Weltmarktführer-Treffen: "Rechtzeitig nachdenken"

Unternehmen müssen sich ändern, bevor sie mit dem Rücken an der Wand stehen - diese Botschaft zog sich wie ein roter Faden durch das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Hall. Der Kongress endete am Donnerstag

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EU Kommissar Günther Oettinger (Mitte) mit Bausparkassen-Chef Matthias Metz (rechts) und Kongressveranstalter Walter Döring.  Foto: 

  Hans-Joachim Watzke   sorgte beim Treffen in der Bausparkasse Schwäbisch Hall einerseits für gute Unterhaltung, andererseits für nachvollziehbare Erkenntnisse. Der Dortmunder Fußball-Boss übernahm 2006 das Unternehmen Borussia, als es gegen die Wand gefahren war. "So pleite war im deutschen Fußball noch niemand", sagte er vor den 400 Teilnehmern des Weltmarktführertreffens. Watzke berichtete, wie es nur mit sehr viel Glück gelang, den Bundesligisten vor dem Absturz zu retten.

Dortmunds Fußballer sind quasi der Gegenentwurf zur Vorstellung frühzeitiger Richtungswechsel. Diesem wird eher der FC Bayern gerecht. Trotz eines kompletten Erfolgs mit dem Gewinn von fünf Titeln wechselten die Münchner den Trainer - und mit ihm die Strategie.

Auf sehr viel Glück, wie Borussia Dortmund, wollen sich Unternehmer nicht verlassen. Es sind bemerkenswert viele deutsche Unternehmen aus dem Mittelstand, oft in Familienhand, die auf dem Weltmarkt die Richtung hinsichtlich der technischen Entwicklung vorgeben. Hoher Qualitätsanspruch, ausgeprägter Leistungswettbewerb und bemerkenswerte Bindung ihrer Mitarbeiter sind auffällige Merkmale.

Zu den innovationsstarken Betrieben aus der Haller Region gehört Recaro. Das Unternehmen zählt zu den drei weltgrößten Flugzeugsitze-Entwicklern. "Mich beeindruckt, wie viele Unternehmen sich neu erfunden haben", sagte  Mark Hiller, der Vorsitzende der Geschäftsführung . Recaro selbst begann einst als Karosseriewerk, war später durch die Herstellung von Autositzen bekannt, ehe das Unternehmen Flugzeugsitze entwickelte. "Man muss rechtzeitig nachdenken - nicht erst, wenn ein Unternehmen in Schwierigkeiten steckt."

Recaro liefert mehr als die Hälfte seiner Flugzeugsitze an Airbus. Dessen Vorstandsvorsitzende Tom Enders sprach in Hall auch über Misserfolge und Risiken. Es seien die Probleme mit dem Riesenflieger A380 gewesen, die den französisch-deutschen Konzern (bis Ende 2013 EADS, jetzt Airbus) dazu gezwungen haben, effizientere Strukturen zu schaffen. Den innovativen Unternehmern bot Enders an, im Airbus-Orchester mitzuspielen, schränkte aber ein, dass das nicht gleich die erste Geige sein werde. Zudem machte er klar, dass die Zulieferer technisch und finanziell mit dem Konzern ins Risiko gehen müssten.

 EU-Energie-Kommissar Günther Oettinger  trat als Mahner auf: "Wem es zu gut geht, hat Flausen im Kopf." Der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident sieht Deutschland in einer schleichenden Deindustrialisierung. Ein zu frühes Renteneintrittsalter und steigende Strompreise durch die Subventionierung erneuerbarer Energien erschwerten es, die Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte Präsenzpflicht in Berlin. Ein Interview mit ihm wurde in Hall auf die Leinwand gespielt.

Walter Döring, einst Baden-Württembergs Wirtschaftsminister, wertet das Gipfeltreffen in seiner Heimatstadt als großen Erfolg. Der Initiator sieht den Kongress, den er 2011 erstmals veranstaltet hat, auf dem Weg zur Internationalisierung. Gäste wie US-Botschafter John B. Emerson, EU-Kommissar Günther Oettinger oder Referenten aus der Türkei seien dafür Beleg.

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