Betriebsweihnachtsfeier: Feiern bis der Kumpel kommt

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Der Geruch nach feuchtem Lehm und Stein empfängt die Besucher in einem Bergwerk im Schwarzwald. Mit Helm und Lampe ausgerüstet geistern sie durch die Stollen. Es gilt, Leitern zu bezwingen, sich durch Felsspalten zu zwängen und dabei die Nerven zu bewahren. „Ein Stollen zu Weihnachten“ nennt sich die Veranstaltung und es ist keine Führung für angehende Geologen, sondern schlicht eine Weihnachtsfeier. Doch was heißt da schlicht. Einfach ins Restaurant gehen oder Glühwein in der Betriebshalle bis die Sekretärin auf dem Tisch tanzt und der Chef vom Stuhl fällt, ist manchen Unternehmen zu wenig. Darum geht es erst ins Bergwerk, dann per Fackelwanderung in ein uriges Gasthaus, wo ein Menü wartet. Das gibt es ab 79 € pro Kopf.

Die Weihnachtsplaner

Hinter diesem Weihnachtsfeierformat steckt eine Eventagentur aus Freiburg. Petra Reutlinger ist Geschäftsführerin von Mehrpunkt. Warum daraus die Weihnachtsplaner wurden, erklärt sie mit zwei Argumenten. Zum einen sei die Hemmschwelle, für eine Betriebsfeier eine Eventagentur zu engagieren, groß. Zum anderen wüssten viele nicht, was sie wollen. „Da hatten wir die Idee, als Weihnachtsplaner, also als Profis in diesem Bereich, aufzutreten.“ Das senke die Hemmschwelle beträchtlich.

Auf der Internetseite Weihnachtsplaner.de, die sie zusammen mit einer anderen Agentur betreiben, findet man eine Beschreibung der Veranstaltung und einen Pro-Kopf-Preis. „Das reicht für viele für den ersten Schritt und sie rufen bei uns an.“ 90 Prozent der Anfragen kämen durch das Internet.

Reutlinger sagt, das Konzept sei voll aufgegangen. 40 bis 50 Weihnachtsfeiern für 10 bis 500 Personen plant die Agentur jährlich. Vor allem in der Region Freiburg, inzwischen aber auch bis nach Stuttgart. Dazu kommen noch 30 Feiern am eigenen Veranstaltungsort, wo Menschen miteinander kochen können. Der „heißeste“ Tag in diesem Jahr, so verrät die Expertin, sei der 16. Dezember. Freitage sind beliebt.

Für große Cateringfirmen wie Aveato aus Berlin ist das ebenfalls ein großes Geschäft –  auch wenn Weihnachtsfeiern in diesem Fall nur etwa 8 Prozent des Umsatzes ausmachen. Vorstand Alexander Schad sagt: „Aveato Catering darf jährlich über 1000 Weihnachtsfeiern in vielen deutschen Städten kulinarisch begleiten.“ Das Angebot reiche vom „kleinen Stelldichein in der Teeküche bis hin zum weihnachtlichen Gala Menü“. Dabei gebe es einen Klassiker, der seit 15 Jahren besonders beliebt sei: die Platte „Frohes Fest“ mit 25 Fingerfood-Kreationen.

Warum Firmenfeiern grundsätzlich so wichtig sind, erklärt Petra Reutlinger: „Das ist eine großartige Gelegenheit, den Mitarbeitern etwas zurückzugeben, ihnen Wertschätzung zu zeigen.“ Nicht alle Mitarbeiter und Chefs seien mit einem schlichten Restaurantbesuch zufrieden. „Mit der Lebensqualität ist auch der Anspruch an die Chefs gestiegen“, sagt Reutlinger. Es gehe inzwischen vielen darum, zusammen etwas zu erleben, um Teamgeist und Action. „Die Mitarbeiter wissen vorher oft gar nicht, was auf sie zukommt. Das gemeinsame Erlebnis schweißt sie dann zusammen.“ Genuss spiele im Süden Deutschlands ebenfalls eine Rolle. Das alles stelle die Chefs vor die Herausforderung, etwas Spannendes zu veranstalten.

Beim Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf in Ditzingen steht nicht die Spannung im Vordergrund, sondern das Beisammensein. Dort nennt sich die zentrale Veranstaltung für rund 3200 Mitarbeiter Jahresschlussempfang und findet an einem der letzten Arbeitstage vor Weihnachten statt. Die Mitarbeiter sind ins Restaurant eingeladen, es gibt eine Rede und das Trumpf-Orchester, der betriebseigene Chor und die Azubi-Band unterhalten die Gäste. Jedes Jahr, so Pressesprecherin Heidi-Melanie Maier, würden natürlich andere Musikstücke aufgeführt. Abschließend singen alle zusammen ein Weihnachtslied und danach gibt es für alle Glühwein, Punsch und Gebäck. „Es ist ein stimmungsvoller, und wie ich finde, besonderer Ausklang des Jahres.“

Daimler feiert klein

Bei Daimler in Stuttgart wird das anders gehandhabt. „Eine große „Daimler Weihnachtsfeier“ gibt es nicht“, sagt Pressesprecherin Sabrina Schrimpf. Allerdings gebe es vereinzelt bereichsbezogene Feiern, deren Gestaltung den Bereichen selbst überlassen sei. Wer weiß, vielleicht gehen die dann doch ins Bergwerk. Oder lassen sich den Whiskey bei einer zünftigen irischen Weihnachtsfeier schmecken. Dabei gibt es unter Umständen doch wieder die Sekretärin, die auf dem Tisch tanzt und den Chef, der unter demselben liegt.

Grundsätzlich, so ist auf der Internetseite experto.de zu lesen, gelten alle im Arbeitsvertrag festgehaltenen Richtlinien. „Die Kollegin sollte tabu bleiben, und der Chef ist auch nach drei Bier noch immer Vorgesetzter.“ Auf Fehlverhalten, Beleidigungen und Ähnliches können arbeitsrechtliche Schritte folgen. Denn: Auch während der Weihnachtsfeier bewegt man sich im Arbeitsumfeld. Ein Tipp: „Mäßigen Sie sich in Bezug auf legale Drogen wie Alkohol oder Nikotin, hauen Sie sich weder die Hucke noch die Wampe voll, bis Sie platzen.“ Am Tag danach sollte man nicht übermüdet und verkatert am Arbeitsplatz auftauchen.  cast

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