Weltwirtschaft beschwört Zusammenarbeit

Auf dem Wirtschaftstreffen in Japan treten die Differenzen zutage, etwa zwischen Bundesbankchef Weidmann und IWF-Chefin Lagarde. Doch ebenso deutlich wird das Bemühen um weltweite Kooperation.

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Bundesbankpräsident Jens Weidmann kämpfte auch in Tokio. Foto: dpa

. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann steht auch in Tokio beim Treffen der Finanzminister, Notenbank-Präsidenten, dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank heftig in der Kritik. Weidmann wehrt sich weiter gegen üppige Geldspritzen der Notenbanken zur Krisen-Bekämpfung und warnt vor den daraus folgenden Gefahren. Die Politik baue nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und in Japan zunehmend auf die Zentralbanken. "Aber die Geldpolitik ist kein Allheilmittel, sie ist keine Wunderwaffe", sagt er im Beisein von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Weidmann und Schäuble saßen freundlich lächelnd nebeneinander, um zu signalisieren, wie gut sie sich verstehen. Aber in der Sache liegen sie nach wie vor auseinander. So wie auch das Spar- und Reformtempo zur Krisenbewältigung zwischen Schäuble und IWF-Chefin Christine Lagarde umstritten sind, auch wenn beide menschlich sehr gut miteinander können. Schäuble spricht von "erheblichen Fortschritten" bei der Überwindung der Krise in Europa.

Christine Lagarde hat zwar schon wiederholt weiteren Aufschub für Griechenland gefordert, aber erstmals nennt sie einen konkreten Zeitraum. Zwei Jahre mehr, bis 2016 will sie Athen Zeit geben, um einen ausgeglichenen Primär-Haushalt zu erreichen - also Einnahmen zu Ausgaben, abzüglich der Zinszahlungen. Und sie fordert einen weiteren Schuldenschnitt.

Die Verwunderung darüber ist in Tokio durchaus beträchtlich, zumal der neue Bericht der Troika (EU, EZB und IWF) noch gar nicht vorliegt, auf dessen Basis die nächste Rate für Athen ausgezahlt werden soll. Schäuble sträubt sich, irgendetwas zu weiteren Schritten zu sagen. Er lobt allerdings auch die Fortschritte Athens.

Lagarde dagegen fordert zwar Reformen, aber mit gemäßigterem Tempo, damit die Eurozone die Weltwirtschaft nicht nach unten zieht. Sie räumt aber auch ein, dass angesichts einer Verschuldung der reichen Länder "wie in Kriegszeiten" es schwierig sei, den richtigen Mix zwischen Konsolidierung und Wachstumsimpulsen zu finden.

Für Weidmann ist allerdings nicht erwiesen, dass die Krise im Euroland die Weltwirtschaft bremst. Sie befinde sich in einer schwierigen Phase, sagt er. "Aber es gibt keinen Grund für Schwarzmalerei." Der Anpassungsprozess in Europa sei in Gang gekommen, sagte er und stellt sich wie Schäuble auch gegen IWF-Chefin Lagarde. Schäuble, das wird auch in Tokio deutlich, hielte es für besser, die Debatte würde intern geführt.

Die Lage der Weltwirtschaft ist nicht einfach. Die Euro-Zone steckt in der Schulden-Krise, auch in den USA und in Japan werden die Defizite immer größer. Christine Lagarde, charismatische Chefin des IWF, weist auf diese Probleme hin. Doch von scharfen Worten hat sie Abstand genommen. Es geht nicht um einen Sprint, sondern um einen Marathonlauf, bei dem die Kräfte dosiert eingeteilt werden müssen. Das weiß Lagarde genauso wie Bundesfinanzminister Schäuble oder Bundesbank-Präsident Weidmann.

Die Regierungen in allen drei Krisenregionen wissen, dass sie sich letztlich nur selbst aus dem Schlamassel ziehen können. Kooperation ist eines der Schlagwörter, das Lagarde deutlich in den Vordergrund gerückt hat. Man will auch nicht ständig auf die Hilfe der eigenen Notenbank schielen. Man will bei der Regulierung vor allem von Hedge Fonds und Schattenbanken vorankommen und die Auswüchse im Investmentbanking eindämmen.

Darauf drängen auch die Schwellenländer, die in früheren Jahren immer im Fokus standen, weil sie mit ihren Reformen nicht vorankamen. Sie haben sich aus der Krise befreit und fürchten jetzt, dass die Probleme im Norden auf ihre Volkswirtschaften durchschlagen und vor allem die Entwicklungsländer in die Bredouille bringen. Immer noch leben eine Billion Menschen in absoluter Armut, immer noch hungern 850 Millionen und immer noch sind 200 Millionen ohne Arbeit.

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