Umstrittenes Geschäftsfeld

Die Gewinnmaschine Investmentbanking stottert. Auch schärfere Vorgaben zwingen Banken zum Umdenken. Die Antworten in den Konzernzentralen fallen jedoch höchst unterschiedlich aus.

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Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain kann gute Quartalszahlen präsentieren. Foto: dpa

Radikalkur hier, klingelnde Kassen dort: Im Investmentbanking trennt sich die Spreu vom Weizen. Unter dem Druck staatlicher Regulierung läuft die einst gefeierte Profitmaschine nicht mehr so rund wie vor der Finanzkrise. Die Schweizer UBS macht einen radikalen Schnitt, zerschlägt ihr gesamtes Investmentbanking und fügt die Reste zu einer erheblich kleineren Einheit zusammen. Bis zu 10 000 Stellen - vor allem in London und New York - werden in den nächsten drei Jahren gestrichen.

Von derart drastischen Maßnahmen ist die Deutsche Bank weit entfernt: Zwar versuchen auch die Frankfurter, Risiken zu minimieren und kappen ebenfalls Stellen im Kapitalmarktgeschäft (darunter versteht man unter anderem den Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung). Doch das seit Juni amtierende Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen macht klar: Am Modell einer breit aufgestellten Bank vom Privatkunden bis zum Investmentbanking wird nicht gerüttelt.

Ganz anders die UBS: So konsequent wie die Schweizer geht bislang kein Konkurrent vor. Analysten zufolge ist die in Zürich von UBS-Chef Sergio Ermotti verkündete Neuausrichtung des Konzerns das bislang größte Kostensenkungsprogramm im europäischen Investmentbanking. "Die UBS ist weltweit die einzige Bank, die sich dank ihrer Position einen solchen Schritt auch leisten kann", sagt Ermotti. Für Selbstbewusstsein sorgt das wieder florierende Vermögensverwaltungs-Geschäft, aber auch die branchenweit vergleichsweise komfortable Eigenkapitalausstattung.

Der andere Teil der Wahrheit: Branchenweit erholte sich das Investmentbanking im dritten Quartal angesichts der Beruhigung an den Finanzmärkten wieder. Vor allem das Hypothekengeschäft in den USA - einst Auslöser der Finanzkrise - erlebte eine Renaissance, auch dank Milliardenhilfen der US-Notenbank Fed. Diese senken die Zinsen und fördern zugleich den Handel mit Hypothekenpapieren. Davon kann die UBS anders als die Deutsche Bank kaum profitieren.

Der Banken-Analyst Dieter Hein vom Analysehaus Fairesearch bezweifelt, dass die Deutsche Bank mit dem Investmentbanking gut fährt. Das klassische Bankgeschäft habe der Deutschen Bank zwischen 1998 und 2011 eine Vorsteuer-Rendite bezogen auf das Aktienkapital von 21,5 Prozent pro Jahr gebracht, das Investmentbanking dagegen nur 11,1 Prozent.

Der oberste Kapitalmarktstratege Jain und Deutschland-Chef Fitschen wollen die deutsche Nummer eins in der Weltspitze etablieren. Dass sie dafür das Investmentbanking brauchen, zeigen die jüngsten Geschäftszahlen (siehe Kasten). Für den Rest des Jahres erwarten sie eine moderat positive Entwicklung, ein konkretes Gewinnziel geben Fitschen und Jain nicht. Der Gewinn der Bank wird auch durch den geplanten Personalabbau belastet. Bis zum Jahresende sollen 1990 Stellen abgebaut werden, 814 der 9800 Investmentbanker müssen gehen. Insgesamt will die Bank in den nächsten drei Jahren rund 4 Mrd. EUR investieren und 2015 die jährlich angestrebten Kosteneinsparungen von 4,5 Mrd. EUR erreichen.

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