Wettbewerbszentrale kritisiert versteckte Kosten und falsche Werbeversprechen

Die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs muss sich jährlich mit tausenden von Fällen beschäftigen. Es geht dabei fast immer darum, dass Handel und Firmen mehr versprechen als sie halten.

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Apples Geräte ziehen selbst die jüngsten Verbraucher an, wie dieses Bild aus Berlin zeigt. Die Werbung des US-Konzerns für ein iPad-Modell wurde zum Fall für die Wettbewerbszentrale. Foto: dpa

Der US-Konzern Apple wirbt für ein iPad, das den schnellen Mobilfunkstandard unterstütze, den es zu dieser Zeit in Deutschland gar nicht gibt. Die Telekom verweist nicht auf die Sperre für bestimmte Sim-Karten im iPhone. Vodafone wirbt mit Geschenken für Mobilfunkverträge, die gar nicht kostenlos sind, Emirates verkauft Flugtickets mit unzulässigen Preisveränderungsklauseln - die Liste der Verstöße gegen die Regeln eines fairen Wettbewerbs ließe sich fortsetzen.

Vor allem bei Preisen und Preisangaben wird in Deutschland weiter kräftig geschummelt. Mit 2000 solcher Fälle befassten sich die rund 50 Mitarbeiter der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs im vergangenen Jahr. Die Arbeit geht ihnen ohnehin nicht aus. Im Gegenteil: Auch im vergangenen Jahr, dem hundertsten ihres Bestehens, durfte sich die gemeinnützige Organisation in Bad Homburg und in ihren bundesweit sechs Standorten mit gut 13 000 Beschwerden und Anfragen beschäftigen.

Immerhin: In den allermeisten Fällen folgten die Firmen den Rügen und Auflagen der Wettbewerbshüter. 700 Mal allerdings zogen sie vor Gericht, wie Rainer Münker, Chef der Wettbewerbszentrale gestern berichtete. Die Verstöße gingen quer durch alle Branche. Um Vorteile im Markt zu erzielen, werde immer wieder mehr versprochen als Produkte und Dienstleistungen halten können, klagt Münker.

"Bei der Werbung wird mit Preisen geschummelt, indem entweder zusätzliche Kosten unterschlagen, Ersparnisse vorgetäuscht werden, die tatsächlich nicht gegeben sind oder ganz einfach Preisvergleiche erschwert werden."

Da werde Bezug genommen auf hohe Preise, die es so gar nicht gebe und dem Verbraucher das Gefühl vermittelten, er spare, obwohl das gar nicht der Fall ist. Banken werben mit unklaren Zinssätzen, Elektrogeräte werden ohne Typenbezeichnung angeboten.

Aber auch im Gesundheitsbereich gibt es immer wieder Unregelmäßigkeiten. So beanstandete die Wettbewerbszentrale ein Ärzteverzeichnis, das Verbrauchern suggerierte, es handele sich um Spitzenmediziner oder Top-Fachärzte. Die genannten Ärzte mussten freilich viel Geld bezahlen, um in die Liste aufgenommen zu werden.

Für die Wettbewerbshüter ist dies nichts anderes als finanzierte Werbung. Derzeit liegt der Fall vor Gericht. Oder Augenärzte verweisen Patienten entgegen den Berufspflichten an bestimmte Optiker, zählt Münker ein weiteres Beispiel unlauterer Praktiken auf.

Auch mit dem sozialen Netzwerk Facebook befasst sich die Wettbewerbszentrale, allerdings nur mit den so genannten "facebook-likes". Von Richtern will sie klären lassen, welche Aussagekraft diese "likes" haben. Beanstandet wird die Werbung für ein Gewinnspiel im Internet, weil dort die Teilnahme nur möglich war, wenn das "Gefällt mir"-Feld angeklickt wurde. Das seien erschlichene "likes", für die viele Unternehmen bereit seien, viel Geld zu bezahlen. In erster Instanz haben die Wettbewerbshüter allerdings verloren.

Erstaunlich bleibt, dass die Firmen und Händler immer wieder gegen wettbewerbsrechtliche Vorgaben verstoßen, aber gleichzeitig die gemeinnützige Organisation zur Selbstkontrolle des Wettbewerbs mit finanzieren. Denn getragen wird sie von mehr als 1200 Unternehmen und gut 800 Kammern und Verbänden der Wirtschaft.

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