Trends der Photokina: Fotoapparate für Selfies und Mini-Cams

Die Fotografie ist an ihrem 175. Geburtstag quicklebendig. Zwar werden weniger traditionelle Kameras verkauft. Doch Smartphones, Wearables und Actioncams sind gefragt, zeigt die Messe Photokina.

|

Die Fotobranche verändert sich rasant. Im Zeitalter der Digitalisierung werden immer mehr Bilder im Internet gespeichert. Soziale Medien erfüllen die Funktion von Fotobüchern. Die Hochzeit wird sofort ins Internet hochgeladen. Freunde und Verwandte betrachten die Bilder von der Geburtstagsfeier des Kindes online. Strandbilder werden öffentlich präsentiert oder in privaten Onlinespeichern gesammelt. Bilder, die etwa den Fotografen beim Wandern zeigen (Selfies), spielen eine wichtige Rolle. Die Dokumentation von Sport und Abenteuer bekommt einen größeren Stellenwert. Immer öfters werden Fotos mit dem Handy aufgenommen. Gleichzeitig verschwindet die anspruchsvolle Fotografie aber nicht.

Das alles spiegelt die Messe Photokina wider (16. bis 21. September). Eine Kompaktkamera, die sich mit Gesten steuern lässt, oder eine Spiegelreflex, die vom Smartphone ferngesteuert wird: In den neuen Aufnahmegeräten steckt so viel Hightech wie nie zuvor, und in der neuen Fotowelt ist alles mit jedem kabellos verbunden.

Nikon stellt eine Selfie-Kamera mit seiner Coolpix S6900 vor. "Nie wieder der eigene Arm auf dem Selfie", verspricht ein Nikon-Sprecher. Denn der Auslöser lässt sich über eine Handbewegung betätigen. Der Hersteller hat vor allem junge Damen als Zielgruppe im Blick.

Das neue Kompaktmodell soll auch eine Antwort sein auf die weiter boomenden Smartphones mit immer besseren Fotofunktionen, die die einfachen Kompaktkameras seit einigen Jahren zunehmend vom Markt drängen. Damit sinkt auch der Absatz von klassischen Kameras - in Deutschland 2014 laut Prognose des Photoindustrie-Verbands (PIV) um 13 Prozent auf 5,26 Mio. Geräte. Das Umsatzminus fällt mit 4,6 Prozent auf 1,45 Mrd. EUR aber schwächer aus, da es vor allem bei preiswerten Kompaktkameras Rückgänge gibt, die von den boomenden Smartphones verdrängt werden. Der PIV rechnet mit stagnierenden 20 Mrd. EUR Umsatz.

Moderne Systemkameras oder Spiegelreflexmodelle lassen sich inzwischen via Handy fernsteuern, so auch die Olympus PEN E-PL7, bei der das aus einer Entfernung von bis zu 100 Metern funktioniert, schildert Produktmanager Nils Häußler. Ein Stabilisator sorge dafür, dass Bilder auch nicht verwackeln, wenn die Kamera nur mit einer Hand gehalten wird- das geht wieder an die Selfie-Fans.

Im Fokus der Photokina 2014 mit 1070 Ausstellern aus 51 Ländern steht bis Sonntag auch die Lichtfeldfotografie. Mithilfe eines speziellen Sensors wird nicht nur eine Lichtebene, sondern das gesamte Lichtfeld mit jedem Lichtstrahl rund um das Motiv aufgenommen, erklärt Jason Rosenthal, Chef des amerikanischen Herstellers Lytro. Es muss nicht vor dem Auslösen scharf gestellt werden. Bei Fokus und Schärfe kann jeder beliebige Punkt auf dem Bild mit der Lytro Illum nachträglich verändert werden - sofern der Verbraucher 1599 EUR investiert. Diese Technologie werde bald in alle Aufnahmegeräte Einzug halten, meint Rosenthal.

Zentral ins Blickfeld rücken auch die Wearables, Mini-Computer mit Kameras in Form von Broschen, Armbändern oder Kettenanhängern, die ihre Umgebung rund um die Uhr aufnehmen. Der PIV glaubt, dieser Markt werde "explodieren". Viele internationale Anbieter haben zudem neue Modelle der noch recht jungen Actioncam im Gepäck, dem robusten Outdoor-Aufnahmegerät etwa fürs Biken oder Tauchen. Spezialisten wie die fliegenden Fotodrohnen sind ebenfalls gefragt.

Größere Themen sind die inzwischen rund 45 000 Foto-Apps, 3D-Drucktechnik und digital bedruckte Fototapeten. Bei letzteren gebe es viel Potenzial, heißt es beim Mittelständler Sihl.

Fotobücher sind im 175. Jahr der Fotografie weiter sehr gefragt. Fujifilm stellt ein Modell mit integriertem HD-Videomonitor vor: Auf der rechten Seite sind Fotos zu sehen, auf der linken Seite bewegte Bilder.

Auch die gute alte Sofortbildkamera sei wieder obenauf, betont der Veranstalter Koelnmesse. Und der PIV meint, sogar die ausgestorben geglaubte Analogkamera erlebe eine "Wiedergeburt".

Aufnahmen von Musikern

Fotokunst Die Photokina präsentiert neben Techniktrends auch 30 Ausstellungen mit Fotokunst zum Thema Musik. So sind Arbeiten des US-Musikfotografen Jim Marshall mit Aufnahmen des letzten Beatles-Konzerts und der Rolling-Stones-Tour von 1972 zu sehen. Darüber hinaus werden Aufnahmen von Glen Craig mit Miles Davis, von Jürgen Schadberg über Jazz in Südafrika und von Anton Corbijn gezeigt. Ein weiterer Schwerpunkt der Fotoausstellungen sind Naturaufnahmen. Jan Michael Hosan zeigt etwa mit einer speziellen Beleuchtungstechnik entstandene Aufnahmen von Schmetterlingen.

Eintritt Die Tageskarte kostet 29 Euro (Vorverkauf) und 46 Euro (Tageskasse). Ermäßigte Karten: 12 Euro und 14 Euro. 

EPD/VT

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen