Verhaltener Start ins „Gründerland“

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Als die Spitzen von Grünen und CDU im Land Anfang Mai ihren Koalitionsvertrag präsentierten, hatten sie dafür einen Ort gewählt, an dem sonst junge Unternehmer ihre Ideen entwickeln: einen Start-up-Campus. Die Inszenierung sollte den Willen der früheren Gegner illustrieren, zu neuen Ufern aufzubrechen.

Was das für die Wirtschaftspolitik bedeuten soll, wird im Koalitionsvertrag klar formuliert: „Unser Ziel ist es, Baden-Württemberg zum dynamischsten Gründerland in Europa zu machen.“  Dazu wolle man „wo immer möglich“ die Innovationsbereitschaft von Start-ups und Mittelstand fördern und den vom Land eingerichteten Wagniskapitalfonds „zu einem Innovationsfonds BW weiterentwickeln“.

Die Ankündigungen haben Erwartungen geweckt, gerade was die Höhe der Landesmittel für den versprochenen Fonds angeht. Aktuell stecken 4 Mio. € Landesmittel im Wagniskapitalfonds, in Bayern sind es 30 Mio. €. Dem Beispiel des Freistaats wäre Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) gerne gefolgt. Nach Informationen der SÜDWEST PRESSE hatte sie für den Innovationsfonds 20 Mio. € im Etat 2017 beantragt. Laut Ergebnisprotokoll der Haushaltsstrukturkommission, das dieser Zeitung vorliegt, erhält sie nun aber vergleichsweise bescheidene 5 Mio. €. Als Hoffnungsschimmer gilt, dass die Summe mit der Bemerkung „Einstieg“ versehen ist, sie also in den Folgejahren noch aufgestockt werden könnte.

Darauf setzt auch Hoffmeister-Kraut: „Das ist ein erster Aufschlag. Ich bin zuversichtlich, dass in der Legislaturperiode weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden.“ Unterstützung signalisiert CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart: „Ich kann mir eine Ausweitung und Intensivierung des Fonds im Erfolgsfall sehr gut vorstellen.“ Schon für den ersten Schritt „hätten wir als CDU-Fraktion gerne eine größere Summe investiert“, spielt Reinhart den Ball in Richtung Grüne: „Dass wir den Innovationsfonds überhaupt ins Leben rufen können, ist ein Verhandlungserfolg der CDU. Das war ein harter Kampf!“

In der Haushaltsstrukturkommission „war die CDU noch einverstanden“, kontert Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne). Wenn es für alle Ressorts insgesamt 50 Mio. € für Neuinvestitionen gebe, sei es ihre Aufgabe, „das Wünschenswerte mit dem Machbaren in Einklang zu bringen“. Im Übrigen könnten Investitionen auch durch Umschichtung bestehender Mittel finanziert werden, gibt die Grüne der CDU mit auf den Weg.

Das Wirtschaftsressort bastelt derweil an den Details für den neuen Fonds. Hintergrund der Pläne unter dem Arbeitstitel „Cleverle“ ist der Befund, dass es Neugründungen oft an Wagniskapital fehlt, wenn sie schnell wachsen wollen. Die ersten Entwürfe sahen ein Volumen von rund 100 Mio. € vor. Danach sollten das Land und die KfW-Förderbank je 20 Mio. € einlegen und für weitere 60 Mio. € Südwest-Unternehmen als Investoren gewonnen werden, denen im Gegenzug spezielle Verwertungsrechte des geschaffenen Know-hows eingeräumt werden könnten. Für ein einzelnes Investment werden mindestens 2,5 Mio. € veranschlagt. Die Beteiligung der öffentlichen Hand soll dabei die Risiken für mittelständische Einleger senken, der Fonds selbst Brücken zwischen etablierten Mittelständlern und der innovativen Start-up-Szene bauen: Erstere könnten so frühzeitig Zugang zu neuen Geschäftsfeldern erhalten, die Gründer wiederum neben Wagniskapital Partner für die Umsetzung ihrer Ideen erhalten. Infolge des schmaleren Landesanteils werden die Pläne derzeit überarbeitet. Dass etwas passieren muss, ist für Hoffmeister-Kraut aber klar: „Eine innovative Start-up-Szene und Gründer-Kultur ist essentiell, um die Wirtschaftskraft im Land für die Zukunft zu sichern.“

Hauptsitz von Neugründungen, die auf innovative Technologien oder Konzepte setzen, ist Berlin. Die Bundeshauptstadt führt den im Auftrag des „Bundesverbands Deutscher Start-ups“ erstellten „Start-up-Monitor“ mit klarem Abstand vor München und der Metropolregion Rhein-Ruhr an.

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