US-Konzerne streichen in Europa Stellen

Für viele US-Konzerne gibt es wenigstens auf dem Heimatmarkt noch Wachstumschancen. In Europa aber setzen sie jetzt verstärkt den Rotstift an.

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GM-Chef Dan Akerson will bei den europäischen Töchtern Opel und Vauxhall 2600 Stellen streichen.

Die Autobauer Ford und General Motors, der Chemie-Riese Dow Chemical und der Hygiene-Artikel-Hersteller Kimberly-Clark gehören zu den größten Namen der US-Industrie. Auch in Europa wollen sie vom Wachstum profitieren. Doch wegen der Finanz- und Schuldenkrise und die Rezession in vielen Ländern streichen die Konzerne auf diesem Kontinent Stellen und schließen Fabriken.

Die US-Industriegiganten aller Branchen spüren rund um den Globus Druck. In China kommt das Wachstum nicht so rasant voran wie erhofft. In den USA herrscht große Unsicherheit. Als Spar-Region machen viele Konzerne aber angesichts der Eurokrise Europa aus. Sie kündigten Kürzungen an, um stärker zu sparen und sich weniger durch Überkapazitäten und sinkende Preise auf den Märkten angreifbar zu machen.

Ford, General Motors, Dow Chemical und Kimberly-Clark setzen bereits den Rotstift in ihrem Europa-Geschäft an. Ford kündigte mit Blick auf einen befürchteten Jahresverlust von 1,5 Mrd. EUR auf diesem Kontinent an, zwei Werke in Großbritannien und ein weiteres in Belgien zu schließen und 6200 Stellen zu streichen. Der Opel-Mutterkonzern General Motors lässt in diesem Jahr in der Europa-Abteilung insgesamt 2600 wegfallen.

Dow Chemical schließt mindestens vier Fabriken in Europa. Der Konzern Kimberly-Clark kündigte an, wegen des starken Rückgangs der Verkaufszahlen in Europa bis zu 1500 Jobs zu streichen. Neben dem sinkenden Absatz macht den Weltkonzernen auch der starke Dollar zu schaffen, der ihre Gewinne in Euro zusammenschrumpfen lässt. Auch der Chemieriese DuPont, der Konsumgüter-Konzern Colgate-Palmolive und der Computerchip-Hersteller AMD haben angekündigt, zu sparen und Stellen zu streichen - nur sagen sie bisher noch nicht, wo genau sie das tun wollen. Die Antwort liegt für den Analysten Gregori Volokhine vom Finanzdienstleister Meeschaert auf der Hand: in Asien oder in Europa. "Der einzige Markt, wo es noch ein kleines bisschen Wachstum gibt, ist in den USA."

Doch auch in ihrer Heimat lägen in den Konzern-Zentralen derzeit die Nerven blank, ergänzt Volokhine. Denn niemand wisse, wie es mit der Steuerpolitik und Investitionen weitergehe: "Also beschützen sie ihre Gewinne."

Die US-Industrie habe in den Jahren 2007 und 2008 ihr Heimatgeschäft mit Stellenstreichungen und Kürzungen der Produktion neu ausgerichtet, als die USA in die Rezession gefallen seien, sagt der Analyst Evariste Lefeuvre vom Finanzhaus Natixis. Jetzt sei der Standort Europa an der Reihe.

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