Verbrauchern bleibt mehr

Gute Nachrichten für die Verbraucher: Die Teuerung ist weiter auf dem Rückzug. Die Mini-Inflation lässt den Bundesbürgern mehr im Geldbeutel. Verantwortlich dafür ist der Rückgang der Energiepreise.

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    Die Verbraucher haben mehr im Geldbeutel. Foto: Gina Sanders/Fotolia
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Seit Monaten sinkt die Inflation in Deutschland. Im März wurde nach Angaben des Statistischen Bundesamtes mit 1,0 Prozent der niedrigste Stand seit August 2010 erreicht. Was Verbraucher freut, könnte Gift sein für die Konjunktur. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bedeutet das niedrige Preisniveau für Verbraucher? Autofahrer können sich ebenso freuen wie alle, die Haus oder Wohnung heizen müssen: Die Sprit- und Energiepreise liegen seit Monaten unter dem Vorjahresniveau. Auch der starke Euro trägt dazu bei, dass Tanken und Heizen günstiger wird. Niedrige Inflation ist also gut fürs Portemonnaie: Verbraucher bekommen mehr für ihr Geld. Allerdings liegt selbst die derzeit sehr niedrige Inflationsrate in Deutschland noch über den Zinsen, die aktuell auf den meisten Sparbüchern oder Tagesgeldskonten zu verdienen sind. Ersparnisse verlieren also unter dem Strich an Wert.

Warum ist die Inflationsrate derzeit so niedrig? 70 Prozent des Inflationsrückgangs im Euroraum, so hat es kürzlich EZB-Präsident Mario Draghi vorgerechnet, gehen auf das Konto gesunkener Energie- und Lebensmittelpreise. Dass das Preisniveau in Deutschland noch höher ist als in vielen anderen Eurostaaten liegt daran, dass in Ländern wie Griechenland, Spanien und Co. Unternehmen Preise senken müssen, um wettbewerbsfähiger zu werden. Zudem müssen Regierungen sparen, um hohe Schuldenberge abzutragen. In Deutschland ist die Konjunktur hingegen relativ robust. Das schafft Raum für Investitionen und Lohnerhöhungen.

Droht eine für die Konjunktur gefährliche Deflation? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Bundesbank und die Europäische Zentralbank sehen keine deflationären Tendenzen. Bundesbankchef Jens Weidmann nennt das Risiko "sehr gering". Auf eine selbstverstärkende Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und Löhnen deute "nichts" hin. Die Inflationserwartungen seien "solide verankert". Das DIW dagegen warnt vor der Gefahr "einer sich selbst verstärkenden Deflationsspirale" bei langanhaltend niedrigen Inflationsraten.

Was kann die Europäische Zentralbank tun? Draghi hat klargestellt, dass die EZB bereit ist, alles zu tun, sollte die Teuerungsrate überraschenderweise weiter sinken. Die Notenbank prüfe auch weitere unkonventionelle Maßnahmen, darunter ein Programm zum Anleihenkauf ("Quantitative Lockerung/QE"). "Ob die EZB noch einmal die Zinsen senkt, oder gleich ein breit angelegtes Anleihenkaufprogramm beschließt, würde wohl davon abhängen, wie stark sie ihren mittelfristigen Inflationsausblick nach unten korrigiert", glaubt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil.

Wie werden sich die Verbraucherpreise weiter entwickeln? Die EZB erwartet, dass die Inflationsrate schon im April wieder etwas anziehen wird. Volkswirt Weil erklärt warum: Der übliche Anstieg der Preise für Reisen und Hotelübernachtungen rund um Ostern fällt in diesem Jahr in den April und nicht wie 2013 in den März. Zudem dürften die Energiepreise im April anders als im Vorjahr nicht sinken. Hierfür sprechen nach Weils Einschätzung etwa die tendenziell höheren Benzinpreise während der Osterferien. Insgesamt erwartet die Commerzbank, dass die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten um 0,8 Prozent pendeln wird.

Müssen Verbraucher für Nahrungsmittel weiterhin mehr zahlen als 2013? Vorerst ja, allerdings stiegen die Preise für Nahrungsmittel in Deutschland zuletzt nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Monaten. Da wegen des milden Wetters früher frisches Obst und Gemüse zu haben ist, dürfte der saisonübliche Preisrückgang für diese Waren in diesem Jahr früher einsetzen. 2013 hatte das kalte Frühjahr die Ernte verzögert. Sinkende Preise für Lebensmittel freuen die Verbraucher, sie können allerdings die Inflation insgesamt wieder etwas drücken.

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