Trend zur Sparsamkeit

Der Hausgerätehersteller BSH profitiert vom Trend zu Kaffee- automaten. Der Konzern erzielte 2011 einen Rekordumsatz. Allerdings belasteten extrem gestiegene Rohstoffpreise den Gewinn.

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Fertigung von Waschmaschinen in Nauen: Energieeffizienz spielt dabei genauso eine große Rolle wie die Waschgewohnheiten der Nutzer. Firmenfoto

Ein wenig skeptisch schaut der ältere Herr die drei Kaffeevollautomaten von der Bosch und Siemenshausgeräte GmbH (BSH) an. Die kleinen technischen Wunder - heute besteht eine Kaffeemaschine aus mehr als 500 Teilen - wecken eindeutig sein Interesse. "Auswählen und auf den Start-Knopf drücken", erklärt eine blonde Hostesse freundlich. "So einfach ist es ?", fragt der Mann fast schon ein wenig enttäuscht, dass sein technisches Know-how hier nicht gefragt wird. Die junge Frau nickt und lächelt.

Hinter der einfachen Bedienung der Geräte steckt die Philosophie von BSH. Auf Knopfdruck soll Kaffeegenuss kommen. "Die Kaffeekultur hat sich grundlegend verändert", sagte Konzernchef Kurt-Ludwig Gutberlet gestern in München. BSH profitierte im vergangenen Jahr von dieser Entwicklung und steigerte den Absatz seiner "Tassimo"-Automaten, die ähnlich wie bei dem Konkurrenz-System Nespresso per Knopfdruck tassenweise Kaffee aus Kapseln brühen, um fast 30 Prozent. Das Gemeinschaftsunternehmen der Konzerne Bosch und Siemens errichtete daher 2011 im oberbayerischen Traunreut ein Entwicklungszentrum für Kaffeevollautomaten, um das Geschäft weiter anzukurbeln.

Den Großteil seines Geschäfts erzielt der Konzern allerdings mit so genannter Weißer Ware, also Wasch-, Geschirrspülmaschinen, Kühlgeräten und Trocknern - und das weltweit. Dabei müssen die Entwickler auf kulturelle Unterschiede und Vorlieben achten.

So sind zum Beispiel Waschgewohnheiten in den USA anders als in Russland oder Indien. Während die Amerikaner gerne kalt, kurz und oft waschen, wollen die Inder bei "Handwäsche" ihre Kleidung gründlich geknetet und gerieben wissen. Bei den Chinesen steht die Waschmaschine im Wohnzimmer, soll also möglichst leise sein. In Russland ist der Platz in engen Wohnungen kostbar, deshalb sind Waschmaschinen in Baukastenmodellen beliebt. "Die Geräte müssen dabei vor allem einfach zu bedienen sein und ein schönes Design haben", sagte BSH-Chef Gutberlet.

Diese Firmen-Philosophie hat sich ausgezahlt. Der Umsatz kletterte um 6,4 Prozent auf den Rekordwert von 9,6 Mrd. EUR. Allerdings brach der Konzerngewinn im vergangenen Jahr um ein Fünftel ein. Finanzvorstand Johannes Närger begründete dies mit stark gestiegenen Rohstoffkosten. Der Materialeinkauf habe sich binnen Jahresfrist um 200 Mio. EUR verteuert.

Auch der Verkauf von besonders energieeffizienten Geräten (A+++) konnte die Erwartungen nicht erfüllen. Da die Geräte teurer sind, bevorzugten viele Verbraucher immer noch Kühlschränke oder Tiefkühlgeräte mit höherem Energieverbrauch. In Deutschland aber sind die energiesparenden Geräten auf dem Vormarsch. Das liege an dem größeren Umweltbewusstsein und den höheren Strompreisen. Der Absatz stieg um 12 Prozent, es gebe aber noch einiges zu tun: "Die Energiewende kommt uns dabei entgegen", sagt Gutberlet

"In diesem Bereich wollen wir unsere Vorreiterrolle ausbauen", kündigte BSH-Geschäftsführer Winfried Seitz. Schließlich ließen sich 15 Mrd. Kilowattstunden allein in Deutschland einsparen, wenn alle Hausgeräte ausgetauscht würden, die älter als 10 Jahre sind.

Den meisten Umsatz machte der Hausgerätehersteller im Ausland. Vor allem in der Türkei und Russland boomt das Geschäft. Deshalb eröffnet BSH beispielsweise in Sankt Petersburg ein neues Werk für Waschmaschinen. In Deutschland setzt man auf Innovationen und das Qualitätssiegel "Made in Germany". In Berlin eröffnete der Konzern ein Technologiezentrum für Wäschepflege. Am bayerisch-schwäbischen Standort Dillingen soll 2012 ein Entwicklungszentrum für Geschirrspüler entstehen.

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