Verfahren gegen die Bahn

Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen die Deutsche Bahn (DB) eingeleitet. Die Wettbewerbshüter vermuten den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung beim Verkauf von Fahrkarten.

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Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn in München: Die Angebote der Konkurrenz können die Fahrgäste dort nicht kaufen. Daher nimmt das Bundeskartellamt nun den Ticket-Verkauf des Staatskozerns unter die Lupe.  Foto: 

Wer den Vertrieb in der Hand hat, kontrolliert das Geschäft. Das gilt auch für die Deutsche Bahn. Deren Konkurrenz begehrt schon länger dagegen auf. Und bekommt jetzt Hilfe vom Kartellamt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Kartellverfahren gegen den Staatskonzern.

Wie verkauft die Bahn ihre Fahrscheine? Auf deutschen Bahnhöfen stehen 7000 Fahrkartenautomaten. Die Deutsche Bahn (DB) unterhält außerdem gut 400 Reisezentren. Fahrscheine gibt es auch in 2700 anderen Verkaufsstellen, oft Reisebüros außerhalb der Bahnhöfe. Knapp ein Drittel ihrer Tickets verkauft die Bahn inzwischen über das Internet. Dieser Anteil steigt Jahr für Jahr.

Wer sind die Wettbewerber der  Deutschen Bahn ? Die DB hat im Fernverkehr fast keine Konkurrenz, im Nahverkehr jedoch etliche. Es sind Privatbahnen und Töchter ausländischer Staatsbahnen, zum Beispiel Veolia, Netinera oder Benex.

Welche Nachteile beklagen die Konkurrenten der Bahn?  Ihr Interessenverband Mofair  wirft der DB "Machtmissbrauch". Sie lasse Schalter anderer Anbieter in Bahnhöfen nicht zu und verkaufe deren Tickets auch an ihren Automaten nicht. Mofair fordert: Die DB müsse an ihren Automaten auch fremde Fahrscheine verkaufen. Ein Gesetz, das dies vorsah, scheiterte vorigen Sommer im Parlament. In dieser Legislaturperiode könnte es einen neuen Anlauf geben. Ein weiterer Kritikpunkt: Wenn die DB Tickets für Wettbewerber verkaufe, verlange sie üppige Provisionen, die je nach Partner auch noch unterschiedlich hoch seien.

Was kann das für die Bahnfahrgäste bedeuten? Der Bahnhof ist das Tor zur Bahn. Wenn Bahnkunden nicht sehen, dass es auch andere Anbieter auf dem Schienennetz gibt, werden sie dem Marktführer Deutsche Bahn auch nicht untreu. Günstigere Angebote bleiben unentdeckt.

Warum hat das Kartellamt ein Verfahren gegen die Bahn eingeleitet? Die Behörde hat von mehreren Eisenbahnbetreibern Beschwerden über das Geschäftsgebaren der DB erhalten. Sie hat nun den Verdacht, dass der Staatskonzern seine marktbeherrschende Stellung beim Fahrkartenvertrieb ausnutzt. Die Behörde hört alle Beteiligten an und macht sich ein eigenes Bild.

Wie geht es weiter? Das Verfahren wird mehrere Monate dauern. Allein für die Antwort auf den umfangreichen Fragenkatalog des Kartellamts hat die Deutsche Bahn sechs Wochen Zeit. Kartellamtssprecher Kay Weidner erläutert, es gehe nicht um Bußgelder oder Strafzahlungen. Am Ende des "Verwaltungsverfahrens" könne die Behörde aber von der Bahn verlangen, ihre bisherige Geschäftspraxis zu ändern.

Wie verteidigt sich die Bahn? Die Bahn bestreitet, den Wettbewerb im Personenverkehr zu behindern. Die Konkurrenten könnten schon heute Flächen in Bahnhöfen für eigene Zwecke anmieten, sagt Vorstandsmitglied Ulrich Homburg. Diese verkauften ihre Tickets in Eigenregie oder über frei wählbare dritte Dienstleister. Die Forderung, Fahrkarten der Konkurrenz für den Fernverkehr in Bahn-Reisezentren mitzuverkaufen, entspreche aber "nicht dem Gedanken von freiem Wettbewerb". Im Luftverkehr müssten die einzelnen Gesellschaften auch ihre Vertriebskanäle selbst betreiben.

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