Zahlen mit dem Handy: Einstieg von Apple in Bezahldienste setzt Banken unter Druck

Der US-Computerkonzern Apple setzt auf einen eigenen Bezahldienst mittels Handy. Das wird den Alltag verändern - nicht nur für die Verbraucher, sondern auch für die Banken, glauben zumindest Experten.

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Ein Apple-Mitarbeiter zeigt, wie das Bezahlen mit dem iPhone funktioniert. Smartphone und Terminal tauschen Daten aus.  Foto: 

Schon seit Jahren versuchen Mobilfunk-Anbieter, Kreditkarten-Konzerne und auch Internet-Firmen wie Google, die digitale Brieftasche im Handy zu etablieren. Der Erfolg blieb bisher überschaubar. Jetzt springt Apple auf den Zug auf. Der Chef des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT, Ulrich Dietz, ist überzeugt, dass sich das Apple-System schneller etablieren werde als alle bisherigen Versuche.

Es spricht auch vieles dafür, dass Apple den richtigen Zeitpunkt für den Markteinstieg ausgesucht hat. So gab Mastercard das Ziel aus, zum Jahr 2018 sollen alle Karten-Terminals in Deutschland NFC-tauglich sein - und bis 2020 alle in Europa.

Noch viel wichtiger: In Apples Heimatmarkt USA, in dem das iPhone bei einem Marktanteil von 40 Prozent liegt, stehen gerade radikale Veränderungen an. Die bisher gängigen Magnetstreifen in den Karten sind ein Auslaufmodell. Ab Oktober 2015 muss das auch in Europa gängige Verfahren mit Chip & Pin unterstützt werden. Deshalb werden in nächster Zeit massenhaft die Bezahl-Terminals ausgetauscht - und die meisten neuen Modelle haben auch NFC an Bord.

Apple hat das Zeug dazu, das Kräfteverhältnis in dem Geschäft zu verschieben. Es zeichne sich ab, dass es für die Banken sehr schwierig werden könne, an Apple und den Kreditkarten-Konzernen vorbeizukommen, sagt Oliver Hommel, Branchenexperte bei der Unternehmensberatung Accenture. "Apple kontrolliert allein den Zugang zum Secure-Element-Chip, in dem die Daten gelagert werden. Und da wird Apple sicherlich eine Art Wegezoll von den Banken einfordern - ob es sich nun um eine transaktionsabhängige Gebühr oder Fixpreise handeln wird."

Apple betonte bisher nur, für Verbraucher und Geschäfte werde das System keine zusätzlichen Kosten bringen. Die "New York Times" schrieb aber, der Konzern habe den beteiligten Banken in den USA niedrigere Bearbeitungsgebühren als sonst üblich abgerungen.

GFT-Chef Dietz sieht nun die deutschen Banken, die an eigenen Lösungen arbeiten, unter Druck. "Wenn jetzt noch jemand glaubt, er kann am Markt ein eigenes System durchsetzen, ist das ein Ego-Trip, der in einem Millionengrab enden wird." Die deutsche Kreditwirtschaft müsse rasch und geschlossen in Gespräche mit der IT-Industrie gehen, sagt Dietz. "Dann kann sie ihre Technologien einbringen, die in ganz Europa eingesetzt werden könnten." Die Chance dafür sieht er vor allem außerhalb der Apple-Welt, beim Google-Betriebssystem Android, das einen höheren Marktanteil als das iPhone hat.

"Die Banken werden aus Sicht des Kunden austauschbarer, weil sie in eine digitale Brieftasche von Apple reingepackt werden", sagt auch Accenture-Experte Hommel. Der große Verlierer der Apple-Ankündigung seien aber die Telekommunikations-Unternehmen - "denn für dieses Mobile-Payment-System braucht man sie nicht mehr." Die Telekom-Anbieter setzten jahrelang auf die Sim-Karte als Datentresor, mit Apples zusätzlichen Sicherheitschips werde das hinfällig. Um ihre Position zu halten, müssten die Mobilfunk-Anbieter die anderen Hersteller davon abhalten, dem Apple-Vorbild zu folgen.

Zudem zeichne sich ab, dass die Banken auf die Services der Kreditkarten-Firmen zurückgreifen müssen, wenn sie bei Apple Pay dabei sein wollen, sagt Hommel. Apple setzt mit ihrer Unterstützung ein Verfahren namens "Tokenization" um, bei dem im Handy nicht die Daten der Kreditkarte gespeichert werden, sondern nur ein ihr zugewiesener Code. Das ist zum einen sicherer, weil die Informationen nicht ausgelesen werden können. Zum anderen läuft nichts ohne den Anbieter dieses Dienstes. Für Apple ist entscheidend, dass die Verbraucher nichts von Machtkämpfen hinter den Kulissen mitbekommen: "Am Ende entscheidet der Komfort für den Kunden", sagt Dietz.

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