Wohnen in Städten zu teuer

Lange galt der Wohnungsmarkt in Deutschland vielerorts als entspannt. Probleme sind aber schon länger nicht zu übersehen - vor allem in den Städten. Jetzt fordert der Mieterbund entschiedenes Handeln.

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Deutschland hat aus Sicht des Deutschen Mieterbunds mit einer neuen Wohnungsnot zu kämpfen. "Die Menschen können das Wohnen zum Teil nicht mehr bezahlen", sagte Präsident Franz-Georg Rips gestern in Berlin. Er forderte jährlich zusätzliche 10 Mrd. EUR aus staatlichen Mitteln, um den Neubau zu fördern und steigende Mieten abzufangen. Notwendig seien Steuererleichterungen für Bauherren, ein höheres Wohngeld und Zuschüsse für Energiespar-Sanierungen. Mietsteigerungen müssten gedämpft werden.

In Großstädten, Ballungszentren und an Hochschulstandorten fehlten 250 000 Wohnungen, berichtete der Verband unter Berufung auf eine Untersuchung des Pestel-Instituts Hannover. 140 000 neue Wohnungen pro Jahr seien notwendig; das sind doppelt so viele wie bisher. Bauherren sollten deshalb künftig 4 statt bisher 2 Prozent der Kosten jährlich steuerlich abschreiben können, forderte Rips. Notwendig sei auch, die Innenstädte dichter zu bebauen.

Die Wohnkostenbelastung der Haushalte ist nach seinen Worten auf ein Rekordniveau gestiegen. 2011 entfielen 34 Prozent der Konsumausgaben der Haushalte auf Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung. Vor zehn Jahren waren es 32 Prozent. Bei niedrigen Einkommen liege die Belastung teils bei 50 Prozent, sagte Rips. 100 000 neue Sozialwohnungen pro Jahr seien deshalb nötig.

Der Mieterbund fordert, dass Eigentümer bei Neuvermietungen höchsten 10 Prozent mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete verlangen dürfen. In bestehenden Verträgen sollen sie statt höchstens 20 Prozent in drei Jahren künftig maximal 15 Prozent in vier Jahren aufschlagen dürfen. Die Kosten für energetische Sanierungen sollen Mieter, Vermieter und der Staat zu gleichen Teilen stemmen. Bislang darf der Eigentümer sie mit 11 Prozent auf die Jahresmiete umlegen.

Rips sagte, der Staat müsse seine Förderung für die Energiewende von 1,8 Mrd. EUR auf 5 Mrd. EUR aufstocken. Viele Ausgaben für den Wohnungsbau würden sich durch zusätzliche Steuereinnahmen refinanzieren, argumentierte er.

Das Problem beschränke sich auf die Städte, betonte Rips. "Es gibt unglaublich viele entspannte Wohnungsmärkte, sie sind sogar in der Mehrzahl." Der Staat dürfe aber die Infrastruktur in schrumpfenden Regionen nicht vernachlässigen.

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