Unterforderung im Job ist weit verbreitet

Viele Beschäftigte fühlen sich in ihrem Job unterfordert. Das hat eine Studie der Universität Stuttgart-Hohenheim im Auftrag der IG Metall ergeben.

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Trotz Facharbeitermangels sind nach einer Studieüberraschend viele Menschen an Arbeitsplätzen eingesetzt, für die sie überqualifiziert sind. Fast jeder fünfte Arbeitnehmer (17,6 Prozent) mit Hochschulstudium oder abgeschlossener Berufsausbildung sei unterfordert, heißt es in einer von der IG Metall Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen Untersuchung der Universität Stuttgart-Hohenheim."Da liegt ein Potenzial brach, mit dem ein großer Teil der Facharbeiterlücke geschlossen werden könnte", sagte Baden-Württembergs IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann in Stuttgart.

Diese werde im Südwesten auf 200 000 beziffert. Die Zahl der nicht entsprechend ihrer Qualifikation eingesetzten Menschen liege aber etwa dreimal so hoch, sagte der Gewerkschafter. Er mahnte vor allem Weiterbildungsanstrengungen bei den Firmen und eine bessere Berufsorientierung an. Überdies dürften die Firmen bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter nicht so wählerisch sein. Auch müssten die Hochschulen mehr berufsbegleitende Weiterbildungsangebote bereitstellen.

Laut Ralf Rukwid von der Uni Hohenheim sind 10,8 Prozent der untersuchten Arbeitnehmergruppe stark und 6,8 Prozent leicht bis mittelüberqualifiziert. Im Bund lag der Anteil der unterforderten Menschen mit einer beruflichen Ausbildung (17,2 Prozent) unter dem derjenigen mit abgeschlossenem Studium (18,9 Prozent). Im Südwesten waren die Werte leicht geringer: für die Akademiker lagen sie bei 18 Prozent, für die nicht-akademisch Gebildeten bei 15,3 Prozent. In Ostdeutschland ist das Risiko eines der Qualifikation nicht angemessenen Arbeitsplatzes stärker ausgeprägt (18,7 Prozent) als im Westen (17,4 Prozent). Grundlage der Studie waren Daten von 6500 Menschen.

Als Risikogruppen hat Rukwid Frauen, Migranten, Teilzeit-, befristet oder geringfügig, sehr junge und sehr alte Beschäftigte sowie Neuangestellte ausgemacht."Unterwertige Beschäftigung hat weitreichende Folgen, aber sie ist in der öffentliche Debatte wenig im Blickpunkt", sagte er.

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