Versicherer beruhigen

Niedrigzinsen im Zuge der Banken- und Staatsschuldenkrise machen den Lebensversicherern zu schaffen. Probleme gibt es schon länger mit dem Garantiezins. Die Branche betont: Die Lebensversicherung ist sicher.

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Die deutschen Lebensversicherer haben Berichte über drohende Schieflagen und nicht eingelöste Zinsversprechen zurückgewiesen. "Die Meldung, dass immer mehr Lebensversicherer den Garantiezins nicht mehr in voller Höhe zahlen können, ist falsch", erklärte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. "Die deutsche Lebensversicherung ist sicher." Die anhaltenden Niedrigzinsen seien zwar eine große Herausforderung. Für Alarmismus bestehe aber kein Grund.

Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, erste Gesellschaften böten ihren Kunden neue Verträge mit schlechteren Konditionen zum Tausch an. Für die Anbieter werde es immer schwieriger, ihren Versicherten den über Jahrzehnte zugesagten Garantiezins zu zahlen.

Auch die Bundesregierung sorgt sich um die Stabilität der Branche und schließt die Schieflage einzelner Anbieter nicht aus. Vor allem für das "schwächste Fünftel" bestünden bei einer dauerhaft niedrigen Verzinsung von Staatsanleihen erhebliche Risiken. Das einst wichtigste deutsche Finanzprodukt hat auch im Zuge der Euro-Staatsschuldenkrise schon seit längerem ein Problem mit den Garantiezinsen. Derzeit müssen Lebensversicherer Neukunden über die Laufzeit eines Vertrages einen Garantiezins von 1,75 Prozent gewähren. Bei Altverträgen sind es 4 Prozent. Zugleich sind die Anbieter verpflichtet, Kundengelder in besonders sicheren Anlagen wie Bundesanleihen zu investieren.

Seit Monaten werfen aber Schuldtitel des Bundes weniger ab als die Preissteigerungsrate. Das Modell der Lebensversicherung setzt aber voraus, dass Zinsen irgendwann wieder steigen. Im Finanzministerium hieß es, die Risiken aus der Niedrigzinsphase seien seit langem bekannt. "Der überwiegende Teil der Kapitalanlagen der Versicherer erwirtschaftet nach wie vor höhere Renditen", heißt es weiter. Kurz- bis mittelfristig bestünden daher keine Risiken, die Zusagen zu erfüllen.

Der Bundestag beschloss am Donnerstagabend neue Regeln, um die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer zu stärken. So sollen Bewertungsreserven, die der Versicherer erworben hat und weiter benötigt, bei sinkenden Kapitalmarktzinsen im Unternehmen verbleiben können. Zudem soll die Trennung der Überschussbeteiligung von vor und nach 1994 abgeschlossenen Lebensversicherungsverträgen aufgehoben werden.

"Wir können nicht bestätigen, dass einzelne Versicherungsunternehmen erwägen, bei der Finanzaufsicht Bafin die zeitweise Aussetzung der garantierten Zinszahlungen an ihre Kunden zu beantragen", erklärte der GDV weiter. Es gebe keine Strategie von Lebensversicherern, Kunden zu einem Wechsel von älteren Verträgen mit höherer Verzinsung in niedriger verzinste Verträge zu bewegen.

Der Branchenverband GDV verwies darauf, dass auch die Finanzaufsicht Bafin erst vor kurzem bestätigt habe, dass die Lebensversicherer ihre Verpflichtungen auch in einer extremen Niedrigzinslage noch "etliche Jahre" erfüllen könnten. Die Ratingagentur Fitch habe dies auch bestätigt.

Die Behauptung, dass für einzelne Unternehmen die vorhandenen Mittel ab 2018 nicht mehr reichen könnten, beruhe auf rein hypothetischen Betrachtungen, sagt der GDV. Die Versicherer mahnen seit langem, dass die Niedrigzinspolitik der Notenbanken zur Stützung von Banken und Krisenstaaten die Altersvorsorge belaste. Bisher hätten die Lebensversicherer aber die Folgen der Banken- und Schuldenkrise gut abgefedert. Im Vergleich zu anderen sicheren Anlagen böten Lebensversicherungen immer noch eine attraktive Verzinsung.

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