-Anzeiger" berichtete gestern, Wauthier habe sich von Ackermann unter Druck gesetzt gefühlt und dies in seinem Abschiedsbrief deutlich gemacht. Das Blatt berief sich auf Quellen aus dem Umfeld des Verstorbenen.

Konzernchef Senn wandte sich jedoch gegen jedwede "Spekulationen", wonach der Suizid des 53-jährigen Wauthier und Ackermanns Rücktritt in irgendeinem Zusammenhang mit den jüngsten Halbjahresergebnissen des Zurich-Konzerns stehen könnten. "Es gibt keinen Zusammenhang zwischen diesen Neuigkeiten und den Resultaten der Zurich", sagte Senn. "Die Zahlen sind wie sie sind."

Das Unternehmen hatte, wie berichtet, zuletzt die Erwartungen von Analysten enttäuscht. Im ersten Halbjahr 2013 ging der Gewinn um 17 Prozent auf 1,9 Mrd. Dollar (1,4 Mrd. EUR) zurück. Allerdings lag dies laut Zurich vor allem an hohen Kosten für die Schadensregulierung nach Naturkatastrophen wie den Überschwemmungen in Mittel- und Osteuropa. Auch die Niedrigzinsen sorgen für Belastungen, denn die Beiträge können zurzeit weniger lukrativ angelegt werden als in den vergangenen Jahren.

Der Schweizer Versicherer zählt zu den größten Unternehmen der Branche weltweit. Der Konzern beschäftigt rund um den Globus etwa 60 000 Mitarbeiter und bietet Sach- und Lebensversicherungen in mehr als 170 Ländern an. Pierre Wauthier, der sowohl die britische, als auch die französische Staatsbürgerschaft besessen hat, leitete das Finanzressorts der Zurich-Gruppe seit zwei Jahren.

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